Tutzinger Hospiz

"Hier kann man atmen"

+

Tutzing – Als „letzte Mosaiksteine“ fügen sich die Hospize laut Wolfgang Weber-Guskar in das deutsche Gesundheitssystem ein.

Seit Juli gibt es auch im Landkreis Starnberg ein Hospiz – das Haus liegt in Tutzing, und nennt sich „Refugium Beringerpark“. Am Mittwoch zeigte der Vereinsvorsitzende und Gesellschafter Weber-Guskar den Mitgliedern des Sozialausschusses das Anwesen. Früher habe man Patienten zum Sterben in ein separates Zimmer geschoben, damit bloß niemand ihr Ableben mitbekam, erinnert sich FDP-Kreisrat Wolfgang Weber-Guskar, Mit-Gesellschafter der gemeinnützingen Gesellschaft für Hospiz- und Palliativ-Wirken, bei der Führung durch das Haus. Das Konzept des Tutzinger Hospizes ist dem entgegengesetzt: Großzügige helle Räume, jeder von ihnen mit Außenzugang, sollen den Patienten ihre letzten Tage so angenehm wie möglich gestalten. „Man kann hier atmen“, sagte Weber-Guskar, der weiter betont: „Alles was ein Mensch zur Zufriedenheit braucht, würden wir unterstützen wollen.“ So bietet beispielsweise jedes Zimmer ausreichend Platz für ein Gästebett. Vier von insgesamt zwölf Zimmern im „Refugium Beringerpark“ sind zur Zeit belegt. Ein Tag kostet 330 Euro. Wer schwer krank sei und nicht „nur“ alt, dem bezahle die Krankenkasse 90 Prozent der Aufenthaltskosten. Die restlichen zehn Prozent müsse der Hospizverein tragen. „Inwieweit das fair ist, dazu will ich nichts sagen“, kommentierte Weber-Guskar, selbst Mediziner. Derzeit muss die Einrichtung jeden Einzelfall prüfen, da es noch keinen Versorgungsvertrag mit den Krankenkassen gibt. Auch schwanke das, was im Monat finanziell „reinkommt“, stark. Zwar habe man bisher eine durchschnittliche Auslastung von fünf Patienten gehabt, einmal hatte man jedoch nur einen Patienten während die festangestellten Mitarbeiter bezahlt werden müssen.

Der vier Millionen Euro teuere Neubau wurde komplett aus Geldern der Gemeinnützigen Gesellschaft für Hospiz- und Palliativ-Wirken finanziert, war also eine reine Privatinitiative. Daneben bildet das Haus Hospizhelfer aus, pro Ausbildung fallen 5.000 Euro an. Nach ihrem Abschluss sollen diese zukünftig auch ambulant tätig sein – als Ergänzung, nicht als Konkurrenz zu den Krankenpflegern, wie Weber-Guskar am Mittwoch betonte. Acht Hospizhelfer schließen noch in diesem Jahr ihre Ausbildung ab und „werden hoffentlich bei uns einsteigen“. Mindestens 20 Ehrenamtliche „mit fachlichem Fundament“ wünscht sich der Internist in Zukunft für das Tutzinger Hospiz. Zwei Stunden pro Woche stellt sich Weber-Guskar vor, man wolle die Engagierten, die überwiegend jenseits der 60 Jahre alt sind, nicht „verschleißen“. In dieser Zeit sollen sie mit den Patienten reden, sich mit ihnen beschäftigen – wenn die sechs Schwestern in Alltagstätigkeiten eingebunden sind.

Weber-Guskar hofft nun, dass sich die wirtschaftliche Situation mit höherer Bekannheit und Akzeptanz des Hospizes verbessern wird.

C. Dameris

Meistgelesene Artikel

Auftakt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstags Tutzings

Tutzing – Zu ganz besonderen Anlässen kann die Gemeinde Tutzing die ansonsten verpachtete Kustermann-Villa für eigene Veranstaltungen nutzen - und so …
Auftakt der Feierlichkeiten zum 1275. Geburtstags Tutzings

Unfall wegen überhöhter Geschwindigkeit

Starnberg/Landstetten - Am heutigen Donnerstag, 12. Januar, ereignete sich, gegen 7.55 Uhr, auf der Ortsverbindungsstraße von Pöcking-Aschering nach …
Unfall wegen überhöhter Geschwindigkeit

Ehepaar wegen gemeinschaftlichen Betruges in zwei Fällen verurteilt

Tutzing – Als ein Ehepaar vor über drei Jahren eine Villa am Tutzinger Höhenberg anmietete, beging vor allem der laut seinem Anwalt „federführende“ …
Ehepaar wegen gemeinschaftlichen Betruges in zwei Fällen verurteilt

Kommentare