Ammersee Uferpromenade

"Es muss nicht jeder überall hin"

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Herrsching – Wer beim Spaziergang entlang des Ammersees Herrsching hinter sich lässt und den Weg bis zur Alten Mühle weiter läuft, der endet meistens mit nassen Füße. Jetzt sind Bestrebungen im Gange, Herrschings Uferpromenade – mit drei Kilometern die längste Deutschlands – bis dorthin zu erweitern.

Das zumindest ergab eine Beschlussfassung im Gemeinderat, in der sich die Gremien mit einer knappen Mehrheit für eine Vorplanung aussprachen. Die dafür veranschlagten Kosten liegen bei 300.000 Euro. Hinzu kämen nicht zu unterschätzende Erhaltungskosten, unterstrich Gemeinderätin Rita Mulert (Grüne). Ihre Partei und die Besitzer der Alten Mühle, Johannes und Annette Berthold, wehren sich gegen einen Ausbau und luden vergangene Woche zum Ortstermin. Der Weg dorthin führte vorbei an der Pizzeria auf befestigtem Untergrund bis zur Wasserwacht und ging dort in einen wild bewachsenen Uferweg über. Ab da hieß es: Hosen hoch krempeln und barfuß durch den übers Ufer schwappenden Ammersee waten. Hier begann ein kleines Abenteuer, das seinen Höhepunkt vor dem alten Gebäude erlebte, durch dessen Mitte der Bach frisch und klar in den See stürzte. „Der Bereich um die alte Mühle, an der der neue Seeuferweg mit Brücken errichtet werden soll, hat für viele in seinem jetzigen Zustand einen besonderen Reiz: Hier ist die Natur noch wild und das Ufer natürlich“, bekräftigte die Gemeinderätin. Knöcheltief standen die Zuhörer im Wasser. Zwei Kinder plantschten vergnügt im See. Weiter draußen zog ein Dampfer vorbei und ein Segelboot hisste seine Segel. Die Szene hatte etwas Magisches. „Es ist uns ein Anliegen, dass das auch so bleibt“, fing Mulert den Moment ein. Ein geteerte oder betonierte Befestigung würde nicht nur diese Idylle zerstören, sondern hätte auch für die Umwelt unwiederbringliche Folgen. „Wir beobachten immer wieder Fische, die hier laichen“, so der Mühlenbesitzer und befürchtet, dass eine Planierung unkontrollierbare Veränderungen mit sich brächte. Nicht zuletzt einen Rückstau, der das bald 900 Jahre alte Gebäude beschädigen könnte. „Hier ist das Kiesufer noch natürlich“, betonte die ehemalige Grünen-Frontfrau im Landtag, Ruth Paulig. Aber was ist mit den Alten, den Menschen mit Gehbehinderungen und Müttern mit Kinderwagen? „Es muss nicht jeder überall hin. Hier geht es auch darum, ein Stück Natur zu erhalten“, so Gerd Mulert (Grüne) und verwies auf die lange Uferpromenade. Und Grünen-Gemeinderätin Anke Rasmussen warf ein, dass sie früher mit den Kinderwagen problemlos hierhergekommen sei. Radler könnten für das kurze Stück den Radweg an der Straße nutzen. Für die Spaziergänger wollten die Umweltschützer Steine legen. Nach dem Wegbau übernehme die Gemeinde auch die Verantwortung etwa für Verunfallte, mahnte Vize-Bürgermeister Hans-Jürgen Böckelmann (Grüne). Und als die Gruppe sich eine Stunde später auf den Heimweg machte, spielten die Kinder noch immer ganz versunken in diesem idyllischen Stück Natur. mk

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