Herrschinger Christkindlmarkt

Jetzt kommt es zum Bürgerentscheid

+

Herrsching – Der Herrschinger Gemeinderat hat sich mit deutlicher Mehrheit für einen Bürgerentscheid über die Zukunft des Christkindlmarktes ausgesprochen.

Termin für die Abstimmung ist Sonntag, 12. April. Um das Quorum zu erreichen, müssen 1.600 Bürger zur Wahl gehen. „Dieser Bürgerentscheid dürfte in der Geschichte der Bundesrepublik einmalig sein.“ Bürgermeister Christian Schiller konnte in der Sitzung am Montag seinen Ärger über diese Abstimmung kaum verbergen. „Über uns wird nicht nur die Sonne lachen“, prophezeite der Rathauschef. Der Gemeinderat hatte im vergangenen Sommer in nicht öffentlicher Sitzung entschieden, den Christkindlmarkt, der bis dato zwischen der St.-Martinskirche und dem Post-Garten seinen Platz hatte, zur Probe auf das Gelände der evangelischen Kirche sowie des Möbelhauses Darchinger am Ravina-Romagnano-Platz zu verlegen. Die Argumente damals: Die Nähe zur S-Bahn, eine bessere Erreichbarkeit auch für behinderte Mitbürger und ein großzügigeres Platzangebot für die Standlbetreiber. Schnell tat sich Widerstand auf. Allen voran der Besitzer des Gasthofes zur Post, Wolfgang Thamm, trommelte Unterstützer zusammen, um die Bürgerinitiative „Unser Herrsching – ja zum traditionellen Christkindlmarkt“ zu gründen. Wie berichtet, sammelten sie Unterschriften, um den Gemeinderat umzustimmen. Doch daraus wurde nichts, letztendlich sah man nur noch die Chance, mit einem Bürgerentscheid die alten Verhältnisse herzustellen. Mittlerweile hat der Christkindlmarkt am neuen Standort an der Madeleine-Ruoff-Straße stattgefunden – mit großer Zufriedenheit bei den Händler wie auch den Besucher. Letztere begrüßten vor allem die Barrierefreiheit und die günstige Erreichbarkeit. Was in der Sitzung auch der Behindertenbeauftragte und FDP-Gemeinde- rat Alfred Ploetz feststellte. Verschiedene Herrschinger Bürger, die sich auf der Unterschriftenliste für den Verbleib des Marktes ausgesprochen hatten, wollten schließlich bei einem Bürgerentscheid nicht mehr mitziehen. Und nahmen ihre Unterschriften wieder zurück. Laut Gemeinde-Geschäftsleiter Günther Pausewang waren es zehn, die ihre Unterschriften rechtzeitig vor Abgabe des Begehrens schriftlich zurückgenommen hatten, beziehungsweise diese bereits auf den Listen streichen ließen. Gültige Unterstützer waren es insgesamt 850, somit sind die erforderlichen 725 Unterschriften erreicht und dem Bürgerentscheid – auch die Fragestellung wurde geprüft und als zulässig erachtet – steht rechtlich nichts mehr im Weg. Im Vorfeld der Sitzung am vergangenen Montag hatten die Initiatoren um Wolfgang Thamm und Roman Bauer in einem Schreiben an Bürgermeister Schiller und dem Gemeinderat noch einmal einige Punkte aufgeführt, warum ihrer Meinung nach der Markt unterhalb der Martinskirche im alten Zentrums Herrsching verbleiben soll. Unter anderem nennen sie das historische Umfeld mit dem rund 500 Jahre alten Gasthof Zur Post, aber auch die „einzigartige Weihnachtstanne“, die es mit dem Christbaum auf dem Münchner Marienplatz „jederzeit aufnehmen kann“, führen sie an. Ebenso den „Sinnbezug eines Christkindlmarktes“ zum bisherigen Standort mit seinem „historischen Ensemble mit mehrhundertjähriger Geschichte.“ Diesen historischen Bezug zur evangelischen Erlöserkirche, die 1950 errichtet wurde, sehen die Unterzeichner nicht gegeben. CSU-Gemeinderat Klaus Pittrich, der selbst einen gemeinnützigen Stand betreibt, hat sich auch am neuen Platz „wohl gefühlt“, wie er schilderte. „Mir geht es um eine Lösung für das Alte Dorf“, unterstrich Pittrich. Von „dort oben“ sei Herrsching gewachsen – und er selbst aufgewachsen. Schiller wiederum erinnerte die Runde daran, dass der Markt rund 15 Jahre hinter dem Rathaus untergebracht war und ihn lange Zeit niemand so recht haben wollte. Jetzt von Tradition zu sprechen, sei vermessen. Und für Wolfgang Schneider (SPD) ist es ausgemacht, hier dürften in erster Linie „privatwirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen“. Wolfgang Thamm erteilte die Runde am Montag eine Abfuhr. Dieser wollte nochmals seine Argumente vortragen – der Rat untersagte ihm jedoch ein Rederecht. Das gab es in Herrsching auch noch nicht. O. Puls

Meistgelesene Artikel

Die letzte Fahrt wird teuer

Stegen – Die MS Utting geht in München vor Anker: Das 1950 gebaute Passagierschiff kaufte ein Münchner Veranstalter. Ersetzt wird das Schiff im …
Die letzte Fahrt wird teuer

Auftakt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstags Tutzings

Tutzing – Zu ganz besonderen Anlässen kann die Gemeinde Tutzing die ansonsten verpachtete Kustermann-Villa für eigene Veranstaltungen nutzen - und so …
Auftakt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstags Tutzings

Ehepaar wegen gemeinschaftlichen Betruges in zwei Fällen verurteilt

Tutzing – Als ein Ehepaar vor über drei Jahren eine Villa am Tutzinger Höhenberg anmietete, beging vor allem der laut seinem Anwalt „federführende“ …
Ehepaar wegen gemeinschaftlichen Betruges in zwei Fällen verurteilt

Kommentare