Hundertwasserturm mit 20 Metern Höhe genehmigt

„Es gibt seit zehn Jahren ein genehmigtes Verwaltungsgebäude“, begann Anne Neppel die Sondersitzung in der Carl-Orff-Volksschule in Andechs. Eine Umsetzung jedoch war bisher nicht möglich, da im Rahmen der Aufstellung eines Bebauungsplans immer wieder neue Auflagen bezüglich der Wasseraufbereitung, des Brand- und des Immissionsschutz gemacht wurden. „Mitte 2008 war dann alles da“, betonte die Rathauschefin. „Wir wissen sehr wohl, dass die Andechser Molkerei zu uns gehört und wollen auch, dass sie sich weiter entwickelt", versicherte die Rathauschefin.

Dass es für die Anwohner in punkto Lärmentwicklung zu einer deutlichen Verbesserung kommt, erklärte die Immissionsschutzbeauftragte Claudia Hentschel. „Die Immissionswerte sind deutlich reduziert worden. Nachts werden 40 Dezibel nicht überschritten“, errechnete die Fachfrau. Unter anderem sei dies darauf zurück zuführen, dass das hügelige Verwaltungshaus als natürlicher Lärmschutzwall dient. Für die relativ lärmintensiven Kühlaggregate der Lkws jedoch, die normalerweise nachts angeschaltet bleiben müssen, sei auch eine Lösung gefunden, erklärte Hentschel. „Nach der Umstrukturierung werden die Kühlwägen direkt an das Kühlhaus gefahren und angeschlossen, so dass die Kühlaggregate ausgeschaltet werden können.“ Hunderwasser Architekt Heinz-Michael Sprengmann erläuterte unter anderem die veränderte Turmvariante. So sei man, wenn auch mit Bauchweh, auf 24 Meter zurückgegangen. Außerdem wurde auf die Aussichtsplattform verzichtet und die Fenster des Türmchens so angeordnet, dass kein Blick in Nachbars Garten möglich wird. Im Vergleich zum Hunderwasserturm sei der Turm der Klosterkirche 68 Meter und der von St. Vitus 40 Meter hoch. Gegen die Erweiterungspläne sprachen sich schriftlich Abt Johannes Eckert vom Kloster Andechs, und 134 Bürger aus, die eine Unterschriftenliste abgegeben hatten. Dem gegenüber stehen 350 Unterschriften von Bürgern, Biobauern und Mitarbeitern der Molkerei pro Hundertwasser-Projekt. Sprengmann erinnerte zudem an die Info-Veranstaltung in der Molkerei. „430 Bürger haben anhand einer Fragebogenaktion ihre vorwiegend zustimmenden Stellungnahmen abgegeben.“ Die Verkehrssituation, die mit Hauptkritik der Gegner war, werde künftig ausschließlich über die eigens gebaute Biomilchstraße geregelt, so dass Anwohner nicht mehr belästigt werden. Details aber, wie Öffnungszeiten des geplanten Cafes oder auch die Größe der Schaukäserei und der Restauration, werden innerhalb des Baugenehmigungsverfahrens geregelt. „Hier werden immer wieder zwei Verfahren vermischt“, bedauerte Sprengmann. Für Zuschauer völlig überraschend stimmten Neppel, die SPD und die Bürgergruppe, außer Erasmus Höfler, er votierte mit Walter Galli von den Grünen und der CSU Fraktion für das Projekt, gegen die Aufstellung des Bebauungsplans. Ein Appell von Barbara Scheitz, das Gesamtprojekt nicht zu gefährden und deshalb wenigstens 20 Meter für den Turm zu genehmigen, veranlasste Sebastian Singer (Bürgergruppe) einen entsprechenden Antrag zu stellen. Dieser ging mehrheitlich durch. Lediglich Neppel und die zwei SPD-Gemeinderäte stimmten auch hier dagegen. „Ich bin froh, dass sich der Gemeinderat doch noch so entschieden hat. Jetzt können wir wenigstens weiter machen“, atmete Barbara Scheitz auf. KOMMENTAR: Es ist unbenommen, dass ein vom Volk gewähltes Gemeinderatsmitglied nach eigenem Wissen und Gewissen urteilen und auch beschließen kann. Auch wenn sich hin und wider das Gefühl einschleicht, dass bei Entscheidungen auch die persönliche Sympathie und Antipathie eine Rolle spielt. Unverständlich aber ist, dass Bürgermeisterin Anne Neppel in Zusammenarbeit mit der Molkerei Scheitz, der Verwaltung und den Architekten wochenlang plant, die abgespeckte Planung in der Sitzung als hinnehmbar propagiert, versichert, der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens nicht im Wege stehen zu wollen und dann mit einem glatten Nein alles ablehnt, was sie vorher selbst mit kreiert hat. Der vorrangige Beschlussvorschlag der Verwaltung nämlich war positiv. Nun fragt man sich, erschien der Rathauschefin während des Sitzungsverlaufs gar der heilige Geist, der sie ermahnte, im Sinne des Klosters das Richtige zu tun? Immerhin soll Abt Johannes einen Tag vor der Sondersitzung völlig inkognito in Jeans und Hemd in Andechs gesichtet worden zu sein. Polly Polster

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