Münchner Verkehrs- und Tarifverbund

Der MVV setzt auf das Fahrrad

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Herrsching – Fahrradfahren ist umweltverträglich, gesund und liegt voll im Trend. Unter dem Motto „Urlaub daheim“ bindet der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) das Sportgerät immer weiter in das Angebot der Unternehmen im Verbund mit ein.

Bis 21 Zoll Radumfang dürfen die Radler den Drahtesel in S- und U-Bahn kostenfrei mitnehmen. Kleinkinderfahrräder bis einschließlich 12,5 Zoll und gefaltete Klappräder sind außerhalb der Sperrzeiten auch in Bus und Tram kostenlos – und im März rief der Landkreis Starnberg die Linie 958 Tutzing/Andechs ins Leben: ein Regionalbus mit einem Anhänger, in den bis zu 16 Räder passen. Am Donnerstag begrüßt Alexander Freitag, der Geschäftsführer des MVV, seine Gäste der „schwimmenden Pressekonferenz“ mit den Worten: „Haben Sie den tollen zweigeschossigen und abschließbaren Fahrradständer am S-Bahnhof gesehen?“ Das Fahrrad nämlich, so wird im Laufe des Pressegespräches klar, ist ein gern gesehener Verkehrsteilnehmer des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Während des Gesprächs gleitet der Dampfer „MS Augsburg“ dem Ammerseeufer entlang. Der Blick durch die großen Fenster gibt trotz heftiger Regenschauer immer wieder den Blick auf das Kloster Andechs auf dem Heiligem Berg frei. Ein beliebtes Ausflugsziel, das der Landkreis jüngst mit einer Buslinie von und zum Tutzinger Bahnhof für Radler inklusive Zweirad erschloss. Für alle, die den schweißtreibenden Weg bergauf scheuen und für diejenige, die trotzdem in die Pedale treten und anschließend im Kloster das kühlende Andechser genießen wollen, ohne mit dem Durstlöscher intus auf der Heimfahrt den Führerschein zu riskieren. Noch bis Ende Oktober schleppt der Regionalbus im Stundentakt den Anhänger hinter sich her. Eingeführt wurde dieser im März. Gut angenommen ist er noch nicht, gesteht Freitag und macht vornehmlich das verregnete Frühjahr dafür verantwortlich. „Ältere Leute haben sich beschwert, dass sie das Rad nicht ohne Hilfe einhängen können“, weiß hingegen Geschäftsführer vom Starnberger Tourismusverband, Klaus Götzl. „Die Busfahrer dürfen aus versicherungstechnischen Gründen nicht helfen.“ Tatsächlich muss der Zweiradfahrer beim Befestigen seines Bikes Muskeln spielen lassen, möchte er den Drahtesel in der erhöhten Vorrichtung einfädeln. Ist das einmal vollbracht, sind die Varianten für die Ausflügler vielseitig. Vorstellbar wäre es, nach einer Tour um den Starnberger See in Andechs den Tag ausklingen zu lassen, um anschließend im Bus die Anschlussverbindung in Tutzing nach Andechs zu nehmen. Oder bergab über die Ilkahöhe einen Abstecher an den See zu machen. Freitag lobt den Landkreis Starnberg als „Pionier in Sachen Fahrradanhänger im MVV“. Und hinsichtlich der mangelnden Rentabilität weist er darauf hin, dass „ein neues Angebot erfahrungsgemäß bis zu drei Jahre braucht, bevor es angenommen wird“. Schließlich hat sich der MVV „Rad und Verkehr im Umweltverbund“ auf die Fahnen geschrieben. Ganze im Sinne der selbst ernannten „Radlhauptstadt München“ und weniger Feinstaub im Zentrum stimmen die Verkehrsunternehmen und Verbundpartner ihr Angebot immer weiter auf die Fahrradfahrer ab. Zugunsten von Urlaubern in München und Umgebung, Bayerns „Daheimgebliebenen“ und Pendlern, die den Nachhauseweg auf zwei Rädern durchs Grüne bestreiten wollen. Das „Wann, Wo und Wie“ ist auf der Homepage vom MVV in einen Routenplaner eingebaut. Nach Eingabe von Start und Ziel errechnet die Seite in den Varianten schnell, grün oder familienfreundlich eine in den Fahrplan eingebundene Wunschstrecke. Zurückgreifen können die Tourenwilligen hier auch auf 30 vorgeschlagene Routen, die der MVV gemeinsam mit dem ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club)austüftelte: Touren von Gauting nach Herrsching, entlang der Würm von Starnberg nach Dachau oder von Fürstenried West über Tutzing „rund um den Starnberger See“. Umweltverträglich, gesund und ganz im Trend. Mehr Infos über die Buslinie mit Anhänger Tutzing/Andechs unter www.lk-starnberg.de/958 und generell auf www.mvv-muenchen.de/de/unterwegs-im-mvv/radfahrer. „Es brummt“, freut sich Alexander Freitag beim Pressegespräch. Ein Plus von zwölf Millionen Fahrten, also 1,84 Prozent mehr als 2014. Und für heuer prophezeit der Geschäftsleiter sogar eine Erhöhung von 3,6 Prozent Fahrten. Der Fahrkartenverkauf stieg um etwa zwei Millionen auf 62 Millionen Stück an. Der Wert errechnet sich aus 24 Millionen Einzelfahrkarten, eine Erhöhung von knapp zwei Millionen verkauften Streifenkarten von knapp 7,8 Millionen mal im Vergleich zu 7,6 Millionen 2014. Die Tageskarten wiederum gingen von elf Millionen (2014) leicht auf 10,9 Millonen zurück. Gleichbleibend oder ein kaum merkbares Plus verzeichnete 2015 die IsarCard (Card9 Uhr 0,312 und plus 0,5 Prozent, Card60 0,25 minus 6,36 Prozent und das Monatsabo 1,2 minus 1,24 Prozent). Ein Plus verzeichnete das Jahresabo der IsarCard (0,045 Mio. und plus 5,79 Prozent). Deutlich höher wiederum die IsarCard S mit 0,27 Millionen Stück (plus 12,81 Prozent) und die IsarCard StarterCard mit 0,064 Millionen Stück (plus 35,49 Prozent). Die Gesamteinnahmen vom Fahrgeld betrug brutto 820 Millionen Euro und somit im Jahresvergleich rund 46 Millionen Euro mehr als 2014. Einen großes Einnahmenplus schrieben die Einzelfahrkarten (76,92 Millionen Euro und ein plus von 15 Prozent) sowie der Wochenkarte (50 Millionen Euro und 8,23 Prozent plus). M. Kirner

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