Geisenbrunn

Ein ganzes Dorf versteht zu Feiern

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Gilching – Wie arm wäre Deutschland ohne das Ehrenamt? Gäbe jeder Dritte – so viele sind es nämlich – sein Engagement auf, reduzierten sich unkomplizierte Hilfen, zwischenmenschliche Wärme und unzählige Freizeitangebote wohl auf ein Minimum.

In Geisenbrunn organisieren beispielsweise die Stopsler, die Burschen und Kreisbäuerin Anita Painhofer seit 30 Jahren die Dorfkirta. Konkurrenzdenken gibt es nicht. Und auch Neubürger werden im Gilchinger Ortsteil Geisenbrunn von der Dorfgemeinschaft herzlich aufgenommen. „Uns gfreit a jeder, der mitmacht“, schwärmt Ferdl Wolf. Eigentlich sei er ja ein Gautinger, räumt der Vorsitzende der rund 60 Geisenbrunner Stopsler ein. Vor vielen Jahren zugezogen, habe er am eigenen Leibe erfahren, dass diese Herzlichkeit kein Gerücht ist. „Als wir uns ein eigenes Haus bauen und deshalb wegen eines Grundstücks Richtung Landsberg ziehen wollten, gab es massiv Proteste. Damit wir dableiben, hat die Dorfgemeinschaft nicht nur bei der Grundstückssuche, sondern auch beim Hausbau geholfen.“ Dieser Zusammenhalt zeige sich auch, sobald ein Fest ansteht. Eins der größten Festivitäten, bei dem das ganze Dorf mit dabei ist, ist die sogenannte Dorfkirta, die jeweils im Juli im Stadl von Anita und Willi Painhofer stattfindet. Von den Stopslern und der Burschenschaft anno 1986 ins Leben gerufen, habe sich die Kirta mittlerweile zu einem regionalen Treffpunkt für Jung und Alt entwickelt, betont Wolf. Vor 20 Jahren sei dann Anita Painhofer auf die Idee gekommen, die Dorfkirta durch einen Markt aufzuwerten. „Es war mir von Anfang an ein Anliegen, dass kein Ramsch, sondern Handwerkliches und heimische Produkte angeboten werden“, erklärt die Kreisbäuerin. Da gibt es Gehäkeltes und Gestricktes, Töpferwaren und Geschnitztes, Honig aus der eigenen Imkerei, gebrannte Mandeln und Zuckerwatte. „Es herrscht eine unheimlich schöne Atmosphäre, die Besucher von weither anlockt.“ Begeistert vom Dorfgeist ist auch Maxi Hatteier, mit seinen 23 Jahren der jüngste im Team. Und seit diesem Jahr ist er auch Vorsitzender der Geisenbrunner Burschen. Ihm gefällt insbesondere, dass nicht nur die ältere Generation integriert ist, sondern auch schon die Jüngsten mit herangezogen werden. „Wir haben zum Beispiel unter Leitung von Marco Fischbeck eine aktive Kindertanzgruppe. Da machen 25 Buben und Mädchen ab fünf Jahren mit“, schildert Maxi Hatteier nicht ohne Stolz. Derzeit sind es 23 unverheiratete Burschen, die nicht nur Schuhplattln; im Oktober sind sie zum fünften Male für Auftritte beim Oktoberfest in Namibia und Windhuk eingeladen. Neu gibt es die Goaßl- schnalzer, die jeden Dienstag nach Rosenheim fahren, um das Handwerk von der Pike auf zu lernen. Dank geht an die Familie Painhofer, die weder Miete noch sonstige Nebenkosten berechnet, betont Wolf. „Schee is außerdem, dass die Hofnachfolger Elisabeth und Johann Weber scho mit dabei san und die Zukunft der Dorfkirta so gesichert ist.“ pop

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