"Das G’sicht passt nicht in die Stadt"

Hans Lampl erinnert sich an Alltägliches in Argelsried. Foto: Polster

Längst schon befinden wir uns in einem Zeitalter, das von moderner Technik und Kommunikationsmitteln geprägt ist. Nach der Schrift und dem Buchdruck dürfte wohl der Computer eine der wichtigsten Erfindungen für die Entwicklung der Menschheit sein. Dennoch sollte nicht vergessen werden, unter welchen Umständen noch unsere Großeltern ihren Alltag meisterten.

Einer dieser wichtigen Zeitzeugen, die viel zu erzählen haben, ist Hans Lampl aus Argelsried: Er ist gebürtiger Argelsrieder – darauf legt er großen Wert – und weiß spätestens seit seiner Geburt vor 84 Jahren, dass er kein Großstadtgesicht hat. Das habe ihm eine katholische Schwester von der Frauenklinik in der Lindwurmstraße in München direkt ins Gesicht gesagt, sagt Lampl. Kein Wunder. War er doch ein lediges Kind und die Mama, eine gebürtige Argelsriederin, protestantisch. Ja, taufen wollten ihn die katholischen Schwestern gleich nach der Geburt. Das aber wollte die Mama nicht. Als sie auch am zweiten Tage nicht bereit war, ihn ans Taufbecken zu tragen, habe man ihr gesagt: „Nehmen’s den Buben und gehen’s wieder raus auf’s Land. Das Gesicht passt nicht in die Großstadt.“ Da wollte er auch nie hin. Als Betriebsleiter am Postamt Gilching und als langjähriger Gemeinderat hat sich Lampl stets wohl und seiner ländlichen Heimat eng verbunden gefühlt. Das drückt sich auch in den zahlreichen Aufzeichnungen aus, die er zusammen mit Rudi Schicht in der Argelsrieder Chronik veröffentlicht hat. Mehr aber noch, als die Erinnerungen schriftlich festzuhalten, liegt ihm das Erzählen. Aus einer Zeit, als es weder Telefon, noch Radio noch Fernsehen gab. „Damals wurden die Geschichten mündlich übertragen“, erinnert sich Lampl. So eine Schaltstelle war das ehemalige Argelsrieder Gasthaus. Es lag direkt an der Landsberger Straße, dort, wo die mit Pferdekutschen reisende Menschen Rast machten. „Mein Großvater, der Johann Bach, ging da gerne hin und hörte sich die Geschichten an, die von den Durchreisenden erzählt wurden. Er war über vieles, was in der Welt so passierte, informiert und erzählte es uns wieder weiter.“ Lampl erinnert sich aber auch an die ganz alltäglichen Erfahrungen. Zum Beispiel an die erste moderne Wasserversorgung, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Dazu wurden am Steinberg vier oder auch fünf sogenannte zwei Meter tiefe Bründl gegraben, in denen sich das Wasser sammelte. Mit Holzrohren, die einen Durchmesser von acht bis zehn Zentimeter hatten, wurde das Wasser dann über die ehemalige Volksschule (heute Montessorischule) zum Friedhof Argelsried und auf den etwa 30 Meter hohen Hügel hinter dem Gottesacker geleitet. Von dort aus, erinnert sich Lampl, verteilte sich dann das Wasser wieder über Holzrohre in die jeweiligen Haushalte. Die Wasserversorgung brach dann zusammen, wenn es einen strengen Winter gab und das Wasser in den Leitungen gefror. Abhilfe schaffte da der Brunnen der damaligen Brauerei, die zum Gasthaus Argelsried gehörte. „Die brauchten ja zum Bier brauen gutes Wasser. Deshalb gruben sie den Brunnen 40 Meter tief. Da fror nichts mehr ein“, weiß Lampl. Die Argelsrieder durften sich so lange Wasser aus dem Brauerei-Brunnen holen, bis die kommunale Leitung wieder aufgetaut war. „Ich erinnere mich noch an das letzte Mal, als wir Wasser holten. Es war ein eiskalter Winter 1946/47 und es hatte Minus 30 Grad. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Die Mutter hat mich mit einem Schlitten und einem Waschzuber los geschickt, um am Brunner der Brauerei Wasser zu holen. Der Weg dorthin war etwa zehn Minuten lang. Bis ich wieder zu Hause war, gab es bereits eine fingerdicke Eisschicht.“ Zeitzeugen auch unter www.starnberger-landpartie.de.

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