Gerd Holzheimer

Wie eine Wundertüte

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Herrsching – Sich mit Gerd Holzheimer zu verabreden, gleicht dem Kauf einer Wundertüte. Man weiß nie, was dabei herauskommt.

Zu vielfältig sind seine Geschichten, die ihm oft wie zufällig auf den Schreibtisch plumpsen. Neu erschienen ist „Der Ammersee!“, der auf Anregung von Fotograf Volker Derlath von vielen Seiten beleuchtet wurde. Eigentlich war im Seehof in Herrsching eine Lesung mit dem Erfolgs-Autor angesagt. Doch Urlaubszeit und Temperaturen über dem Erträglichen machten den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. Kein Problem für Gerd Holzheimer, der sich anstelle einer Lesung im geschlossenen Raum für ein Interview im Biergarten bereit erklärte. Gleich zu Beginn räumte er ein, dass er eine gewisse Affinität zum Ammersee hat, sich diese aber nicht wirklich erklären kann. „Mein Vater war Landvermesser. Da durfte ich schon als Kind oft mitfahren und habe so ganz Bayern kennen und lieben gelernt, egal ob es sich um Oberbayern, Franken oder Schwaben gehandelt hat. An den Ufern des Ammersee laufen jedoch aus aller Welt die Fäden des Lebens zusammen und auch wieder hinaus, von Menschen die man kennt, aber auch von Menschen, die man erst im Buch kennenlernt“, betont Holzheimer. Dazu zählen Thomas Mann und Carl Orff, Georg Baselitz wie auch der Flieger Charles Lindbergh und der Fußballer Thomas Müller. Aber auch der Fischsemmelverkäufer, der Biber- und der Bunkerbeauftragte. „Exemplarisch für die Möglichkeiten des Lebens und dieser Welt vereint sie der Ammersee in seiner meditativen Mitte.“ Die Idee zu diesem 210 Seiten umfassenden Werk habe Volker Derlath gehabt, erzählt Holzheimer. „Eines Tages hat er mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, seinen vielen interessanten Fotos Geschichten beizusteuern. Das war die Geburt meines 25. Buches.“ Apropos Anzahl der Bücher. Hier liegt Holzheimer im Wettstreit mit dem Alter seiner jüngsten Tochter Clara. „Ich habe mal gesagt, ich will immer so viele Bücher geschrieben haben, wie meine Tochter alt ist. Leider bin ich etwas im Rückstand. Sie hat mittlerweile den 30. Geburtstag gefeiert.“ Druckreif sei allerdings schon sein 26. Werk. „Da Kloane Prinz“ wird im Herbst als Übersetzung ins Bayerische im Allitera-Verlag erscheinen. Und auch hier hatte der Ammersee wieder eine wichtige Rolle gespielt. Um sich Inspirationen zu holen und außerdem nicht gestört zu werden, Handy und E-Mail waren für Wochen abgeschaltet, hat sich der Holzheimer in ein versteckt liegendes „Haisl“ am Ammerseeufer in Aidenried zurückgezogen. Was den 66-Jährigen fast das Leben gekostet hätte. Weil der Hobbyornithologe nämlich den ungewohnten Klängen eines ihm nicht bekannten Vogels nachgehen wollte, ging er suchend mit Fernglas und Kamera ausgestattet auf den Steg hinaus. „Der hat aber mein Gewicht nicht ausgehalten und ist zusammengebrochen. Da stand ich nun verkeilt in Holzresten und im Sumpf und dachte, jetzt hat mein letztes Stündlein geschlagen. Um Hilfe rufen konnte ich ja nicht in dieser menschenleeren Gegend. Es hätte mich keiner gehört.“ Holzheimer weiß zwar bis heute nicht, welch‘ gefiedertes Wesen ihn da raus auf den Steg gelockt hat. Irgendwie aber konnte er sich befreien und zurück ans Ufer waten. Würde man versuchen, sämtlichen Leidenschaften des ehemaligen Lehrers auf die Spur zu kommen, es bräuchte einen Lastwagen voll Wundertüten. „Mich interessiert viel zu viel und ich bin auch sehr neugierig“, sagt Holzheimer. Was ihm jedoch arg am Herzen liegt, ist die viermal im Jahr erscheinende Kulturzeitschrift „Literatur in Bayern“, deren Chefredakteur Holzheimer ist. „Unser Schwerpunkt ist die Vielfalt und wir arbeiten und schreiben alle unentgeltlich, weil es uns eine Herzensangelegenheit ist.“ Ein Schwerpunktthema in der neuesten Ausgabe ist die Jugendliteratur in der Literatur in Bayern. „Beiträge sind uns willkommen“, sagt Holzheimer.  pop

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