Malteser-Hospizdienst

Entspannter Umgang mit Thema Tod

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Gilching – Obwohl durch Internet die meisten Tabus gefallen sind, der Tod macht eine Ausnahme. Viele Menschen scheuen sich davor, die Endlichkeit des Lebens zu akzeptieren und sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Gäbe es da nicht den ambulanten Hospizdienst, deren Mitarbeiter unter anderem in Schulen gehen und mit den Kindern über Krankheit, Sterben und dem Leben nach dem Tode sprechen. Wird allgemein das Schwinden ehrenamtlichen Engagements beklagt, nicht so beim ambulanten Hospiz- und Palliativberatungsdienst der Malteser. Insgesamt engagieren sich im Landkreis Starnberg und Würmtal 65 Frauen und Männer als Sterbebegleiter von Erwachsenen; 30 innerhalb des Kinder- und Jugendhospizdienstes. Außerdem werden derzeit weitere 15 Mitarbeiter ausgebildet, die künftig in den Gemeinden Gilching, Inning, Wörthsee, Weßling und Seefeld zum Einsatz kommen. Die Ausbildung dauert inklusive Vorbereitung, Einzelgespräche und 24 Themen-Abenden von je drei Stunden neun Monate. „Die Sterbebegleiter übernehmen eine große Verantwortung. Deshalb ist es wichtig, sie intensiv auf diese Aufgabe vorzubereiten“, sagt Irene Schuster, Koordinatorin und Trauerbegleiterin. Die Zentrale der Malteser-Hospizdienste mit fünf Mitarbeitern befindet sich in Gräfelfing, eine Koordinationsstelle im katholischen Pfarramt St. Sebastian in Gilching. Und nach welchen Kriterien wird der richtige Sterbebegleiter ausgesucht? „Der Patient wird erst einmal durch einen von uns besucht. Danach wird entschieden, wer sich auf dem Weg der letzten Lebensphase als Begleiter eignet. So unterschiedlich unsere Ehrenamtlichen, so unterschiedlich auch die Patienten. Wir haben aber festgestellt, dass es für jedes Töpfchen auch einen Deckel gibt.“ Verschieden sei auch der Umgang mit dem nahenden Tod, sagt Schuster. „Manchen Leuten fällt der Abschied vom Leben sehr schwer. Andere wiederum geben sich entspannt und schätzen, dass sie ein erfülltes Leben hatten. Wichtig ist nur, dass der Patient seine Sorgen äußern und auch über sein bisheriges Leben sprechen kann und durch den Sterbebegleiter jemanden hat, der ihm zuhört oder sich auch mal ein Fußballspiel im Fernsehen mit ihm anschaut.“ Es sei auch nicht so, dass keine Zeit mehr bleibe, sich mit dem Patienten auseinanderzusetzen und ihm noch einige Wünsche zu erfüllen, ergänzt Marie-Luise Schneider. „Durch die gute medizinische Betreuung bleibt oft noch bis zu einem halben Jahr. Viele Patienten wollen noch rausgehen oder einfach nur mal eine Tasse Kaffee am See trinken.“ Ein weiterer Schwerpunkt innerhalb der Hospizbewegung ist das Projekt „Hospiz macht Schule“. Unter anderem sei man regelmäßig mit jeweils fünf Hospizhelfern in der Montessori-Schule in Gilching zu Gast. Gesponsert werde diese Aktion durch das Gilchinger Unternehmen EATON Aerospace. „Die Kinder im Alter zwischen neun und elf Jahren sind übrigens im Gegensatz zu Erwachsenen viel offener und auch hochgradig philosophisch“, schwärmt Schuster. Sie scheuen sich auch nicht, ungeniert Fragen zu den Themen Krankheit, Sterben, Trauern und Trösten zu stellen. „Meist findet im Anschluss eine Malaktion zu den verschiedenen Themen statt. Als sie einmal ihre Vorstellung über das Leben nach dem Tode malen sollten, malte einer der kleinen Künstler Skifahrer die über die Wolken im Himmel gleiten.“ Interessant sei außerdem ein Besuch in einer Schule mit vielen Flüchtlingskindern gewesen. „Die waren richtig froh, einmal über ihre grausamen Erlebnisse sprechen zu können. Die Erwachsenen zu Hause meiden meist das Thema.“ Finanziert werden die Dienste durch Spenden und durch einen Fond der Krankenkassen. „Auf die Patienten und deren Angehörige kommen keinerlei Kosten zu“, betont Schuster. Wer Lust hat, sich zu engagieren, der nächste Kurs beginnt im Januar. Außerdem können sich Schulen melden, die an einem Besuch durch den Hospiz-Dienst interessiert sind. Näheres gibt es auch im Internet unter www.malteser-hospizdienst.de. pop

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