"Hartes Brot - Gutes Leben"

Bezirksrätin Barbara Kuhn und Starnbergs Vizebürgermeister Ludwig Jägerhuber mit einem Relikt aus vergangenen Zeiten: der Stempeluhr. Foto: Jaksch

Noch bis Ende Mai zeigt die Sonder-Ausstellung im Museum Starnberger See „Hartes Brot - Gutes Leben“, wie sich die Arbeitswelt in Oberbayern von 1830 bis in die Moderne gewandelt hat.

Über fast zwei Jahrhunderte hat sich die Lebenssituation der Menschen grundlegend geändert. Lange Zeit - bis weit in die Nachkriegsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg - war dieser Prozess geprägt vom Kontrast zwischen der schweren Arbeit und den harten Lebensbedingungen eines großen Teils der Bevölkerung, dem „harten Brot“ einerseits und dem „guten Leben“ der vermögenden Bevölkerungsschichten andererseits. Früher waren Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit am Arbeitsplatz Fremdwörter. Auch gab es anfangs überhaupt keinen bezahlten Urlaub für die Arbeitnehmer - nur hohe Regierungsbeamte hatten darauf Anspruch. Erst Ende des 19. Jahrhunderts bekamen Arbeiter wenigstens eine Woche pro Jahr (allerdings erst nach zwei- bis sechsjähriger Betriebszugehörigkeit). Frauen verdienten damals zwischen 40 bis 70 Prozent weniger als Männer. Auch die Wohnbedingungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bildeten einen starken Kontrast. Während beispielsweise Bergwerker in Penzberg um 1919 in Wohnbaracken hausten, residierten die Fabrikbesitzer nobel in ihren großen Villen. Die Rohstoffarmut und Revierferne in Oberbayern waren dafür verantwortlich, dass die industrielle Entwicklung in Oberbayern erst relativ spät einsetzte. Der „Rohstoff Geist“ war damit umso entscheidender und trug wesentlich zum Wandel in Oberbayern vom Agrarland zum High-Tech-Standort bei. Jede technische Innovation wie in den Bereichen Chemie-Optik, im Maschinenbau, der Elektrotechnik oder Nanotechnologie wurde schnell aufgegriffen. Sie war Grundlage für eine wirtschaftliche Entwicklung und sorgte für neue Industriezweige. Bereits 1920 war mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen in Bayern nicht mehr in der Landwirtschaft tätig. Allerdings war die Arbeitswelt bis weit in die Nachkriegsjahre nach dem Zweiten Weltkrieg von den Kontrasten zwischen der Arbeiterschaft und den Unternehmern geprägt. Erst das Wirtschaftswunder in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts und die Entwicklung in den folgenden Jahrzehnten brachte „Wohlstand“ für alle wie mehrwöchigen, bezahlten Urlaub, die Fünf-Tage-Woche, Sozialen Wohnungsbau etc. Oberbayerische Unternehmen wurden zu „global players“. Dies führt heute aber zur Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, was in der Bevölkerung Angst um die Stellen auslöst. In der Wanderausstellung des Bezirks Oberbayern werden die Arbeits- und Lebensbedingungen der neu entstehenden Arbeiterschaft genauso auf großen Tafeln illustriert wie die komfortablen Verhältnisse der Fabrikanten und Industriellen. Aus jeder der drei Ären - 1830 bis Ende Erster Weltkrieg, Weimarer Republik bis Ende Zweiter Weltkrieg und 1945 bis heute - ist ein Beispiel aus der Starnberger Region dabei. Da findet man Schwarz-Weiß-Bilder vom früheren Metzgermeister Kandler oder von Götz Heidelberg. Der Physiker entwickelte in Percha die Magnetschwebebahn und einen Magnetmotor für Kraftfahrzeuge.

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