"Ich kann es einfach nicht lassen"

Es bleibt niemandem verborgen der in Breitbrunn unterwegs ist, im ehemaligen Edeka tut sich etwas. Wahrhaftig Spannendes, denn ein, zumindest in der Seglergilde alt Bekannter, macht sich auf zu neuen Abenteuern. Herbert Glas, berühmt geworden als „Tornadoschnitzer vom Ammersee“, nimmt den Hobel wieder in die Hand und baut mit 70 Jahren ein neues Boot. Unterstützt wird er dabei von dem segelverrückten Schreiner Christian Gallasch.

Fast 20 Jahre war es still geworden um den preisgekrönten Bootsbaumeister, der vor allem in den 70ger und 80ger Jahren große Siege mit seinem Glas-Tornado, dem schnellsten Holzkatamaran der je gebaut worden war, davon getragen hatte. Jede Menge erste Plätze bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften gewann der schnelle Kat unter anderem mit dem bekannten Segler Jörg Spengler. Ganz unauffällig richtete er sich in den vergangenen Monaten eine kleine Werft in den ehemaligen Räumen des Breitbrunner Edeka ein und niemand ahnte, dass eine Bootsbaulegende dort wieder die Arbeit aufnimmt, um ein neues Boot zu bauen. „Ich kann es halt einfach nicht lassen,“ erklärt Herbert Glas, während er in gewohnter Routine Holzbretter abmisst, sägt und in die Schraubzwinge einspannt. 1958 war Glas auf dem Weg, um sich als Lehrling beim Vermessungsamt in Starnberg zu bewerben. „Da ist man immer an der frischen Luft,“ hatte er sich gedacht. Er hatte noch Zeit bis zu seinem Vorstellungstermin und machte deshalb einen Spaziergang am Seeufer entlang. So entdeckte er die Rambeck Werft, in der damals noch Fahrgastschiffe gebaut wurden. Sofort hatte Herbert Glas seinen Entschluss gefasst, dem Vermessungsamt den Rücken zu kehren und stattdessen Bootsbauer zu werden. Er stellte sich vor und hatte die Lehrstelle. Zwei Jahre später, nach verkürzter Lehrzeit, machte sich der Bootsbaugeselle in die Schweiz auf, um Erfahrungen im Stahlbootsbau zu sammeln - „das war richtig harte Arbeit“ , erinnert sich der Meister, „wir haben doppelte Mahlzeiten bekommen“. Nach drei Jahren wollte der junge Bootsbauer Deutschland den Rücken kehren, um in Amerika sein Glück zu versuchen, doch die Liebe kam dazwischen und Glas kehrte zurück an den Ammersee, wo er Anstellung in der Herrschinger Werft Stummbaum fand. Seine Verlobte verunglückte jedoch bei einem Autounfall tödlich. Herbert Glas ließ sich durch diesen Schicksalsschlag nicht unterkriegen und baute 1968 in einer eigenen kleinen Werkstatt sein Meisterstück. Zum legendären Glas-Tornado war der Weg dann nicht mehr weit. „Ständig waren wir auf dem Wasser, um den Tornado noch schneller zu machen, unzählige Masten sind uns gebrochen bis wir endlich die Schnellsten waren,“ schildert Glas nicht ohne Stolz. Um die ganze Welt verkaufte sich der Holzkatamaran, bis Australien, Russland und Amerika wurde er in einzelnen Teilen verschickt. Nebenbei konstruierte Herbert Glas weitere Sportboote wie den FunCat und den MiniCorn, namhafte Holzkatamarane, die auch weniger professionelle Segler oder auch Kinder und Jugendliche beherrschen können. Eine Aufgabe, die Herbert Glas bis heute mit ganzem Herzen verfolgt: Dem Nachwuchs das Segeln und das Bootsbauhandwerk nahe zu bringen. „Das war eine Gaudi mit den jungen Leuten, zehn Booten im Schlepptau oder um die Wette,“ schwärmt Glas. 1990 packte ihn doch noch mal die Wanderlust und Glas machte sich nach Chile auf, um als Ausbilder zu arbeiten. Es hielt ihn nicht sehr lange, da er hier eine Familie zurück gelassen hatte. „Ich konnte meine Töchter nicht alleine lassen,“ bemerkt Glas leise. Dann wurde es still um den Bootsbaumeister. Er erlitt einen Schlaganfall und kämpfte um seine Gesundheit. Vom Segeln wollte er trotz Handicap nicht lassen. Da die gewohnten Sportboote aber nicht mehr für ihn zu handhaben waren, entwickelte er kurzerhand ein völlig neues Segelboot, den „Wikinger“. Ein wunderschönes Holzboot, das ausgesprochen stabil im Wasser liegt, kinderleicht startklar zu machen ist und ebenso als Ruder- oder Motorboot zu nutzen ist. „Dieses Boot kann jeder führen, selbst ich mit meinem Alter und Einschränkungen,“ erklärt der Meister, „genau so wollte ich es haben“. Um das neue Boot bauen zu können, schloss sich Herbert Glas mit dem ebenso Segel begeisterten Schreiner Christian Gallasch zusammen. Die beiden hatten sich schon vor zwei Jahren kennen gelernt und ihre gemeinsame Leidenschaft entdeckt, dann aber aus den Augen verloren und erst im vergangenen Jahr wieder gefunden, um dann sofort gemeinsame Pläne zu schmieden. „Ich glaube an den Wikinger,“ begründet Gallasch seinen Schritt, mit dem Meister eine Werft aufzubauen, „dieses Boot ist einmalig und wirklich für jeden interessant“. Außerdem habe Herbert Glas noch so manch anderen Schatz in Petto, verrät Christian Gallasch. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.dieholzbootbauer.de.

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