Bremer Stadtmusikanten

Eine hinreißende Version

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Gilching – „Hi, hi, hi, hi, Miezi, Kikeriki!“ Am Ende mussten Heinz-Josef Braun und Stefan Murr noch einmal den musikalischen „Eros Gockelotti“ machen – das restlos begeisterte Publikum hatte sich diese eigentlich an eine Miezekatze adressierte, buchstäblich Federn lassende Nummer per Abstimmung als Zugabe gewünscht.

Die allererste Veranstaltung auf der Bühne des neuen Rathaussaals hätte sich wohl kein enthusiastischeres Publikum wünschen können, und der Auftakt zur 2. Gilchinger Kunst- & Kulturwoche mit seinem Kinderprogramm auch nicht: „Die bayerischen Bremer Stadtmusikanten“ lieferten eine hinreißende Version des Märchen-Klassikers, die den beiden Akteuren wirklich alles abverlangte, was Stimme und Gesichtsmuskulatur hergaben. Veranstalterin Uli Singer hatte das Duo Braun/Murr schon öfters mit dieser berühmten Ballade in Aktion erlebt und beschlossen, dass es unbedingt eine Bereicherung für die Kulturwoche wäre – gesagt, getan: Esel, Hund, Miezekatze und der eitle Gockel gaben sich am Freitagabend in Gestalt der beiden Schauspieler die Ehre, dazu noch ein paar nur ans Futtern denkende Ratten (Braun) mit der geschliffenen Manier von Restaurant-Testern und Vorderbeißern zum Fürchten. Murr, dem breiten Publikum vor allem durch sein großartig-huldvolles Auftreten als Karl-Theodor zu Guttenberg beim Nockherberg-Singspiel in ewiger Erinnerung, kapriziert sich im Laufe der „Stadtmusikanten“-Abenteuer erst auf den depressiven Esel, dann auf die verträumte Katze (mit leicht wienerischem Akzent) und schließlich den im Stile von Ex-Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni radebrechenden Hahn („Ich ´abe fertig!“), während der unter anderem durch die Marcus H. Rosenmüller-Filme „Sommer in Orange“ und „Beste Chance“ bekannte Heinz-Josef Braun den etwas „groberen“ Typen eine Stimme gibt, also dem altersgrimmigen, bairisch-gschnappigen Hund mit herausnehmbarem Gebiss oder später dem Räuberhauptmann, den die Bremen-Fahrer samt seiner Bande in die Flucht schlagen: Braun, von Berufs wegen auch noch Musiker, bringt dazu die Gitarre mit, und so lockert sich die Erzählung von den vier heimatlos gewordenen Viechern immer wieder schön durch Lieder auf wie das eingangs erwähnte, von Stefan Murr herrlich affektiert vorgetragene Gockel-Motiv. Esel zum Hund auf gut bairisch: „Du singst herausragend, i aa – nachert auf zur Oper nach Bremen!“ Absoluter Höhepunkt der Grimassierkunst ist dann Brauns schmerzensreiches Desaster als Räuber, dem die Katze samt Krallen ins Gesicht springt und ein Eselstritt den Rest gibt: Dagegen waren vergleichbare Szenen aus „Kevin allein zu Haus“ ein Kindergeburtstag. So machte es auch gar nichts aus, dass es Esel, Hund, Katze und Gockel gar nicht bis nach Bremen schaffen. Murr/Braun haben den Triumph der „Fab Four“ übrigens als CD eingespielt und weitere berühmte Stoffe vertont – etwa: „Käfer-Mary und die Kakerlaken-Mafia“. Auch das würde der Insektenforscher gerne mal „live“ erleben... mps

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