Mitgliederzahl steigt weiter

Der BI-Vorstand mit (v.l.) Carl Peter Altwickler, dem Vorsitzenden Professor Hans Jochen Diesfeld, seinem Vize Klaus Ferstl und Willi Illguth wollen 2011 verstärkt für eine Umfahrung kämpfen. Foto: Jaksch

Die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) wächst weiter: Seit Mai 2010 ist die Mitgliederzahl um 35 Prozent auf über 2.300 angestiegen. Für den Vorstand der BI ein Zeichen, dass die meisten Starnberger den Tunnel nicht wollen. Deshalb wird die BI auch 2011 weiterhin gegen den Bau des Entlastungstunnels kämpfen - und fordert die Neubewertung der zunehmenden Verkehrsbelastung wie durch die Umfahrung Ober-/Unterbrunn sowie die Untersuchung sämtlich möglicher Umfahrungsvarianten und die Offenlegung bisheriger Untersuchungsergebnisse.

Keinen bedeutenden Fortschritte sieht die BI hinsichtlich des Baus des B2-Entlastungstunnels: „Weder Bund noch Land hat 2011 Finanzmittel zur Verfügung gestellt“, so der BI-Vorstand. Ein Grund dafür sieht die Gruppierung in den explodierenden Kosten. So hätten sich laut Bundesverkehrswegeplan 2011 die Baukosten für den Entlastungstunnel von ursprünglich 79 Millionen Euro auf 150 Millionen Euro fast verdoppelt (Preissteigerungen über die Jahre noch nicht eingerechnet), monierte BI-Vize Klaus Ferstl. Für ihn ist diese Kostenschätzung ohnehin immer noch zu optimistisch. Er geht eher von 200 bis 250 Millionen Euro für den Tunnelbau aus und beruft sich auf bekannte Beispiele und deren tatsächliche Kosten nach Fertigstellung. Besonders ärgert sich die BI, dass man das Tunnelprojekt wohl anfangs „bewusst und unverantwortlich schön gerechnet hat, um überhaupt in den Bedarfsplan zu kommen und die Umfahrung dagegen teuer gemacht wurde“. Mit den aktuellen Kostenschätzungen sieht sie das Kosten/Nutzen-Verhältnis beider Projekte auf den Kopf gestellt: „ Es stimmt nicht mehr“, so der BI-Vorstand. „Es ist davon auszugehen, dass die Finanzierung des Tunnels aufgrund der schlechten Finanzsituation beim Bund und den Ländern so schnell nicht erfolgt, da einerseits der Tunnel durch das jetzt erheblich ungünstigere Nutzen/Kostenverhältnis nicht mehr die Bedarfskriterien erfüllt und die Entlastung des Starnberger Verkehrs jetzt sogar geringer ist als zur Planungsphase, trotz dramatischer Verkehrszunahme“, stellte die BI fest. Eine Umfahrung sei dagegen mit 50 bis 90 Millionen Euro viel kostengünstiger und werde sich auch nicht wesentlich verteuern. Damit endlich eine gerechte Bewertung beider Projekte stattfinde, hält die BI eine „realistische, ungeschönte Aktualisierung der Planungsgrundlagen zwingend erforderlich“. Sie bezweifelt, dass die Geschäftsgrundlage des Planfeststellungsbeschlusses von 2008 aktuell noch stimmt – vor allem, wenn noch mehr Verkehr durch die neue Umfahrung Ober-/Unterbrunn hinzu kommt. „Deshalb muss eine B2-Umfahrung als Alternative untersucht werden“, so die BI. Unmöglich findet es BI-Vorsitzender Professor Hans Jochen Diesfeld generell, dass die Stadtspitze die Meinung von über 2.300 BI-Mitgliedern – alle Bürger der Stadt- so „komplett ignoriert“: „Es herrscht ein Ton, als ob wir eine terroristische Vereinigung sind“, bedauerte der BI-Chef. Weder werde die 2005 gegründete BI, die sich intensiv mit dem Verkehrsthema befasse und sich auch immer wieder neutrale Verkehrsexperten zur Beurteilung hole, zu Diskussionen zur Verkehrsproblematik oder Arbeitskreisen eingeladen. „Wir bekommen nicht einmal eine Antwort, wenn wir das erbitten“, so Diesfeld und „das ist Bürgerumgang und -beteiligung à la Pfaffinger“. Ein angemessener und respektvoller Umgang bei sachlicher Kritik auch gegenüber „Andersdenkenden“, die sich im Interesse der Bürger engagieren, sei ihm fremd. „Verschweigen statt informieren“ beschreibt die BI die Informationspolitik des Rathauschefs und seines Geschäftsleitenden Beamten Karl-Heinz Springer. Als Beispiel für die Richtigkeit ihrer These führt die BI die Dezember-Ausgabe des Stadtgesprächs (Informationsblatt der Stadtverwaltung) an, in der über die Bürgerversammlung berichtet wird. Mit keiner Silbe werde dort der Antrag ihres BI-Mitgliedes Willi Illguth erwähnt, der die „Untersuchung einer B2-Umfahrung (Plan „B“) als Alternative zum B2-Tunnel“ fordert und von der Mehrheit der anwesenden Bürger angenommen wurde – und deshalb vom Stadtrat behandelt werden muss (am 31. Januar). Trotz all dieser Widrigkeiten will die BI ihren Kampf für eine Umfahrung nicht aufgeben. „Unsere Aufgabe ist es, die Bürger weiterhin zu informieren, da die der Stadt einseitig und unvollständig ist“, so der BI-Vorstand. So müssten die Bürger auch über die Probleme und Nachteile während der fünfjährigen Bauphase des B2-Tunnels aufgeklärt werden oder über die „mangelhafte Entlastungsfunktion und Sicherheit des B2-Tunnels sowie über die Risiken und Gefahren“. Des weiteren will die BI Kontakte zu Landes- und Bundespolitikern aufnehmen – und einen Aufruf an alle Stadträte starten, um eine Verkehrslösung zum Wohle der Starnberger Bürger und der zukünftigen Generationen zu finden.

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