Marine

Ein nachhaltiges Abenteuer

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Starnberg/Eckenförde – Im Zweijahresrhythmus tauchen Delegierte der Stadt Starnberg wortwörtlich in die Ostsee ab. Am vergangenen Wochenende war es wieder einmal soweit - und das Abenteuer U-Boot-Fahren wird den zehn Abgesandten nachhaltig und schön in Erinnerung bleiben.

Angeleint liegt die U33 im Hafen der Eckenförde Marine, ragt wie der Rücken eines Walfisches aus der Ostsee. Auf dem Bug und dem Heck stehen je drei Mann, auf der Brücke koordinieren zwei Matrosen und der Korvetten-Kapitän Kai Nickelsdorf das Ablegemanöver. Ein Schlepperschiff steuert auf den Marinehafen zu, das das U-Boot sicher in die offene See bringen soll. 25 Seemänner und zwei Seefrauen in adretter, marineblauer Uniform klettern in den Bauch des knapp zwölf Meter tiefen und 56 Meter langen Unterwasserbootes. Ihnen folgen zehn Delegierte der Stadt Starnberg - meist nicht ohne bei der Aussicht auf den Abstieg mindestens einmal kräftig zu schlucken. Oben und unten wachen die Seeleute über die Sicherheit der Landratten und geleiten sie durch das Innere des Kolosses. Geduldig und charmant beantworten sie alle Fragen. Über die Kabelstränge und Schalter etwa, die in beeindruckenden Mengen der Decke entlanglaufen. „Wissen Sie, was was ist?“ Leonie Jaskowski schüttelt den Kopf. Das ist nicht ihr Aufgabengebiet. Die 27-Jährige ist Antriebsoffizier und verpflichtete sich für 13 Jahre. Wegen Startrek. „Es war ein Kindheitstraum von mir, Astronautin zu werden.“ Der Weg dorthin führt über die Jet-Piloten-Ausbildung. Das klappte nicht. So entschied sie sich statt für die Tiefen des Weltalls für die Tiefen der Meere. Zuvor durchlief sie ein Jahr generelle Ausbildung: Robben, Laufen, Schleppen, Klettern. Danach vier Jahre VWL-Studium. Die sicherlich härtestete Prüfung war die Testfahrt im Boot. Drei Wo-chen lang bei nur drei Stunden Schlaf. Hier wird schnell klar, ob die Anwärter dem psychischen und physischen Druck standhalten. Schließlich braucht man nicht zuletzt einen stabilen Charakter, wenn man jährlich durchschnittlich 220 Tage den sicheren Hafen in Eckenförde für friedenssichernde Maßnahmen auf den Weltmeeren verlässt. Die Reise brachte die Crew vor zwei Jahren bis in die USA. Und das mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit unter Wasser von 20 Knoten. Das entspricht 37 Stundenkilometer. Geschlafen wird dann mehr - täglich zwei Mal fünf Stunden. In Schichten und engen Kojen. Toiletten gibt es auch nur zwei für 27 Mann. Duschen können sie dank des Frischwassererzeugers theoretisch unendlich. Aber eben nur theoretisch, es gibt ja nur zwei Duschen. 

Delegation auf Tauchfahrt

Auch die Waschmaschine funktioniert bei viel Schräglage nicht mehr, erzählt Christian Schütt. Der 28-Jährige verrichtete nach einer abgeschlossenen Ausbildung erst einmal die Wehrpflicht. Von dort aus bewarb er sich als Navigator. Bereut hat er es nicht. Allerdings musste er feststellen, dass die Deutschen ein Volk der Pazifisten geworden sind. „Ich traue mich kaum zu sagen, dass ich für das Militär arbeite.“ Es ist nicht ausgeschlossen, dass auch einige der Starnberger Besucher insgeheim ein negatives Bild vom Dienstleistenden an die Ostsee mitbrachten. Die vier Tage mit dem „Team Delta“ rückte da einiges ins rechte Licht. Am Sommerfest zum Beispiel, an dem die Familien einmal hinter die Kulissen schauen durften und das Zusammentreffen mit einem fröhlichen Fest im Freien ausklingen ließen. Oder die Erzählungen über die Erlebnisse an Bord. Wenn sie länger abtauchen und zu Seebären mit Bärten und in saloppen Klamotten mutieren. Klar: Auch hier müssen Befehle ausgeführt werden. Sonst würde das alles nicht funktionieren. Die Menschen jedoch, die hinter dem primär mit dem Wehrdienst verbundenen Drill und Befehl stehen, machen sich Gedanken wie jeder andere auch. Mehr vermutlich, denn sie verpflichten sich, dem Vaterland treu zu dienen. Auch bei Gefahr für Leib und Leben. Als Zeitsoldat zwischen acht und 13 Jahren oder als Berufssoldat bis zur Rente. Die Karriereleiter klettern sie Stufe für Stufe empor und sind irgendwann Korvettenkapitän. Allerdings nur zwei Jahre. Kai Nickelsdorf hat noch ein Jahr vor sich, dann beginnt für den 33-Jährigen ein neuer Zeitabschnitt an Land. Eine Reise ins Dunkle sozusagen, aber das sind sie ja gewohnt. Neben dem Seehrohr orientieren sich die Matrosen nämlich nur über das Gehör. Und die Delegation ist von Gesehenem und den Seeleuten mehr als angetan. Mit von der Partie sind die drei Stadträte Franz Heidinger, Michael Mignoli und Anton Summer. Wilhelm Degle vertritt die Polizei. Von der Verwaltung der Stadt kam Mona Stolze mit und Christian Klint sowie Michael Falk von der Feuerwehr und Robert-Michael Wallner und Günter Zweck von der Wasserwacht. Unsere sehr engagierten Ehrenamtlichen, betont der zweite Bürgermeister Klaus Rieskamp. Ganz besonders glücklich über den Tauchgang ist Johann Pestenhofer aus Leutstetten. Für den 65-jährigen lebenslangen U-Boot-Fan geht damit ein Traum in Erfüllung - und er sowie alle Abgetauchten sind jetzt urkundlich bestätigte UBOOTFAHRER h.c. Am 22. Juli 1964 übernahm die Stadt Starnberg unter dem damaligen Bürgermeister und späteren Landrat Rudi Widmann die Patenschaft für das U-Boot U8. Damals hatte noch jede Mannschaft ein Schiff. Heute wird das Nachfolgemodell U34 im Wechsel von mehreren Mannschaften betreut. Ursprünglich steuerte nur das „Team Delta“ das Schiff - und sie sind es auch, denen in Wahrheit die Patenschaft gilt. Pate und Patenkind besuchen sich seither jährlich im Wechsel. 2014 feierten 15 Besatzungsmitglieder in Starnberg 50 Jahre Patenschaft. Und für das nächste Jahr schmieden die Delegierten schon Pläne, wie sie sich für die interessanten Ausflüge in eine Sprotten-Räucherei, durch Eckenförde und nach Flensburg in die Marineschule Mürwik, einer Rum-Verköstigung, einem typischen Fischbrötchen und dem Abendessen im Flensburger „Brauhof“ revanchieren können. Das Ambiente des üppigen Frühstück unter Deck werden sie aber wohl kaum toppen. Michele Kirner

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