"Branchenmix macht uns unabhängig"

Landrat Karl Roth setzt auf einen Branchen-Mix und dazu gehört für ihn auch die Logistik. Foto: Polster

Gilching - Während die Mehrheit des Gilchinger Gemeinderats die Ansiedlung eines Aldi Logistik-Zentrums beim Gewerbepark Gilching Süd vehement ablehnt, hat Landrat Karl Roth zum Projekt eine differenziertere Meinung. In einem Interview mit KREISBOTEN-Mitarbeiterin Polly Polster erklärt er, warum.

KB: Sie haben sich in Punkto Aldi-Logistikzentrum bisher zurück gehalten. Hatte dies einen besonderen Grund? Roth: Nein, keinen konkreten. In erster Linie ist das geplante Logistikzentrum eine Sache, die alleine die Gemeinden Gilching und Gauting und in Gilching zusätzlich nun auch die Bürger entscheiden. Den Landkreis betrifft es juristisch erst dann, wenn es um die Herausnahme der Flächen aus dem Landschaftsschutz geht. KB: Dennoch werden Sie sich mittlerweile auch eine Meinung gebildet haben? Roth: Selbstverständlich. Zumal ich auf Landkreis-Treffen immer wieder auf das Thema angesprochen werde. In einer Wachstumsregion, wie die Region München, wird auch in Zukunft der Bedarf an Logistikflächen vorhanden sein. Diesem Bedürfnis darf sich der Landkreis Starnberg auch nicht verschließen. KB: Verstehen Sie die Gegen-Argumente, die von den Kritikern vorgebracht werden? Roth: Ich verstehe diese sehr gut, wenn man befürchtet, der unkontrollierten Erweiterung von Gewerbeflächen Tür und Tor zu öffnen. Ich würde mir wünschen, wenn die Gemeinden Gilching und Gauting in Zukunft die mögliche Planung der Flächen zwischen dem Gewerbegebiet Gilching-Süd und Unterbrunn gemeinsam abstimmen könnten. KB: Der Gilchinger Gemeinderat ist der Meinung, Gauting hat keine Chance, das Projekt rein aus raumplanerischen Gründen durchzubringen. Roth: Ich wüsste nicht, was dagegen spricht. Logistikzentren können auch außerhalb von Bebauungen angesiedelt werden. Sie unterliegen nicht dem Anbindungsgebot, das besagt, dass neue Gewerbegebiete direkt an bestehende Bebauung angebunden werden müssen. KB: Und was ist mit dem Landschaftsschutz? Roth: Über 70 Prozent der Flächen im Landkreis Starnberg stehen unter Landschaftsschutz, und das ist auch wichtig. Trotzdem bleibt es nicht aus, dass bei einer natürlichen Entwicklung der Kommunen immer wieder mal Flächen herausgenommen werden müssen. Wie bei anderen Projekten auch, muss natürlich ein adäquater Ersatz geboten werden. Dies gilt auch für Aldi! KB: Firmen die sich neu auf Baustufe II im Gewerbepark Süd ansiedeln, befürchteten, dass durch ein Logistikzentrum das Markenzeichen Hightech-Standort verloren geht und wollten schon einen Rückzieher machen. Ist der Preis dann nicht zu hoch? Roth: So viel ich weiß, ist es notariell festgezurrt, dass zwischen dem Standort für das geplante Logistik-Zentrum und der Baustufe II als Sichtschutz ein 60 Meter breiter Waldstreifen aufgeforstet wird. Es soll auch diesbezüglich schon Gespräche zwischen Aldi und den neuen Firmen gegeben haben. KB: Sie stehen also hinter dem Aldi-Projekt? Roth: Mir ist wichtig, dass wir im Landkreis Starnberg eine weiterhin wirtschaftlich positive Entwicklung haben. Entscheidend dabei ist der Branchenmix, der uns unabhängig von Krisen macht. Dazu gehört auch die Logistik! Außerdem würden kurz- und langfristig neue und auch sichere Arbeits- und Ausbildungsplätze geschaffen.

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