Glückliche Kuh mit Horn

Es gibt sie noch: Kühe, die Hörner tragen. Sie gehören aber längst nicht mehr zum Bild ländlicher Idylle. Zum einen werden bereits den Kälbern durch eine schmerzhafte Prozedur die Hörner abgesägt. Zum anderen werden Kühe heute meist auch über die Sommermonate in so genannten Laufställen gehalten. Und weil es da zu Verletzungen kommen könnte, wird sogar von der Berufsgenossenschaft das Absägen der Hörner gefordert.

Doch es gibt sie noch, die letzten Standhaften, die sich weigern, dem Kalb das Horn abzusägen. Zu ihnen zählt unter anderem Michael Friedinger vom Löfflerhof aus Farchach. Der Demeter-Bauer ist überzeugt, dass die Kuh das Horn als Hilfe zur Verdauung braucht und dass die Milch eine bessere Qualität hat, als die der nicht behornten Kühe. „Warum sonst hätte der liebe Gott die Hörner wachsen lassen?“ Wissenschaftlich erwiesen ist mittlerweile, dass bei der Verdauung die Gase aus dem Magen über die Stirnhöhlen in das Horn hinein zirkulieren und zurück. Dieser natürliche Kreislauf wird durch das Entfernen des Horns unterbrochen. Unter anderem haben Milchallergiker bereits festgestellt, dass Milch und Milchprodukte von behornten Kühen im Gegensatz zur Milch von nicht behornten Tieren weit besser vertragen wird. Doch nicht das Horn alleine trägt laut Friedinger zur verträglicheren Milch bei. Es ist eine ganze Philosophie, die Demeter auch vorgibt. „Unser Milchabnehmer schreibt vor, wie wir unsere Tiere zu halten und zu füttern haben.“ Und dabei spielen kosmische Kräfte und auch der Mond eine große Rolle. Bio ist zwar heute in aller Munde, der Anfang der Bewegung jedoch liegt schon 85 Jahre zurück, betont Friedinger. Begründer war Rudolf Steiner, der zu Pfingsten im Jahr 1924 im schlesischen Koberwitz acht Vorträge zum Thema „Geisteswissenschaftliche Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft“ hielt. Der Versuchsring anthroposophischer Landwirte zeigte sich angetan und erprobte umgehend die Angaben Steiners in der landwirtschaftlichen Praxis. Die Verwertungsgenossenschaft für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsmethode wird drei Jahre später gegründet. Vor 80 Jahren wird das Demeter-Warenzeichen eingeführt. Im Jahr 1994 verabschiedet der Verband als erster ökologischer Anbauverband Richtlinien für die Verarbeitung von Lebensmitteln. Die erste Habilitation über ein biologisch-dynamisches Thema, die Mondrhythmen, verfasst Hartmut Spieß, Mitarbeiter im Institut für biologisch-dynamische Forschung. Demeter strukturiert sich daraufhin neu. Leitgedanken des Verbands sind nun Aufgaben bezogene soziale Dreigliederung in Geistes-, Rechts- und Wirtschaftsleben, Regionalisierung und Subsidiarität. Wie das in der Praxis für ihn aussieht, erklärt Friedinger. „Wir düngen das Getreide ausschließlich mit Hornmist, den wir selbst herstellen. Im Herbst füllen wir den Dung der Kühe in Hörner ab und vergraben diese im Boden. Dort bleiben sie über den Winter.“ Das Horn zieht laut Friedinger die Kraft aus dem Kosmos an, die vom Mist aufgesogen wird. Der Hornmist kommt nach einigen Monaten Aufenthalt im Boden in ein Fass und wird dort über Stunden mit Hilfe eines Besens und Wassers mal links herum mal rechts herum angerührt und dadurch dynamisiert. Mit dem fertige Hornmist wird das Getreides gedüngt. Die Wiesen aber und Pflanzen behandelt Friedinger mit zermahlenem Bergkristall, der ebenfalls in ein Horn kommt, in der Erde vergraben und nach einer bestimmten Lagerzeit als Hornkiesel zur Düngung hergenommen wird. „Der Kiesel ist für die Lichtkräfte zuständig und wird im Frühjahr auf Pflanzen und Gras aufgespritzt“, betont Friedinger. Beim Anbau und der Aussaat spielt außerdem der Mond eine große Rolle. Getreide baut Friedinger am Fruchttag an, Kartoffeln am Wurzeltag, Blumenzwiebel werden am Blütentag gesteckt und Gras am Blatttag angesät. Auf fünf Hektar baut der 48-jährige Kreisvorsitzende des Bunds Deutscher Milcherzeuger Getreide zum Verfüttern für seine 20 Milchkühe und 15 Stück Jungvieh an. Sobald es aber das Wetter zulässt, werden die Kühe auf die saftigen Wiesen gelassen, wo sie das mit Hornkiesel gedüngte Gras fressen. Friedinger liebt seine Tiere und hat zu jeder Kuh ein ganz besonderes Verhältnis. „Die eine mag mich, die andere nicht. Das ist so, wie bei Menschen“, weiß er. Auf dem Löfflerhof gibt es außerdem noch sieben Katzen, etliche Hühner, Laufenten und Produkte vom Hof. In der Freizeit aber engagiert sich der Familienvater im Arbeitskreis Hörner tragender Kühe sowie als Hochzeitslader und als Tenorhornbläser bei der Blasmusik Bachhausen. Ja, und zu all diesen Tätigkeiten kommt noch der Kampf um einen ordentlichen Milchpreis. Friedinger: „Wenn der Verbraucher sehen würde, was hinter einem Liter Milch für eine Arbeit steht, würde er die Billig-Produkte in Großmärkten mit Sicherheit liegen lassen.“

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