"Erneuerbare Energien sind unverzichtbar"

Natascha Kohnen übt scharfe Kritik am Atom-Kompromiss der Bundesregierung, die vor der Atomlobby eingeknickt sind. Foto: Kuhn

Die Würmtal SPD lud vergangenen Donnerstag zur politischen Diskussion ins Bürgerhaus nach Gräfelfing ein. Eine zukunftssichere und nachhaltige Energiepolitik war das zentrale Thema dieses Abends. „Die Energiewende beschäftigt uns auch im Würmtal“, so Moderator Stephan Bock.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende des Kreisverbandes Starnberg und Kraillinger Ortsverbandsvorsitzende verwies auf zwei aktuelle Projekte: das Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk in Gräfelfing und das Regionalwerk im Würmtal. Zu Gast war bei der Veranstaltung auch die Generalsekretärin der Bayern SPD, Natascha Kohnen. Die auf dem Energiegebiet fachlich angesiedelte Landtagsabgeordnete setzt sich stark für die Wende zu erneuerbaren Energien aus Sonne, Wind, Wasserkraft und Biomasse ein und kritisiert massiv die von der aktuellen Regierung initiierte Laufzeitverlängerung für Kraftwerke. Regenerative Energien seien nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch vernünftig, sagte die Politikerin. Zu Beginn erzählte Kohnen eine nachdenkliche Geschichte. „1985 als die Diskussion zu einem Ausstieg aus der Atomenergie entfachte, klebten bei uns Schülern Aufkleber auf dem Taschenrechner mit der Aufschrift ‘Atomkraft? Nein Danke!’ Jetzt ist das Thema wieder in aller Munde auch bei den Schülern. Nur mit dem Unterschied, dass heute auf den Aufklebern und Buttons steht ‘Atomkraft? Nicht schon wieder!’“. Der Ausstieg aus der Atomenergie, der zeitgleich mit der Förderung erneuerbarer Energien einhergehe, sei lange diskutiert worden, so Kohnen. Die konsequente Weiterentwicklung neuartiger Technologien zur Energiegewinnung in Deutschland sei eine unvergleichbare Erfolgsstory. Sie habe für Deutschland viele neue Arbeitsplätze geschaffen. Es sei ein Jobmotor für die Zukunft. Schon heute arbeiten 360.000 Menschen in diesem Bereich. Im Vergleich zur Atomindustrie sind es gerade einmal 30.000. Außerdem sind erneuerbare Energien für den Klimaschutz unverzichtbar. Mit den Stichworten „Erneuerbar-Effizient-Einsparen“ wies Kohnen auf die Notwendigkeit einer umfassenden Neuorientierung der Energiepolitik im Land hin. Nach der Bundestagswahl 2009 hieß es im Koalitionsvertrag man wolle ein neues Energiekonzept für Deutschland entwickeln. Für sie ist es fatal, dass man im gleichen Atemzug ein Gespräch mit der Atomlobby gesucht habe. Die Argumente pro Atomkraft des Bayerischen Umweltministers Markus Söder (CSU) teilt sie nicht. „Wir werden durch den Ausbau erneuerbarer Energien nicht im Dunkel stehen, wie Söder glaubt.“ Seine These, die Atomenergie als Brückentechnologie zu verteidigen, sei eine glatte Lüge. Kohnen kritisiert diese Haltung. Es müsse beim Atomausstieg bleiben. Wie könne man glauben, Kernenergie sei so lange nötig, bis erneuerbare Energien effizienter und akzeptabel in den Preisen sind? „Solange rund um die Uhr die Atomkraftwerke laufen, haben wir keine Chancen, erneuerbare Energien ins Netz zu speisen“, unterstrich Kohnen. „Die Einzigen, die von der Atomenergie profitieren, sind die Betreiber“. Desweiteren rechtfertige Söder Atomenergie, weil nachts keine Sonne scheine. Auch diese Aussage ist kein stichhaltiges Argument für die Generalsekretärin. Schließlich gebe es Alternativen zur Sonnenenergie, so auch die Windenergie. Weiter heißt es seitens des Minister für Umwelt, Stromkraftwerke seien sicher und die einzig klimafreundliche Energie. Kohnen widerspracht dem und verwies allein auf über 280 meldepflichte Störfälle beim Kernkraftwerk ISAR 1. Es sei bekannt, dass „Haar- und Korrosionsrisse zur Kernschmelze führen können“. Atomenergie hat für sie definitiv keine Zukunft. „Hunderte von Generationen werden mit dem Atommüll belastet“ und sicher sei auch, dass es ein wirklich sicheres Endlager für den Jahrtausende strahlenden Müll vermutlich niemals geben werde. „Hier geht es nur um die Atomlobby, und dies werden wir bekämpfen“, verkündet die Politikerin. So sahen es auch die rund 50.000 Menschen, die vor drei Monaten in München auf die Straße gingen und gegen die Atomkraft und Laufzeitverlängerung für deutsche Kraftwerke demonstrierten. Bei einem Ausbau regenerativer Energien sind aber auch die Bürger vor Ort gefragt. Es habe keinen Wert gegen Atomenergie zu sein, so Heidi Plank-Schwab, wenn man sich im eigenen Ort gegen erneuerbare Energien sprich gegen ein Biomasse Kraftwerk entscheidet, aus Sorge vor Feinstaub, schwindende Holzressourcen und steigende Holzpreise. Die Gräfelfinger SPD Gemeinderätin versteht durchaus die Bedenken einiger Bürger östlich der Würm. Das Vorhaben sei aber ein wichtiger Baustein für die Umsetzung der in der Gemeinde beschlossenen Energievision. „Unsere Energieversorgung im Ort muss langfristig ausschließlich auf die dauerhaft verfügbaren, klimafreundlichen Energieträger, Sonne, Wind, Bioenergie und Erdwärme stützen. Wie wollen wir sonst energieautark werden?“ Der 3. Bürgermeisterin missfällt die aktuelle Diskussion dann doch besser mit Öl heizen zu wollen. Ein Hauptargument der Gegner ist ein zu befürchtender steigender Holzpreis. „Als ob der Ölpreis nicht steigen würde“, konterte Plank-Schwab. „Öl- und Gaspreise werden so teuer werden, bis sie als Brennstoff für die Heizung nicht mehr wirtschaftlich tragbar sind.“ Die Gautinger SPD-Ortsvorsitzende Julia Ney berichtete über das aktuelle Projekt Regionalwerk Würmtal, das sich zum Ziel gesetzt hat, sich von dem großen Stromversoger E.on abzunabeln. Gauting hat gemeinsam mit Krailling und Planegg - den Vertrag mit dem bisherigen Stromversorger E.on nicht verlängert. Man will nicht länger abhängig sein von den großen Stromkonzernen, die „zudem wenig Ahnung von den regionalen Begebenheiten und Bedürfnissen haben und die verstärkt auf Atomstrom als auf regenerative Energien setzen“. Aus diesem Grund wollen die drei Gemeinden ein eigenes Regionalwerk aufbauen und eigenen Strom anbieten. Die Entscheidung über eine Teilnahme von Gräfelfing und Neuried ist noch offen. Als verlässlicher Partner für das Regionalwerk haben sich die Stadtwerke München erwiesen. Sie verfügen über das nötige Know-How, kennen die Region und ihre Anforderungen. Ab 2012 können die Bürger dann entscheiden, von wem sie ihren Strom beziehen wollen. Für den 25. Januar lädt Kohnen in den Bayerischen Landtag ein, wenn das Thema nochmals aufgegriffen wird. Die SPD-Landtagsfraktion wird sich weiterhin gegen diese „verfehlte Atompolitik“ engagieren. Unterstützt wird sie dabei von über 31.000 Menschen, „die die Massenpetition gegen die Laufzeitverlängerung unterschrieben haben. Die große Teilnehmerzahl belegt, wie wichtig der Bevölkerung ein rasches Ende des Atomzeitalters ist.“

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