Eine Perspektive für Jugendliche

Feierten gemeinsam 30 Jahre „Die Brücke Starnberg“: (v.l.) August Mehr, Michaela Mazhes, Vorsitzender Gerd Weger, Corinna Büge, Wolfgang Ohmayer, Rosa Strenkert, Sibylle Fey, Gastreferent Horst Viehmann, Peter Leuschner, Albert Luppart sowie Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger. Foto: Jaksch

Im Rahmen eines Festaktes feierte „Die Brücke Starnberg“ vor kurzem ihr 30-jähriges Bestehen in der Schlossberghalle. Der Verein kümmert sich seit nunmehr drei Jahrzehnten um die Eingliederung von straffällig gewordenen Jugendlichen. Zu dem runden Geburtstag konnte Brücke-Vorsitzender Gerd Weger neben politischen Vertretern und Bürgermeistern aus den Landkreisgemeinden auch Vertreter der Justiz, der Polizei sowie Sponsoren und Mitarbeiter begrüßen.

Als eine Art „Brücke“ zwi- schen der Gesellschaft und denen, die in ihr Probleme haben, versteht sich der Verein. „Wir versuchen den Jugendlichen eine „Perspektive für eine geordnete Zukunft zu vermitteln“, sagte Gerd Weger. In den 30 Jahren seit Gründung des Vereins hat „Die Brücke“ über 8.000 Jugendliche aus allen sozialen Schichten betreut und sie vermittelt, wenn sie vom Gericht zur Leistung von Sozialstunden verurteilt wurden. Wie wichtig solche Institutionen wie „Die Brücke“ sind, machte auch Gastredner Professor Horst Viehmann deutlich: „Das erspart der Justiz enormes Geld“, so der Kölner. Forderungen nach mehr Härte im Jugendstrafrecht wies er strikt zurück. Überall dort, wo man diesem Ruf gefolgt sei, habe sich das Problem verschärft, führte Professor Viehmann an. „Milde zahlt sich aus“, so Viehmann. Er bedauerte, dass in Starnberg der „Täter-Opfer-Ausgleich“ zurückgegangen ist. Bei dieser außergerichtlichen Konfliktschlichtung stehen die Emotionen des Opfers im Vordergrund, mit denen sich der Täter ganz konkret auseinandersetzen muss. Mit Hilfe eines professionellen Vermittlers werden Opfer und Täter darin unterstützt, eine von beiden akzeptierte (im)materielle Wiedergutmachung des durch eine Straftat entstandenen Schadens miteinander zu vereinbaren – und so den sozialen Frieden wieder her zu stellen. In Starnberg hat die Staatsanwaltschaft im Jahre 2009 nur für sieben Fälle diese außergerichtliche Schlichtungsmöglichkeit empfohlen. Der Kölner Professor vermutete, dass die Anwälte „scheinbar nicht mehr wissen, welche Befriedungsaktionen von dieser Maßnahme ausgehen“. Im Rahmen des Festaktes wurde der ehemalige Jugendrichter und Gründungsmitglied des Vereins „Brücke“ Peter Leuschner mit einer Ehrenurkunde geehrt. Gemeinsam mit zwei Schöffen hatte er am 20. Oktober 1980 den Verein gegründet, weil erzieherische Aufgaben, wie sie heute im Jugendstrafrecht verankert sind, in der Praxis im Jugendrecht zu kurz kommen.

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