Herrmann fordert Tunnel

Er ist seit den 1970er Jahren immer wieder im Gespräch: Der Autobahn-Südring. Seit knapp vier Jahrzehnten beschäftigten sich regelmäßig Politiker und Behörden mit dem Lückenschluss zwischen der Lindauer, beziehungsweise der Anschlussstelle der A99-West und der Salzburger Autobahn. Seit 2007 aber scheinen es Politik und Verkehrsplaner Ernst zu meinen. Der Landtag verabschiedete eine (umstrittene) Machbarkeitsstudie, um mögliche Trassen in einem Kosten-Nutzen-Vergleich abzuklopfen. Elf Varianten sind vorerst bei der Planung für die A99-Süd, so der offizielle Titel, übrig geblieben. Sehr zum Ärger potentieller Anrainer, die sich bereits zu verschiedenen Interessengemeinschaften zusammengeschlossen haben.

Noch in diesem Jahr will die Autobahndirektion Südbayern ihre Empfehlung abgeben. Am meisten Chancen werden den stadtnahen (Gräfelfing, Planegg, Pullach, Grünwald, Taufkirchen) beziehungsweise den mittleren Trassierungen (Gauting, Baierbrunn, Straßlach) eingeräumt. Alle Varianten hätten im Forstenrieder Park Anschluss an die Garmischer Autobahn (A95). Sogar eine komplett oberirdisch verlaufende Trasse - beginnend in Gräfelfing schlängelt sie sich zwischen Krailling und Gauting hindurch, führt bei Pullach und Grünwald sowie Baierbrunn durch Wohngebiete, quert die Isar auf einer Brücke und endet bei Taufkirchen/Oberhaching - befindet sich darunter. Alle zehn anderen Varianten sind zumindest teilweise untertunnelt; Bayerns Innenminister Joachim Herrmann fordert sogar eine zum Großteil unterirdische Streckenführung. Tunnel-Lösungen sind bislang immer aus Kostengründen abgelehnt worden. Elf Varianten im Endspurt: Das bedeutet auch elf Mal Widerstand. Neben einer gemeinsamen Anti-Südring-Resolution aller Würmtal-Bürgermeister und einer massiven Kampagne von Umweltschützern haben sich zahlreiche Bürgerinitiativen gegründet. Jüngst das Aktionsbündnis Grünwald (kein-suedring@aktionsbuendnis-gruenwald.de). Vor allem will der neugegründete Verein aktuelle Informationen zusammen stellen und an die Bürger Grünwalds weiterleiten. Denn das Informationsdefizit ist groß, ein Vorwurf, den sich vor allem die Politik immer wieder anhören muss. Darüber hinaus sucht das Aktionsbündnis den Schulterschluss zu weiteren betroffenen Gemeinden im Hachinger Tal, Isartal und Würmtal. Die Informationen über den konkreten Nutzen gehen in der Tat weit auseinander: Die Kommunen entlang der A99-Ost rechnen freilich mit einer deutlichen Reduzierung der täglichen Verkehrszahlen, bis 2025 werden immerhin 160.000 Autos pro Tag erwartet. Dagegen führen Verkehrsexperten an, dass sich auch mit einem geschlossenen Autobahnring im Münchner Süden für die heute Lärmgeplagten Gemeinden wenig ändern wird. Von gerade einmal zehn Prozent Entlastung gehen die Experten aus. Der Grund: Rund 90 Prozent aller Autofahrer geben als Start und Ziel und machmal sogar beides den „Großraum“ München an. Das heißt, dass es sich nicht um die große Verkehrsachse von Osteuropa nach Italien dreht, sondern vielmehr um tägliche Pendlerströme aus dem Umland in die Landeshaupt, die morgens und abends die Ortsdurchfahrten verstopfen. Handwerker und örtliches Gewerbe würden von der Ring-Anbindung profitieren - was auch nicht schlimm wäre, ganz im Gegenteil. Dagegen spricht allerdings der Erhalt einer bisweilen einzigartigen Kulturlandschaft und Naherholungsgebiet mit hohem Freizeitwert. Der Schwerlastverkehr wird laut Verkehrsgutachter denn auch weiterhin über den Münchner Osten rollen, weil es für die Fahrer einfacher ist. Und wer profitiert von dem Südring? Die Umlandgemeinden haben bis auf die Berufspendler und dem Lieferverkehr nichts von dem Lückenschluss. Die Anwohner im südlichen Stadtbereich dürften eine deutliche Entlastung spüren. Zwischen 6.000 bis sogar 17.000 Pkw-Bewegungen weniger lautet die Prognose etwa für die dicht befahrene Chiemgaustraße, je nach Variante. Begeisterungsstürme löst das bei den Verkehrsplanern allerdings nicht aus. Deutlich mehr habe man sich erwartet, heißt es aus dem entsprechenden Referat. Während das Planungsreferat heute vorsichtig am Nutzen des Projekts zweifelt, tragen es die Naturschützer bereits zu Grabe. Wie der Münchner Bund-Naturschutz-Vorsitzende Christian Hierneis erklärte, würden gerade die jüngsten Ergebnisse belegen, wie überflüssig und unnötig die A99-Süd sei. Die Naturschützer fühlen sich durch die neuen Zahlen in ihrer Argumentation bestätigt und rechnen im Herbst mit dem endgültigen Aus.

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