München in Indien

Unterwegs auf den Spuren des Großvaters

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„Er war ein Pionier. Er reiste um die halbe Welt in ein Land, von dem er nichts wusste“: Maharana Shriji Arvind Singh Mewar of Udaipur (r.) mit einem Portrait seines Großvaters, gemalt von Hannes „Fritz-München“. Der Enkel hält das Bild.

Seeshaupt – Sein Enkel Konstantin erfüllte sich mit seiner Reise nach Indien einen Traum. Er begab sich auf Spurensuche nach seinem Großvater. Genauer: Er besuchte dessen Wirkungsstätten, an denen Hannes „Fritz-München“ (sein Künstlername) exakt 80 Jahre zuvor zahlreiche Maharajas portraitierte.

Die Geschichte des Großvaters ist so verrückt wie das Filmprojekt seines Enkels selbst – realisiert mit dem Seeshaupter Filmemacher Walter Steffen, ein Freund seines Vaters Wolfdieter Fritz. „Fritz-München“ gab während der Inflation der 1920er Jahre seine sichere Stellung bei einer großen deutschen Bank auf, um sich einen nicht minder großen Traum zu erfüllen: Als Maler in das ferne Indien zu reisen. Schnell findet der Großvater Zutritt zum indischen Hochadel. Aber auch Ghandi, der friedliche Revolutionär, läuft ihm über den Weg. „Fritz-München“ kommt zu Ruhm und Wohlstand, kehrte schließlich mit seiner Frau zurück an den Starnberger See – das Haus in Seeshaupt gibt es noch heute –, allerdings kann er sich mit den Nazis nicht arrangieren.Was er zwischen 1932 und 1937 alles erlebt hat, filmt Großvater Hannes mit einer 16mm-Kamera. Und viele Jahrzehnte später, „Fritz-München“ verstirbt 1981, findet sein Enkel Konstantin im Alter von 16 Jahren die alten Aufnahmen. Nach langem hinbezen lässt sie sein Vater schließlich digitalisieren – und sie entdecken bislang unveröffentlichte Aufnahmen, die Einblicke in das feudale Leben an den Fürstenhöfen, aber auch der einfachen, armen Leute geben.Schnell wächst die Idee, einen Film über das außergewöhnlichen Leben des Großvaters zu drehen, mit diesen einmaligen Filmfundus. Auch Walter Steffen, der durch seinen Film „Endstation Seeshaupt“ über einen Eisenbahnzug mit KZ-Häftlingen bekannt geworden ist, war sofort begeistert.Nun galt es die Filmförderung des Bayerischen Rundfunks zu überzeugen, was Steffen nach vier Jahren zähen Verhandelns schließlich gelang. Mit einer siebenköpfigen Crew machten sich Enkel Konstantin und Filmemacher Steffen im Januar vergangenen Jahres auf nach Indien. Freilich war nichts organisiert, was den beiden aber schnell gelingen sollte. Nach fünf Wochen haben sie so viel Material zusammen, dass sie sich an den Film setzen können – übrigens keine Dokumentation, sondern ein farbenprächtiges Roadmovie mit umwerfenden Aufnahmen aus dem 21. Jahrhundert und einzigartigen, digital aufbereiteten historischen Dokumenten. Die Premiere vergangene Woche im Kino Breitwand in Starnberg war bereits ein voller Erfolg.Zu sehen ist „München in Indien“ in den Breitwand-Kinos in Starnberg und Seefeld sowie im KurTheater in Tutzing. O. Puls

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