Gilchinger Haushalt 2010: Altlasten reißen finanzielles Loch

Bisher galt Gilching als eine der Gemeinden im Landkreis Starnberg, in der größere Investitionen keine Probleme bereiten. Das hat sich schlagartig geändert. In der jüngsten Ratssitzung kündigte Bürgermeister Manfred Walter konsequente Sparmaßnahmen an.

Wurde in den vergangenen Jahren munter in Projekte investiert, scheint die Gilchinger Haushaltskasse nun am Limit. Sowohl Umgehungsstraße wie auch der geplante Rathaus-Neubau müssen eine weiteres Jahr auf die lange Bank geschoben werden, befürchtet Vize-Bürgermeister Richard Schlammerl. Grund dafür sind Altlasten, die ein gehöriges finanzielles Loch in die Kasse reißen. Unter anderem muss, wie berichtet, die seit fast einem Jahr wegen Einsturzgefahr gesperrte Rathausturnhalle von Grund auf saniert werden. Ursache ist eine Bausünde, die 30 Jahre zurück liegt. Für die Sanierung sind heuer 1,6 Millionen Euro vorgesehen. Steht die Kommune grundsätzlich vor großen und teils unerwarteten finanziellen Herausforderungen, brechen zudem auf der Einnahmenseite die Steuern um 15 Prozent ein. Im Gegenzug aber fordert der Kreis seinen Tribut. „Die Umlage ist um 12,89 Prozent gestiegen“, erklärte Finanzchef Tilo Leister. Statt 7,2 Millionen Euro müssen in diesem Jahr 8,6 Millionen Euro abgedrückt werden. Eine Kostenexplosion befürchtet der Rathauschef im Bereich der Kinder- und Jugendbetreuung. Von staatlicher Seite angeordnet werden Aufgaben, für die keine Gelder vorgesehen sind. Unter anderem sind der Ausbau der Schulen zu Ganztagsschulen und die Einführung der Mittelschule geplant. Außerdem hat jedes Kind Anspruch auf einen Krippen- beziehungsweise Kindergartenplatz. Die Ferienbetreuung nimmt zu und auch der Mittagstisch ist nicht mehr wegzudenken. Dazu kommt die geplante General-Sanierung der Arnoldus-Grundschule. „Die Investitionen sind unkalkulierbar. Leider zieht sich der Staat aus seiner Verantwortung und überlässt den Kommunen die Lösung der Probleme“, betonte Walter. Vorrangiges Ziel des Gemeinderats muss es nun sein, eine Prioritätenliste aufzustellen. Richard Schlammerl (CSU) bezeichnete es als „katastrophal, was da auf uns zukommt. Waren wir 2009 noch optimistisch, ist es damit vorbei“. Den Bürgern aber müsse deutlich gemacht werden, dass es zu Reduzierungen von Zuschüssen kommt. „Wir dürfen nicht weiter ein Füllhorn vorgaukeln“, sagte Schlammerl. Zumal bereits mit dem Griff in die Rücklage das Tafelsilber angegriffen wird. Georg Krieg (FW) regte an, beim Personal zu sparen und über einen Einstellungsstopp nachzudenken. „So kritisch wie heute, war es noch nie“, stellte er fest. Laut Michael Rappenglück (SPD) bleibt nur, sich auf die notwendigsten Maßnahmen zu beschränken. „Die kritischen Zeiten kommen nämlich noch“, mahnte er. Gegen die drei Stimmen der Grünen-Fraktion wurden der Finanzplan 2010 und die Haushaltssatzung verabschiedet. Daten zum Haushalt 2010: Der Schuldenstand der Gemeinde beläuft sich ohne Wasserwerk auf rund 7,3 Millionen Euro. Dazu kommt das Wasserwerk mit 3,3 Millionen Euro. Den Gesamtschuldstand zum 31. Dezember 2009 gab Tilo Leister mit 10, 6 Millionen Euro an. Ende 2008 waren es noch 13,5 Millionen Euro. Die Kreisumlage wird sich 2010 von 7,1 Millionen Euro auf 8,6 Millionen Euro erhöhen. Was einer Steigerung von 12,8 Prozent gleich kommt. Der Verwaltungshaushalt schließt mit 23,7 Millionen Euro ab. Der Vermögenshaushalt mit 7,6 Millionen Euro. An Rücklagen stehen noch 6,7 Millionen Euro zu Buche. An Investitionen sind 7,6 Millionen Euro vorgesehen. Außerdem ist eine Kreditaufnahme in Höhe von 1,9 Millionen Euro geplant. Die Zuführung zum Verwaltungshaushalt gab Leister mit 1,3 Millionen Euro an. pop

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