Stallgespräch im Milchviehbetrieb

Landwirte leiden am Preisverfall

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Besuch auf dem Bauernhof: Martin Schwojer mit Sohn Franz-Georg am Arm öffnete seine Tore und zeigte den Besuchern wie sein Familienbetrieb täglich funktioniert.

Gilching – Nein, mit einem Massenbetrieb habe man nichts gemein, sagt Martin Schwojer. Der Gilchinger Landwirt lud anlässlich der am Freitag gestarteten Grünen Woche in Berlin in Kooperation mit dem Bauernverband zu einem Stallgespräch auf seinen heimischen Milchviehbetrieb ein.

Die Grüne Woche in Berlin, die noch bis zum 24. Januar dauert, bringe nur sehr wenig für die heimische Landwirtschaft, sagt Georg Holzer, Landwirt aus Diemendorf und Starnbergs stellvertretender Kreisobmann. Bei 28 Hallen sei Bayern dort lediglich mit zwei Hallen vertreten, die vorrangig deutsche Produkte vorstellten und Werbung für den Tourismus machten. Der Rest der Aussteller komme aus allen Erdteilen. „Und uns ist das Zentrallandwirtschaftsfest auf der Theresienwiese der Ort, wo sich die bayerischen Bauern präsentieren können“, sagt Holzer. Heuer sei es wieder soweit. Termin ist während der ersten Wiesnwoche vom 17. bis 25. September. Beim Rundgang durch Martin Schwojers Kuhstall betonte Kreisobmann Georg Zankl, dass man nicht nachlassen dürfe, darauf hinzuweisen, „dass wir in Bayern keine Massenbetriebe haben, sondern der Familienbetrieb noch Tradition hat“. Als typisches Beispiel gelte der Hof Schwojer. Er und seine Mutter Ingrid Schwojer versorgen alleine 50 Milchkühe, 14 Kälber, zehn sogenannte Fresser (größere Kälber) und 45 Hektar Acker- und Grünland. „Unser Tag beginnt spätestens um 6 Uhr mit dem ersten Melken und endet irgendwann am späten Abend“, erzählt Martin Schwojer. Und anders als bei einem Massenbetrieb mit bis zu 1.500 Tiere im Stall „pflegen wir eine familiäre Beziehung zu unseren Tieren. Wir kennen jede Kuh und es hat auch jede Kuh einen Namen. Unsere Babsi hat frisch gekalbt und ist seit zehn Tagen krank. Seither kommt der Tierarzt und wir hoffen, dass sie bald wieder gesund wird.“ Rechnet man die Arztkosten gegen den Milchertrag, der bei 8.000 Liter pro Tier und pro Jahr liegt, kann man bei einem Milchpreis von derzeit 30 Cent nicht mehr von Wirtschaftlichkeit sprechen, sagte Schwojer. „Es geht uns aber ums Tier.“ Dass sich noch viel am Milchpreis ändern wird, glaubt Schwojer nicht. Vielmehr spielt er mit dem Gedanken, „wenn es gar nicht mehr umgeht, dann bleibt als Alternative nur, die Gebäude als Lagerhallen zu vermieten.“ Kreisbäuerin Anita Painhofer bedauerte, dass bei den Verbrauchern nach wie vor die „Geiz-ist-geil“-Mentalität zählt, als dass für Lebensmittel an angemessener Preis bezahlt werde. „Wir überlegen immer wieder, was haben wir verkehrt gemacht. Die Leute legen heute mehr Wert auf jährlich mehrere Urlaube im Ausland, als dass die Qualität des Essens im Vordergrund steht. In Frankreich ist das ganz anders.“ pop

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