Gemeinderäte lassen Polizei abblitzen

Krailling - Über einen Antrag der Gautinger Polizei diskutierten die Gemeinderäte auf der jüngsten Sitzung des Kraillinger Verkehrsausschusses. Es ging um die bisher bestehende Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h auf der 1,6 Kilometer langen, fast schnurgeraden Römerstraße durch den Kreuzlinger Forst zwischen Gauting und der Kreuzung mit der Pentenrieder Straße.

Polizeihauptmeister Josef Schmid ließ die dafür zuständige Kommune Krailling in einem Schreiben wissen, dass dieses Tempolimit nicht mehr angemessen sei, da die Fahrbahn seit einigen Jahren neu asphaltiert und mit einer Breite von 5,80 Metern für ein wesentlich höheres Tempo ausgebaut sei. Man könne, so das Argument der Polizei, auf dieser Strecke die auf Landstraßen erlaubten 100 Stundenkilometer fahren, allenfalls sei eine Begrenzung auf 80 km/h bei Nässe vertretbar, obwohl auch keine Anhaltspunkte dafür bekannt seien, dass die Griffigkeit bei nasser Fahrbahn eingeschränkt sei. Eine entsprechende Temporeduktion von 80 auf 60 km/h werde im Annäherungsbereich an die Pentenrieder Straße sowie an den Ortsanfang Gauting als sinnvoll erachtet. Über diesen Antrag der Gautinger Polizei entspann sich im Rathaus eine lebhafte Diskussion: „Wenn 60 km/h erlaubt ist und in der Praxis 70 km/h gefahren werden, ist das eine Geschwindigkeit, bei der nichts passiert. Wenn wir 80 km/h erlauben und die Leute fahren schneller, steigt auch das Risiko“, warnte Martin Hoffmann (SPD). Werner Engl (Grüne) fand das Argument der Polizei seltsam „dass man etwas ändern soll, obwohl sich das erlaubte Tempo auf der Strecke bewährt hat und in den letzten Jahren keine Unfälle passiert sind“. Laut polizeilicher Unfallstatistik kam es im laufenden Jahr nur zu drei und in den zwei vergangenen Jahren insgesamt zu zwölf Kollisionen auf dieser Strecke, allesamt Wildunfälle mit Sachschaden. Andererseits, gab Bürgermeisterin Christine Borst zu bedenken, „empfinden viele diese Geschwindigkeitsbeschränkung als Zumutung und es beklagen sich immer wieder Leute, dass sie auf der geraden Strecke überholt werden, wenn sie korrekt mit 60 km/h fahren“. Richard Siebler (CSU) wies darauf hin, dass, „es nicht nur um die Belange der Autofahrer geht, sondern auch darum, Radfahrer zu schützen, immerhin kreuzt der Radweg von Krailling zum Gautinger S-Bahnhof die Römerstraße.“ Und die Wildunfälle, befürchtete Eleonore Zwißler (CSU), „verlaufen bei höherem Tempo auch schlimmer als jetzt“. Und ob sich der ganze Aufwand mit der neuen Beschilderung überhaupt lohnt für eine Strecke von gerade mal einem Kilometer, war für die Gemeinderäte generell zweifelhaft: „Es müssten auf jeden Fall vor dem Ortsanfang Gauting und vor der tatsächlich gefährlichen Kreuzung mit der Pentenrieder Straße Tempotrichter aufgestellt werden, dazu noch die Warnschilder auf die Radler, das macht es doch für die Autofahrer nur verwirrend.“ Die Kommunalpolitiker beschlossen nach Abwägung aller Vor- und Nachteile einstimmig, das Tempolimit auf 60 km/h an der Römerstraße beizubehalten. Damit will sich Polizei-Hauptmeister Josef Schmid nicht zufrieden geben. Auf Rückfrage des Kreisboten erklärte er: „Der Grund für das Tempolimit ist seit Jahren behoben. Ich kann verstehen, dass die Autofahrer es nicht akzeptieren, es provoziert auf dieser Strecke geradezu Überholmanöver.“ Außerdem: Wer geblitzt wird, muss berappen: zehn Euro für zehn km/h zu schnell, 20 Euro bei elf bis 15 km/h, 30 Euro bis 20 km/h zu viel. Und 70 Euro plus einen Punkt im Flensburger Zentralregister werden fällig bei 21 bis 25 km/h schneller als die erlaubten 60 Stundenkilometer. „Die Kommune ist verpflichtet, alle zwei Jahre zu überprüfen, ob die Beschilderung auch im Interesse des Verkehrsflusses auf ihren Straßen noch den Verhältnissen entspricht“, ärgert sich Schmid. Auch die Wildunfälle sind seiner Meinung kein Grund für die Begrenzung. „Diese Gefahr besteht auf jeder Straße, die durch einenWald führt. Da wird auch nicht automatisch überall das Tempo auf 60 reduziert. Jeder Kraftfahrer kennt die Straßenverkehrsordnung und weiß, dass er vor allem in der Dämmerung und nachts auf Waldstrecken mit Wild rechnen und sein Tempo entsprechend anpassen muss.“ Die Polizei Gauting behält sich vor, „mit der Frage zum angemessenen Tempo“ auf der Römerstraße beim Landratsamt Starnberg als der Krailling übergeordneten Dienststelle vorstellig zu werden.

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