Genossen singen wieder die alten Lieder

Den „ganzen Laden wieder in Schwung“ bringen wollen die Herrschinger Genossen und meinen damit ihre eigene Partei. Bei der Ortsversammlung jüngst wurden Forderungen laut, die mit dem aktuellen Bild der SPD so gar nicht zusammenpassen. Einige Mitglieder verlangten nach einer Urwahl und wollen die Partei-Gremien abschaffen. Michael Bajorat wurde als Vorsitzender wiedergewählt.

Bajorat zur Seite steht Werner Odemer als stellvertretender Vorsitzender, Kassier ist Stefan Rauch und als Schriftführerin waltet Hildegard Wienholt. Kämpferisch gaben sich die Genossen, mit alten Partei-Liedern wie „Wo sind unsre Werte hin, wo sind sie geblieben? Sag, wo unsre Ziele sind, was ist gescheh’n, Sag, wo die Ideale sind, im Globalisierungs-Wind. Wann wird ma je versteh’n...“ stimmten sich die Herrschinger Sozialdemokraten auf die bevorstehenden Auseinandersetzungen mit den Partei-Oberen ein. Denn ohne Neuanfang nach den Wahlschlappen der vergangenen Jahre und einigen, radikalen Änderungen beim Prozedere für die Kandidaten-Nominierung und Listenaufstellung werde die Sozialdemokratie nicht zu alter Stärke zurück finden. So forderte etwa Michael Dehnert Listenabgeordnete, die zweimal kein Mandat bekommen haben, kein weiteres Mal antreten zu lassen. SPD-Gemeinderat Werner Odemer könnte sich die Bundeswahlkreiskonferenz schenken. „Die macht nur vor einer Bundestagswahl Sinn“, kritisierte er die lustlose Veranstaltung. Und sämtliche Delegiertenkonferenzen sollen zugunsten einer Direktwahl von Kandidaten durch die Basis wegfallen. Damit nicht genug: Die Kreis-SPD möchte aus dem Bezirksverband Oberbayern austreten und sich dem Bezirk München und Münchner Umland anschließen. „Die stehen uns näher als die Miesbacher und Tölzer“, sagte der alte und neue Vorsitzende Bajorat. Die Gemeinderatsfraktion wird sich nächstes Jahr vor allem mit der Haushalskonsolidierung beschäftigen dürfen, schilderte Odemer die anstehenden Aufgaben. „Wir müssen einen Weg finden, wie wir die Schere zwischen Ausgaben, Einnahmen und jährlichem Defizit wieder zusammenbekommen.“ Dazu müsse alles an Ausgaben auf den Prüfstand, „so schmerzhaft das auch ist“, betonte Odemer. Die Herrschinger Genossen möchten außerdem nach der erfolgreichen Gründung einer Juso-Kreis-Gruppe die Jugendorganisation auch auf Gemeindeebene wieder ins Leben rufen. „Das ist mir persönlich ein wichtiges Anliegen“, sagte Odemer, der von seiner Partei eine stärke Öffnung hin zur Jugend fordert. Bevor man wieder zur Gitarre griff, um dem Wunsch der Parteispitze zu mehr „Mitarbeit an einer frischen SPD an der Basis“ zumindest musikalisch schon einmal zu erfüllen („Wenn wir schreiten Seit an Seit und die alten Lieder singen... fühlen wir, es muss gelingen: Mit uns zieht die neue Zeit“), wurden im Beisein von SPD-Kreischef Tim Weidner einige verdiente Parteimitglieder geehrt. Etwa Adi Boger, der seit 40 Jahren der SPD die Treue hält. Er zeigte sich überzeugt, „dass die SPD auch heute noch am meisten für die schlechter gestellten Leute macht“. Vor 30 Jahren hatte sich Renate Mengen das Parteibuch besorgt; und Adi Kugler saß 18 Jahre lang für die SPD im Herrschinger Gemeinderat. Als gelernter Kaminkehrermeister war das für ihn überhaupt keine Frage, welcher Partei er sich zugehörig fühlte: „Die SPD war eine Arbeiterpartei und ich war ein Arbeiter.“ Ob die Neueintritte nach der verlorenen Bundestagswahl („sogar von jungen Leuten“, Tim Weidner) ihren Entschluss auch aus diesen Beweggründen gefasst haben, blieb an diesem Abend offen.

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