Herzpatienten

"Es besteht großer Bedarf"

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Starnberg – „Es soll eine Art Lotsenpunkt sein, der zeigt, wo das Problem intensiv behandelt werden kann“, so der Chefarzt der Medizinischen Klinik Starnberg, Professor Peter Trenkwalder. Der Lotse selbst ist sein Kollege Martin Beer, Leitender Arzt der Konservativen Kardiologie.

Seit Anfang Oktober bietet der 52-Jährige in Kooperation mit der Gesundheitsakademie Starnberg (GAK) ein Gesprächsforum für Herzpatienten unter dem Titel „Herz und Psyche“ an. „Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es großen Gesprächsbedarf bei den Patienten gibt, den wir aber mit der normalen Routine nicht mehr abdecken können“, nannte Beer bei einem Pressegespräch einen der Gründe für die Idee zur Gesprächsreihe. Früher seien Patienten nicht vor zehn bis zwölf Tagen entlassen worden, nun kämen sie bereits nach drei bis vier Tagen aus dem Krankenhaus. „Es tauchen aber viele Fragen auf, die in den paar Tagen nicht aufgearbeitet werden können“, so Beer. Häufig werde den Patienten auch erst in der häuslichen und beruflichen Umgebung die ganze Tragweite ihrer Krankheit bewusst. Die mögliche Miterkrankung der Psyche wird dabei vordergründig jedoch oft noch nicht wahrgenommen. „Im Bewusstsein der Patienten steht der Satz: ‚Ich stehe doch mitten im Arbeitsleben und darf nicht krank werden“, so Beer. Dazu komme Angst und Verunsicherung. Auch gelte es zu klären, ob es sich bei den Beschwerden um eine Angststörung oder doch um Herz-Rhythmus-Störungen handele, da Herzschwäche und Depressionen oft die selben Symptome haben. „Meine Aufgabe ist es, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und ihnen auch zu zeigen, dass sie Angst haben dürfen“, so Beer, der sich bereits im Rahmen seiner internistischen Ausbildung mit psychosomatischen Zusammenhängen auseinandergesetzt hat. Für ihn ist die Psycho-, Sozial- und Familienanamnese ein unverzichtbarer Bestandteil der Diagnostik. „Wir möchten hier primär als Zuhörer informierend und beruhigend zur Seite stehen, jedoch keine hausärztliche Tätigkeit übernehmen oder eine Psychotherapie ersetzen, sondern weitere Behandlungsmöglichkeiten aufzeugen“, so Beer. Das Forum richtet sich somit an Patienten, für die bereits eine Herzdiagnose besteht. Die Gesprächszeiten sind montags und mittwochs von 15.30 bis 16.30 Uhr jeweils eine halbe Stunde pro Patient. Termine können über die Gesundheitsakademie unter der Telefonnummer 08151/182962 oder per E-Mail unter m.beer@klinikum-starnberg.de vereinbart werden. Die Gespräche sollen in den kommenden zwei Jahren zunächst kostenfrei angeboten werden. „Sollte es allerdings eine hohe Nachfrage geben, dann müsste man mit dem Kostenträger reden, denn es ist ja eine Form der Nachsorge“, so Professor Trenkwalder. Bei herzinsuffizienten Patienten wird Depression übrigens vier mal häufiger angetroffen als bei der Normalbevölkerung. Dies wurde von den Medizinern jedoch jahrelang übersehen. Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Antrieblosigkeit und Schlafstörungen sind für Herzinsuffizienz und Herzschwäche gleich typisch. Erst im Rahmen von wissenschaftlich strukturierten Nachsorgeprogrammen ist man sich über den erschreckend hohen Anteil Betroffener bewusst geworden. Leider kann bei diesen schwerkranken Patienten oft schon eine leichte depressive Störung die Lebenserwartung negativ beeinflussen, sodass Beer und Trenkwalder auch hier hoffen, Aufklärungsarbeit leisten zu können. Viele Informationen gibt es auch am Donnerstag, 27. Oktober, wenn im Rahmen der Herzwoche der Deutschen Herzstiftung von 18 bis 20 Uhr im Kasino des Klinikums ein Herzsemniar für Patienten, Angehörige und Interessierte stattfindet. Unter der Moderation von Professor Dirk Beuckelmann stehen folgende Vorträge auf dem Programm: „Psychischer Stress, gebrochenes Herz und Infarkt - Gefahren in Freizeit und Beruf“; „Bluthochdruck - der heimliche Killer“; „Diabetes mellitus - moderne Therapien schützen das Herz“ sowie „Depression und Angst nach Herzinfarkt - Reha? Medikamente? Psychotherapie?“. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zur Diskussion. Referenten der Veranstaltung sind die Professoren Peter Trenkwalder, Gerhard Steinbeck und Florian Krötz sowie die Oberärztin Martina Näher-Noé. Stefan Berger

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