Barrierefreiheit

Dauerbrenner Kurparkschlösschen

+

Herrsching – Barrierefreiheit versus Denkmalschutz: Das stellte Bürgermeister Christian Schiller einander gegenüber. Bislang nämlich liefen alle Vorstöße zu einem barrierefreien Kurzparkschlösschen genau darauf hinaus.

Nichtsdestotrotz: Ganz im Sinne des Sprichworts „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ stand am Montag im Herrschinger Gemeinderat einmal mehr das barrierefreie Kurparkschlösschen auf der Tagesordnung. Der Rathaus- chef war sichtlich genervt. Und nach einer leisen Kritik an der Informationspolitik und Vorgehensweise der Verwaltung von Christiane Gruber (BGH) nahm Schiller kein Blatt vor den Mund: „Jedes Schreiben wurde in cc an alle Gemeinderäte weitergeleitet“, machte er klar und fügte hinzu: „Die Verwaltung kann die Geladenen nicht mit Waffengewalt zum Teilnehmen an der Gemeinderatssitzung zwingen.“ Seit fünf Jahren ist die Barrierefreiheit im denkmalgeschützten Schlösschen am Ratstisch immer wieder Thema. Mehrere Architekten hatten mögliche Lösungen entworfen, die allesamt wieder verworfen werden mussten. „Immer mit der gleichen Begründung“, betonte der Bürgermeister mit Blick darauf, dass es nicht damit getan sei einen Lift einzubauen. Der Denkmalschutz muss gewahrt bleiben, und das wird teuer. Deshalb wurde im vergangenen September mit einem hauchdünnen Mehr beschlossen, die Planungen ganz einzustellen. Im Mai nun legte der Ingenieur Herbert Luy dem Landesamt für Denkmalpflege dann ein neues Konzept für einen Innenaufzug im südöstlichen Bereich des Gebäudes direkt neben dem historischen Treppenhaus vor. Diesmal stieß die Planung bei Nikolaus Könner von der Denkmalpflege auf positive Resonanz. Das jedoch mit einem winzigen Aber: „Unter der Voraussetzung, dass keine weiteren Eingriffe beziehungsweise Beeinträchtigungen des Denkmals erforderlich werden sollten.“ Dieses „Aber“ entwickelte sich erneut zur scheinbar unüberwindbaren Hürde, gemäß Landratsamt ist bei der Barrierefreiheit eine Norm namens „DIN 18040-1“ zu beachten. Diese zieht für den Brandschutz und behindertengerechte Ausbauten Eingriffe in Boden und Decke mit sich. „Das bringt den Denkmalschutz in Gefahr“, warnte der Rathauschef und verwies auf die damit einhergehenden Kosten: „Wir kämen leicht in den siebenstelligen Bereich.“ Eine Millioneninvestition also. Klaus Pittrich (CSU) rief den Räten den Beschluss vom vergangenen Herbst ins Gedächtnis und riet: „Wir sollten unseren Gehirnschmalz lieber für Lösungen am Bahnhof einbringen.“ Der Beauftragte für Behindertenfragen, Alfred Plötz (FDP), warnte, dafür könnten fünf bis zehn Jahre in Land ziehen und plädierte wenigstens für eine vorübergehende Lösung im Schloss. Nach langer Diskussion sprachen sich 15 von 23 Gemeinderäte dafür aus, den Kreisbaumeister Christian Kühnel und Dieter Sinning vom Landratsamt, den Brandschutzexperten Jürgen Gollwitzer vom gleichnamigen Ingenieurbüro sowie Herbert Luy gemeinsam in eine Gemeinderatssitzung einzuladen: mit dem Hintergrund, dass die Parteien ihr Pro und Contra vor Ort vergleichen und ausdiskutieren können. Ganz im Sinne von Klarheit schaffen statt Hoffnung schüren. mk

Meistgelesene Artikel

Mehr Menschen auf engem Raum

Gilching – Wer hätte das gedacht. Während der Andechser Bürger auf durchschnittlich je 620 Quadratmeter Freiraum kommt, bleiben dem Gilchinger gerade …
Mehr Menschen auf engem Raum

6. Musikferien am Starnberger See

Starnberg/Tutzing – „Wir wollen damit Kinder und Jugendliche ansprechen, für die Musik eine große Rolle spielt, aber nicht Profi werden wollen“, so …
6. Musikferien am Starnberger See

Grünes Licht für den ISEK

Starnberg – Im dritten Anlauf hat es geklappt. Der Starnberger Stadtrat hat Montagabend einstimmig grünes Licht für das Integrierte …
Grünes Licht für den ISEK

Kommentare