"Butterstreit mit Folgen"

Erster Erfolg im „Butterstreit“ mit Stiftung Warentest: Das Landgericht Mannheim hat am gestrigen Dienstag der Verfügungsklage von Barbara Scheitz auf Unterlassung der Darstellung in „test“, die Butter ihres Hauses sei „mangelhaft“, entsprochen. Das schriftliche Urteil wird den Klage-Parteien am heutigen Mittwoch zugestellt. Damit geht die erste Runde an die Molkerei-Chefin, die in der vergangnen Woche im Münchner Presseclub mit namhaften Lebensmittel-Experten an ihrer Seite bemüht war, das „verfälschte Bild“ eines ihrer Erzeugnisse zurechtzurücken.

In der vergangenen Woche hatte Barbara Scheitz, Geschäftsführerin der Andechser Molkerei Scheitz, bereits zu einer Pressekonferenz in den Münchner Presseclub geladen. In der jüngsten Ausgabe ihres „test“-Heftes hat die Stiftung Warentest eine Butter aus dem Hause Scheitz mit „Mangelhaft“ bewertet. Wogegen sich die Geschäftsführerin entschieden wehrt: Die Butter-Tester haben nämlich auch zwei weitere Produkte mit jeweils „gut“ ausgelobt, die Butter stammte aber ebenfalls von der Andechser Molkerei. „Gleiche Milch, gleiche Molkerei, gleiche Technik, gleiche Starterkulturen... wo soll da ein Qualitätsunterschied von gut auf mangelhaft herkommen?“ Scheitz schilderte in der Pressekonferenz, dass nach bekannt werden des „test“-Ergbnisses die Telefone nicht mehr still standen: „Wir hatten erschrockene Kunden am Telefon, die wissen wollten, was da los ist bei uns. Es meldeten sich verunsicherte Lieferanten und Abnehmer, unsere eigenes Personal. Erklären sie mal in diesem Moment, dass Milchsäure nichts Schädliches ist.“ (Die Andechser Butter wurde unter anderem wegen dem Milchsäuregehalt negativ bewertet; d.Red.) Sie selbst habe von dem Ergebnis aus dem Frühstücksfernsehen erfahren, berichtete Scheitz. Die gesamte Kette – vom Bauern bis zum Endverbraucher – sei von diesem Urteil betroffen. Erste Umsatzeinbrüche konnte die Molkerei bereits verzeichnen. „Wir behalten uns Schadensersatzforderungen vor“, versicherte sie vergangene Woche. Barbara Scheitz hat den Deutschen Milchindustrie-Verband auf ihrer Seite. Deren Geschäftsführer Michael Brandl war eigens aus Berlin zur Pressekonferenz angereist und hatte zwei hochkarätige Milchwissenschaftler im Schlepptau: Professor Knut Heller vom Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Mikrobiologie und Biotechnologie“ in Kiel, und Dr. Herbert Seiler von der TU München und Freising in Weihenstephan. Alle drei gaben der gebeutelten Molkereibetreiberin Rückendeckung und stellten den Butter-Testern ein schlechtes Zeugnis aus. „Mindestens mangelhaft“, war von ihnen zu hören. Die Milchexperten sowie Verbandsvertreter Brandl kritisierten Begriffsverwirrungen und Daten-Verwechslungen in der Untersuchung, die bereits im Mai statt gefunden hat. „Leider fachlich fragwürdig“, so der Kommentar Brandls. Wie Herbert Seiler, der sogar von Stiftung Warentest zitiert wird, verdeutlichte, sei die Anzahl der Milchsäurebakterien „kein Qualitätskriterium für industriell hergestellte Sauerrahmbutter“. Seiler hat zu diesem Thema ein Lehrbuch geschrieben, das heute als Standartwerk gilt. „Entscheidend für den Genusswert der Butter ist die Ausprägung des Butteraromas (Diacetyl) und der milchig saure Geschmack und nicht die Konzentration an Milchsäurebakterien.“ Und Professor Heller stellte fest, der von den Warentestern für ihren Buttertest eingebrachte Ausdruck „Nutzflora“ sei als Qualitätsmerkmal nicht annehmbar. „Es gibt weder eine Verordnung noch ein Gesetz, dass sich über die Anzahl von Milchsäurebakterien in Sauerrahmbutter auslässt, deshalb ist diese Bewertung nicht nachvollziehbar und somit willkürlich.“ Außerdem bleibe unklar, was unter „Nutzflora“ zu verstehen sei. „Außerdem“, so Heller weiter, „ist Butter gleich Fett und wird für bestimmte Zwecke benutzt und nicht zum Gesund werden.“ Was der Professor damit meinte, ist die „derzeitige probiotische Modewelle“. Mittlerweile musste Stiftung Warentest einräumen, dass die Andechser Vorwürfe zu Recht bestehen. „In der Zusammenstellung der chemischen Daten ist uns eine Verwechslung passiert“, gestand Vorstand Werner Brinkmann. Im Internet wurden die Bewertungen bereits korrigiert. In der Zeitschrift, die jetzt in den Handel gekommen ist, heißt es aber weiterhin bei Andechser Butter: „Mangelhaft“. Für Barbara Scheitz steht somit fest, dass die Bewertung aufrecht gehalten werde. Und daher erwartet Milchindustrie-Geschäftsführer Michael Brandl, „dass das aktuelle Beispiel dazu führt, dass die Arbeits- und Darstellungsweise der Stiftung Warentest wieder kritisch hinterfragt wird und Konsequenzen gezogen werden für eine qualitative Verbesserung.“ Dies läge, so Brandl abschließend, „im Interesse aller Beteiligten“.

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