Kein zweites Bad Tölz

Den Anstoß gab die eher mäßig besuchte Versammlung jüngst in der Volks- und Raiffeisenbank zum Thema „Tourismus und Wirtschaft“. Der Vorsitzende des Gewerbeverbands, Stephan Feneberg, und der Beauftragte der Gemeinde für Wirtschaftangelegenheiten, Willi Welte, wollen Einzelhändler, Gastronome und Tourismusbetriebe motivieren, sich stärker als bisher in das Gemeindeleben einzumischen.

Was könnte in der Ammerseegemeinde – und nicht nur in punkto Tourismus – verbessert werden? Warum beteiligen sich so wenige Gewerbetreibende oder Vermieter an entsprechenden Initiativen, warum war die Veranstaltung in der VR-Bank so schlecht besucht? Diese Fragen beschäftigten Feneberg und Welte nach dem ihrer Meinung nach hochkarätigen Abend (wir haben berichtet). „So eine Veranstaltung ist wertvoll und wichtig für den Meinungsaustausch“, sagte bei einem Pressegespräch zu diesem Thema Stephan Feneberg. Offenbar sind ein Großteil der Herrschinger Vermieter und Geschäftsleute anderer Meinung. Wie Willi Welte erklärte, seien die Gewerbetreibenden in der Vergangenheit „sehr vernachlässigt“ worden. Dies könnte auch ein Grund gewesen sein, warum so viele zu Hause geblieben seien. „Anträge für Standorte oder Vergrößerungen sind teilweise sogar abgewiesen worden“, sagte Welte mit Blick auf die vergangene Legislaturperiode. „Da herrschte schon eine Stimmung unter den Gewerbetreibenden, nach dem Motto, wir (die Gewerbetreibenden) sind nur wegen unseren Steuerleistungen erwünscht.“ Welte will daher in nächster Zeit allen Betrieben und Unternehmen einen Besuch abstatten, um zu erfahren, wo der Schuh drückt und wo mehr Engagement der Politik gewünscht wird. Die Initiative der beiden zielt auf eine Wiederbelebung des „regen Austauschs“ ab, wie es Feneberg formuliert. Die Fokusierung ausschließlich auf das Tourismusgewerbe und die Gastronomie müsse geändert werden. Schließlich würden die „drei wirtschaftlichen Säulen“ in der Gemeinde – Tourismus, Gastro und Handel – gleichermaßen voneinander profitieren. „Wir fördern nicht nur einen Branche“, mahnte Feneberg ein Umdenken an. Die Stimmung sei mit dem neubesetzten Gemeinderat und einem Christian Schiller als Bürgermeister bereits deutlich besser gegenüber den Wirtschaftsbetrieben und deren Bedürfnisse geworden. Zwar spricht Feneberg von einer „Bringschuld der Gemeinde“, was die Gewerbeförderung angeht, doch müssten sich die Betrieb auch selbst mehr einbringen. „Aber nicht als Einzelkämpfer“, so Feneberg weiter, „sondern nach Möglichkeit im Verbund mit Kollegen“. Zum Thema Fremdenverkehr sagte Feneberg, der Tourismusverband Fünf-Seen-Land könne nur dann etwas für Herrsching tun, wenn dieser auch erfährt, was in der Gemeinde gewünscht wird. Der nächste Schritt wird die Gründung einer Arbeitsgruppe sein. Mitmachen sollen nach dem Wunsch der beiden möglichst alle Bevölkerungsgruppen. Schließlich geht es nicht nur darum, was sich Einzelhandel oder Gastronomie vorstellen, „die Initiativen sollen ja allen Herrschingern zugute kommen“, so Feneberg. Mögliche Projekte sieht der Gewerbeverbands-Chef etwa in einer schöneren Beleuchtung für die Promenade, der Umgestaltung des Bahnhofs inklusive Sanierung der dortigen Toilettenanlagen, einer kleinen Brücke im Bereich des „Seespitz“ und mehr Veranstaltungen im Format von „Feuer & Flamme“. Vielleicht schon in diesem Winter sollen Langläufer mehr Loipen rund um die Gemeinde vorfinden – vorausgesetzt, Frau Holle schickt genügend Schnee. Ein Prospekt mit einer Übersicht an Wanderwegen ist dann für kommendes Frühjahr geplant. Dieser liegt in allen Übernachtungshäusern und im Rathaus aus. Mit ins Boot holen wollen beide auf jeden Fall den Verkehrsverein, ferner könnten bei einer Art Kurdirektor viele Aufgaben gebündelt und überwacht werden. „Wir wollen niemanden verschrecken“, versucht Feneberg die Angst vor allzu großen Veränderungen entgegenzutreten. „Wir sind hier ein Erholungsgebiet zwischen Augsburg und München und kein zweites Bad Tölz.“

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