Routennetze

Der Landkreis hat die Alltagsradler im Blick

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Landkreis – Fahrradfahren liegt voll im Trend, ist Gesund, schont die Umwelt und reduziert den täglichen Straßenverkehr. Doch meist gibt es selbst in Großstädten kein zusammenhängendes Radwegenetz.

Das Fünfseenland könnte bayernweit der erste Landkreis mit einem alltagstauglichen Radverkehrswegenetz werden – vorausgesetzt die Politik spielt mit. Seit rund einem Jahr ziert sich der Landkreis Starnberg mit dem von Verkehrsminister Joachim Herrmann verliehenen Prädikat Fahrradfreundlicher Landkreis, bei der Aktion STAdtradln sind es immer wieder Landkreiskommunen, die mit beachtlichen Ergebnissen aufwarten, und mit der Kreis-Verkehrsmanagerin Susanne Münster sitzt schon seit langer Zeit eine sehr ÖPNV- und radlfreundliche Mitstreiterin im Landratsamt. Im Oktober 2014 brachte der Kreis-Mobilitäts- und Klimaausschuss schließlich eine Erstellung eines Alltagsradroutennetzes für den Landkreis auf den Weg. Das 380 Seiten dicke Werk samt Empfehlungen für Neu- und Ausbauten wurde vom Büro Dr. Brenner Ingenieurgesellschaft in Aalen ausgearbeitet und jüngst im Ausschuss vorgestellt. Erstes Fazit: Es sieht nicht schlecht aus im Landkreis, so Projektleiter Günter Bendias. Er weiß aus der Stadt Karlsruhe, die bundesweit auf Platz zwei der radlfreundlichsten Städten rangiert, dass für immer mehr Unternehmen die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad ein wichtiger Standortfaktor ist. Außerdem kosten Pkw-Stellplätze auf dem Firmengelände Geld und nehmen Platz weg. Auch der gesellschaftliche Druck nimmt zu, rund 82 Prozent aller Deutschen wünschen sich mehr Investitionen in den Radverkehr. „Wer nichts für den Radverkehr tut, steigt ab“, zitierte in der Sitzung Günter Bendias den Karlsruher Rathauschef. Den Landkreis Starnberg bezeichnete Bendias als „sehr radl- freundlich“, außerdem sei genügend Geld vorhanden, um Investitionen in des Radwegnetz tätigen zu können. Und: „Ich erlebe hier eine aufgeschlossene Politik.“ Als Positiv beschrieb der Projektplaner, dass ein Großteil des Landkreises gut über Fahrradwege passiert werden kann. Auch alle Kommunen und die Stadt Starnberg sind miteinander vernetzt, es bestehen Anbindungen der großen Gewerbegebiete wie das „KIM“ in Krailling oder Gilching Süd und es existiert eine durchgehende Beschilderung für die vielen Freizeitradler. Das Konzept beinhaltet auch einen umfangreichen Maßnahmenkatalog und 243 „Maßnahmenblätter“, genauer eine Mängelliste, die sich mit Sicherheit, Verbindungen und Komfort beschäftigt. Vor allem entlang des Starnberger Sees auf der St.2063 fehlt größtenteils komplett Fahrradwege beziehungsweise ein Schutzstreifen (siehe auch Kasten). Selbiges gilt für die St.2067 zwischen Herrsching und Breitbrunn. Dort kämpft man bereits seit mehreren Legislaturperioden für einen Fahrradweg, der allein am Privateigentum scheitert. Eine Alternativroute über Rausch wird nicht angenommen. „Weil die Leute den direkten und kürzesten Weg wählen“, erläuterte Bendias. Um ein alltagstaugliches Wegenetz zusammenzustellen müssen Querungshilfen installiert, an neuralgischen Stellen eigene Fahrradweg gebaut und an schmalen Stellen Schutzstreifen für mehr Sicherheit ausgewiesen werden. Vize-Landrat Georg Scheitz (CSU) erinnerte die Runde daran, dass viele potentielle Verbesserungen in der Vergangenheit oftmals am Straßenbauamt in Weilheim gescheitert seien. „Ist das mit denen abgesprochen?“ wollte Scheitz wissen. Die aufgezeigten Lösungen, so Bendias, seien allesamt mit dem Straßenbauamt besprochen worden. Und auch Fördermittel des Freistaats könnten abgerufen werden, ordnete er auf die Frage von Martin Frey (CSU) die möglichen Chancen ein. Landrat Karl Roth ergänzte dazu, dass im Ministerium Herrmann eigens ein für den Radverkehr zuständiger Koordinator eingestellt wurde. „Das hat Priorität“, unterstrich Roth. „Wir haben ein gutes Konzept, es gibt Fördertöpfe, aber wie so oft scheitert alles an den nicht vorhandenen Grundstücken“, schilderte der Pöckinger Bürgermeister Rainer Schnitzler die Misere. Das Thema Enteignung sei heikel, unterstrich Kreis-Verkehrsmanagerin Münster, mit einem zusammenhängenden Konzept habe man jedoch bessere Karten vor den Gerichten. Zu guter Letzt brachte CSU-Kreisrat Georg Zerhoch noch ein anderes, aber nicht minder lästiges Thema aufs Tablett: Wie soll mit der Regelung für die Ausgleichsflächen umgegangen werden, wenn ein ökologisches Projekt voran getrieben wird? „Das ist ein doppelter Angriff auf die Landwirte, die zuerst ihr Ackerland für die Radwege hergeben sollen und dann noch einmal anschließend für die Ausgleichsflächen“, ärgerte sich Zerhoch. Setzt der Landkreis alle Vorschläge und Neukonzeptionen um, wird das den Etat von Kreis-Kämmerer Stefan Pilgram bis 2019 um drei Millionen Euro – ohne Fördermittel gerechnet – belasten. Vorausgesetzt, der Kreistag macht mit. Für das kommende Jahr gibt es indes schon einen konkreten Maßnahmenkatalog für die Verbesserung vorhandener Radwege im Landkreis – für rund 35.000 Euro. po

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