Menschen mit Behinderungen

Segeln mit "Bärbl" als Therapie

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Wartaweil - Projekt für Menschen mit Behinderungen: Nach der Schiffstaufe ging’s raus auf den See.

„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Männer die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Das Zitat des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry ist wie geschaffen für das Projekt „Segeln für Menschen mit Behinderungen“ – und wurde Teil des Segensspruches von Diakon Hans-Hermann Weinen, bevor sich der Sekt über dem neuen Beiboot ergoss. Es kann schon Mal passieren, dass auf dem Ammersee ein Segelboot des Typs Mini-12 am Wassersportler vorbeizieht. Tief im Cockpit sitzt ein vor Glück und Selbstvertrauen strahlender Pilot. Jener startete unter Umständen in Wartaweil, musste allenfalls mit einem speziell angefertigten Kran in das Boot gehievt werden. Eine autarke Segeltour trotz Behinderung? Das hätte sich die an MS erkrankte und Mitförderin des Projektes Monika Müller-Neuhierl auch nie vorstellen können. „Ich hatte Angst ins Boot rein und auch wieder raus zu kommen“, gesteht sie. Dann kam sie nicht nur ohne Hilfe hinein, sondern stieg wie beflügelt wieder heraus. Seither ist sie begeisterte Seglerin. Vor drei Jahren bot das Schullandheim das erste Mal Segeln für Gehandikapte als Therapie an. Die Teilnehmer berichten nach der kleinen Seefahrt immer wieder von einer deutlichen Verbesserung der Koordination, Fein- und Grobmotorik sowie Gleichgewichtssinn. Das sei auf wogenden Bewegungen zurückzuführen, den die Sportler beim Fahren ausgleichen müssen. Der Initiator des Projektes, Wolfram Felkner, ist selber immer wieder überrascht von den Fortschritten der Teilnehmenden nach einem Turn. „Sie steigen aus dem Boot auf den Steg und laufen“, beobachtet der Segellehrer besonders bei Spastikern. In Zusammenarbeit mit den Auszubildenden der Porsche AG und Alcatel-Lucent sowie der FIDS baute der Mitarbeiter der Pfennigparade gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen vier dieser Mini-12 Boote. Deren Schwerpunkt liegt aufgrund des langen Kiels so tief, dass das Boot weder kenterbar noch sinkbar ist. Trotzdem ist ein Beiboot unerlässlich, sollte der Segler in Schwierigkeiten geraten. Bislang hatte die Bayerische Segelvereinigung Utting Boot und Bootsführer zur Verfügung gestellt. Jetzt finanzierten großzügige Spenden das 8.000 Euro teure Rettungsgerät. „Manchmal“, sagt der Geschäftsführer des Schullandheims Rainer Salz, „steht das Engagement vor allem Geld.“ Bärbl Mehnert-Jäger gehört zu den Ehrenamtlichen, die sich engagierten – und das Boot trägt zu ihren Ehren auch ihren Namen: „Bärbl“ wird fortan die Sicherheit der Segler gewährleisten und steht unter anderem für die Sehnsucht der Engagierten, Benachteiligten ein Stück Gleichberechtigung zu verschaffen. Michèle Kirner

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