Höchste Zeit für säumige Senioren

Der Staat baut das Rentensystem um. Alle Einkünfte im Alter sollen gleichmäßig besteuert werden. Das neue Alterseinkünftegesetz ist seit 2005 in Kraft, sorgt immer wieder für neue Schlagzeilen und verunsichert die die Betroffenen. In den vergangenen Tagen meldeten sich im Finanzamt Starnberg wieder viele Senioren, weil die Rentenbesteuerung erneut in den Tagesthemen war mit der Nachricht, dass ab Herbst alle Rentenversicherungsträger erstmals rund 120 Millionen Rentenbezugsdaten an die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen in Berlin melden.

Von dort gehen sie dann an die zuständigen Finanzämter, wo die Beamten im kommenden Jahr anhand der Angaben prüfen werden, wer seit 2005 für seine Alterseinkünfte eine Einkommenssteuererklärung abgeben muss. Wer mehr als 1.300 Euro im Monat erhält, kann streng gerechnet schon dazu gehören. „Es gibt da keine Sonderbehandlung für Rentner“, warnt Michael Dubber, Leiter des Finanzamts Starnberg, „sie müssen ihre Steuererklärung genau so abliefern, wie jeder andere auch“. Wenn unterm Strich für den Fiskus nichts rauskommt, kann das Finanzamt den Betroffenen für drei Jahre von künftigen Erklärungen befreien. Aber es können auch Nachzahlungen fällig werden. Renten waren zwar schon immer steuerpflichtig, doch vor dem 2005 in Kraft getretenen Alterseinkünftegesetz hat der größte Teil der Rentnerinnen und Rentner keine Steuern gezahlt, weil ihre Rente niedriger lag als der Freibetrag. Doch seit 2005 gelten neue Sätze und etwa 1,3 Millionen Rentnerhaushalte müssen damit rechnen, erstmals vom Fiskus zur Kasse gebeten zu werden. „Das könnte auch für einige Haushalte im Landkreis Starnberg zutreffen“, mahnt Dubber. Längst nicht alle Ruheständler kennen die Fakten: Alle, die vor 2005 oder im Laufe des Jahres 2005 in Rente gegangen sind, müssen die Hälfte ihrer Leistungen aus den gesetzlichen Rentenversicherungen, landwirtschaftlichen Alterskassen sowie den berufsständischen und betrieblichen Versorgungseinrichtungen versteuern. Für Neurentner des Jahres 2006 liegt der Satz bei 52 Prozent, wer 2007 erstmals Rente bekam, muss 54 Prozent versteuern und Renteneinsteiger aus dem vergangenen Jahr sind mit 56 Prozent dabei. Entscheidend ist also das Jahr des Renteneintritts. Eine Besonderheit: Der einmal ermittelte steuerbefreite Betrag einer Rente gilt für alle Zeit, nur bei Rentennachzahlungen oder Rückzahlungen wird neu berechnet. Regelmäßige Rentenanpassungen werden dagegen auf den steuerpflichtigen Anteil draufgeschlagen. Für den zu versteuernden Teil der Rente gibt es einen Freibetrag inklusive Werbungskostenpauschale von 7.664 Euro. Bei Ehepaaren gelten die doppelten Sätze. Rechenbeispiel: Ein Alleinstehender ist 2005 in Rente gegangen und erhält monatlich 2.000 Euro Rente, also 24.000 Euro im Jahr. Davon ist die Hälfte, 12.000 Euro steuerpflichtig. Abzüglich des Freibetrags von 7.664 Euro bleibt ein Rest von 4.336 Euro. Dafür fallen Steuern an. Allerdings: In der Einkommensteuererklärung können Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Kosten, beispielsweise für Arzneimittel, Ärzte, Krankenhäuser oder Pflegedienste, die nicht von Krankenversicherung erstattet werden, wirken sich steuermindernd aus. Versicherungsbeiträge, etwa für eine private Krankenversicherung, sind beschränkt abzugsfähig, Spenden und Kirchensteuer werden voll angerechnet, die Spendenpauschale liegt bei 36 Euro. Unterm Strich muss also längst nicht jeder, der mit seinen Altersbezügen über dem Freibetrag liegt, tatsächlich Steuern bezahlen. Aber um das festzustellen, verlangt das Finanzamt eine Steuererklärung. Und die hat noch einen ganz anderen Vorteil. Viele Rentner, die bisher keine Steuererklärung machen mussten, zahlen zum Beispiel für ihr Erspartes auf der Bank pauschal 25 Prozent Zinsabschlagsteuer. Durch die Steuererklärung ergibt sich unter Umständen ein niedrigerer persönlicher Steuersatz. Die Differenz zwischen Zinsabschlagsteuer und tatsächlich anfallender Zinsertragssteuer kann sich der Rentner vier Jahre rückwirkend vom Finanzamt zurückholen. Bei all diesen Fragen kann ein Gespräch mit dem Steuerberater oder – eventuell mit Hilfe der Kinder oder Enkel – Probeberechnungen im Internet hilfreich sein. Die Formulare für die Steuererklärung zu Alterseinkünften werden von den Finanzämtern auch per Post zugeschickt, man kann sie aus dem Internet holen oder die ganze Steuererklärung auch online im Internet machen. Wer allein nicht zurecht kommt, findet Hilfe im Servicezentrum des Finanzamts. Weitere Infos stehen in der Broschüre „Steuertipps für Senioren“ www.stmf.bayern.de. Das Bayrische Landesamt für Steuern beantwortet via Hotline unter 0180/1020309 Fragen zur Besteuerung der Alterseinkünfte. Für alle, die Renten aus dem Ausland beziehen, ist zentral das Finanzamt Neubrandenburg zuständig, www.finanzamt-neubrandenburg.de.

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