Langer Schulweg ist ein "Qual"

Landrat Karl Roth (CSU) findet Beifall bei Bürgermeister Christian Schiller (r.) auf der Demonstration in Herrsching für ein zweites Gymnasium im westlichen Landkreis. Foto: cd

Ende des Monats entscheidet der Kreistag erneut über den Antrag auf ein zweites Gymnasium im westlichen Landkreis. Rund 400 Eltern demonstrierten am Samstag mit ihren Kindern für einen Schulstandort in Herrsching.

Noch zum Jahreswechsel entschied sich eine knappe Mehrheit von 27 zu 26 Kreisräten auf eine Antragsstellung beim Kultusministerium zu verzichten. Vor allem SPD, Freie Wähler und Grüne hatten auf eine Bedarfsermittlung für alle weiterführenden Schulen im Landkreis und auf die Prüfung einer Fach- und Berufsoberschule bestanden. Die ist allerdings nicht Sache des Landkreises, sondern Aufgabe des Freistaates. So hatte eine Bedarfsanalyse des Planungsverband Außerer Wirtschaftsraum München (PV) bereits 2004 den Bau eines weiteren Gymnasiums für gerechtfertigt erklärt und diese Einschätzung 2010 noch einmal bestätigt. Den Befürchtungen, dass man durch ein erneutes Verfahren mit einem halben Jahr Verzögerung für den längst überfälligen Antrag rechnen müsse, machte eine Vorabstimmung im Kreisentwicklungsausschuss mit überraschendem Ergebnis ein Ende: Alle dort vertretenen Kreisräte stimmten dafür. „Dies gibt Hoffnung“, erklärte Jens Waltermann, Vorsitzender des Förderverein für ein zweites Gymnasium für den westlichen Landkreis Starnberg, auf der Kundgebung. Unterstützung bekam er durch Landrat Karl Roth und Herrschings Bürgermeister Christian Schiller, die sich deutlich für ein Gymnasium aussprachen. „Qualität statt Quantität“, lautete das Motto, denn täglich pendeln mehr als 900 Kinder aus Herrsching, Seefeld, Wörthsee und Umgebung in die Gymnasien nach Gilching, Germering, Starnberg oder Tutzing. Gerade das von über 1.500 Schülern besuchte Gilchinger Gymnasium könne keine weiteren Schüler aus den weiter entfernt gelegenen Gemeinden mehr aufnehmen, da die Kapazitäten ausgeschöpft seien. Das bekräftigte der Gilchinger Bezirksrat Harald Schwab (CSU), indem er betonte, dass alle Gymnasien von einer Entlastung profitieren würden und gerade Gilching, trotz der neu gebauten zwölf Schulräume sehr ausgelastet sei. Allgemein würde mehr Raum für abwechslungsreicheren und somit besseren Unterricht sorgen. Zudem würde, angesichts der Pläne für ein freiwilliges zwölftes Schuljahr der Bedarf an Räumen und Lehrer zusätzlich steigen. Grundsätzlich seien die Schulwege für die Kinder aus der Region viel zu lang, sie sollen ihre Freizeit nicht in S-Bahnen und Bussen verbringen müssen. Er selbst habe in seiner Kindheit den langen Weg in die Schule immer als „Qual“ empfunden. Der demografische Faktor sei auch langfristig kein Argument, legte Landrat Roth dar, denn der Zuzug in den Landkreis sei höher als der Geburtenrückgang und die Zahlen der Übertrittler in weiterführende Schulen steige stetig. Auch die Zahlen des PV bestätigen das. Die Planer gehen für 2025 von nur geringfügig niedrigeren Schülerzahlen aus. Ein zweites Gymnasium wäre keine Gefährdung für die bestehenden, heißt es auch beim PV. Das und die Tatsache, dass die bayerischen Bestimmungen eine Gesamtschule noch gar nicht zuließen, stimme letztlich auch die Grünen um, wie Kreisrätin Anne Franke bestätigte. Somit sehen die Aussichten für den Förderverein gar nicht schlecht aus, freute sich neben dem Vereinsvorstand Waltermann auch Oswald Gasser, Kreisrat und FDP-Gemeinderat in Seefeld. Er ist, mit Schwab und Schiller, seit Gründung des Vereines im Februar 2009 aktiver Fürsprecher eines zweiten Gymnasiums. So waren sich alle einig: Sollte das Kultusministerium dem Antrag wieder Erwarten nicht zustimmen, träfe man sich vor dessen Toren wieder. Die Kreistagssitzung beginnt am Montag,30. Juli, 9 Uhr, im Landratsamt.

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