Kein Spielraum für Investitionen

Die Kassen der Kommunen sind leer, Steuereinnahmen sinken, Schulden steigen. Auch die Gemeinde Gauting muss dieses Jahr mit rund zwei Millionen Euro weniger auskommen. Trotzdem ist Bürgermeisterin Brigitte Servatius zuversichtlich: „Die Finanzierung der wichtigsten Projekte wie die neue Realschule und die Umgehungsstraße in Unterbrunn ist gesichert, auch sonst gibt es keine Kürzungen, dieses Jahr kommen wahrscheinlich alle noch mit einem blauen Auge davon.“ Doch die Aussichten für die kommenden Jahre sind nicht rosig.

In der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses präsentierte Kämmerer Hans-Jürgen Paul den Entwurf für die Haushaltsatzung 2010: Die Einnahmen im Verwaltungshaushalt werden von rund 30 Millionen Euro in 2009 dieses Jahr auf rund 28 Millionen Euro sinken. Die Gewerbesteuer wird voraussichtlich um eine halbe Million Euro auf insgesamt rund vier Millionen und die Einkommenssteuer auf 10,4 Millionen Euro zurückgehen. Ausgeglichen werden die Defizite mit einem Kredit über zwei Millionen Euro und mit dem Erlös aus Grundstücksverkäufen in Höhe von 900.000 Euro. Bei den Ausgaben ist der größte Posten die von 46 auf 49,23 Prozent gestiegene Kreisumlage. Knapp 8,8 Millionen Euro fließen dieses Jahr von Gauting an den Landkreis, das sind 300.000 Euro mehr als im Vorjahr. Die Personalkosten liegen auf der Ausgabenseite an zweiter Stelle. Einsparmaßnahmen sorgen dafür, dass sie heuer mit rund 5,8 Millionen Euro stabil bleiben werden. Die Gemeinderäte stimmten nach ausführlicher Diskussion einstimmig dafür, dass zusätzlich für die Gautinger Feuerwehr eine feste Stelle für einen Gerätewart eingerichtet wird. Diese Arbeit wurde bisher mit rund 70 Wochenstunden von ehrenamtlichen Helfern erbracht. Auf der Ausgabenseite belasten dieses Jahr rund 2,75 Millionen Euro für den Bau der neuen Realschule und 160.000 Euro für einen neuen Versorgungs-Lkw für die Feuerwehr den Vermögenshaushalt. Bei den laufenden Verwaltungsausgaben sind 2,5 Millionen Euro für die Schulen und 3,7 Millionen Euro für Kindertagesstätten vorgesehen. Trotz knapper Finanzdecke sollen die freiwilligen Leistungen in Form von Zuschüssen nicht gekürzt werden, es bleibt zum Beispiel bei 142.000 Euro für die Musikschule, 30.000 Euro für das Theaterforum, 44.000 Euro für Wohlfahrtsverbände und 25.000 Euro für Sportvereine. Zusätzlich rechnet Kämmerer Paul hier noch die kostenlose Nutzung der Sporthallen durch Verzicht auf nicht erhobene Erpacht- und Erbauzinsen im Wert von 175.000 Euro ein. „Doch können wir gerade mal die wichtigsten Ausgaben stemmen, für Investitionen ist kein Geld mehr da“, warnte Paul. Sorgenkind bleibt weiterhin der vergammelte Bahnhof, über den sich viele Gautinger seit langem ärgern. „Ich versteh den Frust gut. Wir bezahlen jedes Jahr rund 30.000 Euro für die Reinigung der Halle und der Toiletten“, schimpft Bürgermeisterin Servatius, „und nach einer Stunde ist alles wieder verdreckt“. Für den Zustand des Bahnhofsgeländes, die Treppe und die Unterführung ist allerdings die Bahn zuständig, die oft nur nach mehrfachen Beschwerden durch die Gemeinde tätig wird. Lichtblick: Derzeit bereitet eine Arbeitsgemeinschaft den Verkauf des Bahnhofs vor, in den nächsten Jahren sollen ein neues Parkdeck und neue Übergänge entstehen, mittelfristig wird das ganze Gelände abgerissen und neu bebaut. Mitte Februar werden die ersten Entwürfe der Öffentlichkeit vorgestellt. Jeder kann sich dann die Modelle im Rathaus ansehen. „Wir auch wollen Anregungen der Bürgerschaft aufnehmen“, verspricht Servatius. In der Zwischenzeit beschloss der Gemeinderat wenigstens eine kosmetische Verbesserung des Schmuddelbahnhofs. Die Halle wird neu gestrichen und bekommt neue Bänke. „Vielleicht gelingt mit kühlen Farben und einer geschickten Platzierung der Bänke der Wandel von einer verqualmten Trinkhalle zu einer ordentlichen Wartehalle“, hofft Servatius. Das Geld dafür ist jedenfalls in der Kasse.

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