Hospizhelfer

Kleine Dinge haben große Wirkung

+

Herrsching/Hechendorf – Im „Bürgerstadl“ in Hechendorf haben die Hospizhelfer einen Kreis gebildet, in der Mitte steht am Boden ein kleines Blumengesteck mit einer weißen Primel.

Eva Haberland liest einen kurzen Text des griechischen Philosophen Heraklit. Die Gruppe schweigt. „Impuls“ wird diese besinnliche Minute genannt, mit der jedes Treffen der Herrschinger Hospizhelfer beginnt, in der Gestaltung wechseln sie sich ab. Der „Impuls“ stimmt ein auf die Zusammenkunft, bei der die speziell ausgebildeten und ehrenamtlichen Hospizhelfer mit Koordinatorin Anita Rohm über ihre Einsätze sprechen, nämlich die Begleitung schwerstkranker Menschen und deren Angehöriger. Die Herrschinger sind eine von neun ambulanten Gruppen des „Hospizvereins im Pfaffenwinkel“ (siehe Kasten). Vor zehn Jahren begann die Gruppe mit drei Frauen, nun sind es unter Leitung von Eva Schiessl 16 Frauen und zwei Männer aus Herrsching und Umgebung. Alle kamen aus den unterschiedlichsten Gründen zur ambulanten Hospizarbeit: nach einer eigenen schweren Erkrankung, nach Pflege und Tod des Ehemannes, nach einem Zeitungsbericht über Hospizarbeit, der Eindruck hinterließ und weil jetzt im Ruhestand Zeit ist für das Ehrenamt. 

Genauso vielschichtig wie die Beweggründe sind auch die Einsätze in der ambulanten Hospizarbeit, geleistet wird sie in Familien ebenso wie in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Todkranken Menschen jene Wünsche erfüllen, für die mit der Pflege oftmals überforderte Angehörige keine Zeit haben: vorlesen etwa, zusammen mit einem Kranken und dessen Hunden spazierengehen oder auch mal neben einem im Pflegestuhl sitzenden Betreuten Gartenarbeit erledigen, „weil er das selbst immer so gerne gemacht hat“, wie eine Herrschinger Hospizhelferin berichtet. Auch Nachtwachen im stationären „Hospiz Pfaffenwinkel“ im Kloster Polling gehören dazu. Selbst kleine Dinge haben große Wirkung, und sei es nur, am Bett eines Todkranken zu sitzen und seine zu Hand halten - „ihn spüren lassen, dass man da ist“, wie eine andere aus der Gruppe sagt. Manchmal zieht sich eine Betreuung über Monate oder gar Jahre hin, manchmal kommt der Tod sehr schnell. Dann leisten die Hospizhelfer auch Trauerarbeit – vom gemeinsamen Herrichten eines zu Hause Verstorbenen bis hin zur Betreuung der Angehörigen. Da entstehen Kontakte, die zum Teil Jahre halten. „Hospizarbeit ist nicht nur Sterbebegleitung, sondern das Leben begleiten bis zuletzt“, sagt Schiessl. Deshalb solle eine Begleitung frühzeitig beginnen. Gegründet wurde der ambulante Dienst des „Hospizvereins im Pfaffenwinkel“ 1992. Aufgebaut hat ihn Schwester Angela Kirchensteiner (61), bei der auch alle Fäden zusammenlaufen. Von Bernried aus koordiniert die Ordensfrau von den Tutzinger Missionsbenediktinerinnen zusammen mit einem fünfköpfigen Team ambulante Einsätze im gesamten Pfaffenwinkel von Schongau bis in den Tölzer Bereich und von Murnau bis Starnberg. Einer stationären Aufnahme im Hospiz müsse laut Gesetz in jeden Fall eine ambulante Betreuung vorausgehen, sagt Kirchensteiner. Erst wenn eine ambulante Versorgung nicht mehr möglich sei, komme die stationäre Aufnahme in Polling in Betracht. Dabei entstehen für die Betroffenen keine Kosten. Für das Hospiz in Polling gibt es einen Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen für die Landkreise Starnberg, Landsberg, Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen. 

Laut Gesetzgeber soll der Hospizaufenthalt zu 90 Prozent von Kassen und Pflegeversicherung finanziert werden. Aufgrund des hohen Personalschlüssels in Polling beträgt die Erstattung aber nur gut 80 Prozent, den offenen Restbetrag trägt der „Hospizverein im Pfaffenwinkel“ aus Spenden. Und alle ambulanten Hospizhelfer arbeiten sowieso für Gottes Lohn. mb

Meistgelesene Artikel

Vor dem Spaß wurde aufgeräumt

Weßling – Wenn die Temperaturen in den Minusbereich rutschen, bricht bei so manch einem Weßlinger nervöse Vorfreude aus. Dann bringt er oder sie …
Vor dem Spaß wurde aufgeräumt

Die letzte Fahrt wird teuer

Stegen – Die MS Utting geht in München vor Anker: Das 1950 gebaute Passagierschiff kaufte ein Münchner Veranstalter. Ersetzt wird das Schiff im …
Die letzte Fahrt wird teuer

Auftakt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstags Tutzings

Tutzing – Zu ganz besonderen Anlässen kann die Gemeinde Tutzing die ansonsten verpachtete Kustermann-Villa für eigene Veranstaltungen nutzen - und so …
Auftakt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstags Tutzings

Kommentare