München soll Verzicht anmelden

Eigentlich spricht alles gegen einen Autobahnringschluss im Münchner Süden. Alle Argumente für einen Ausbau der A99 Süd wurden mittlerweile ins Gegenteil umgedreht, von einer spürbaren Entlastung der Menschen im Norden und Osten in der Region gehen nicht einmal mehr die Befürworter aus. Und trotzdem herrscht in den Kommunen im Würmtal, dem Isartal und im Hachinger Tal* vor dem Ringschluss große Angst. Vor knapp einem Jahr haben sie sich deshalb die 14 Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zu einem „Südbündnis“ zusammengeschlossen. Gemeinsam mit dem Bund Naturschutz (BN) erklärten sie auf einer Pressekonferenz in München noch einmal, was ihre gemeinsame Sorge ist und wie die Alternativen zu diesem Projekt aussehen könnten.

Eine nicht ganz alltägliche Allianz wurde da am Montagvormittag im Münchner Ratskeller geschmiedet. Aber das gemeinsame Ziel verbinde, wie Professor Hubert Weiger, Bayerns BN-Vorsitzender, betonte. Kommunalpolitiker und Naturschützer hätten nicht immer dieselben Interessen, „aber das ist so unglücksprägend für die gesamte Region“, versicherte Weiger und erklärte somit den Schulterschluss mit den 14 Rathäusern. Gemeinsam repräsentiere man über 180.000 Einwohner, die von dem geplanten Autobahnringschluss betroffen wären, und auch wenn er nicht immer mit seinen Rathauskolleginnen und -kollegen einer Meinung sei, „hier bei diesem Thema passt kein Blatt zwischen uns“, versicherte Stefan Schelle, Oberhachings Bürgermeister und Sprecher des Bündnisses. Wie berichtet, hat sich dieses Bündnis in Hinblick auf die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie – sie wird für diesen Sommer erwartet – formiert und fordert Einblick in die Nutzen-Kosten-Untersuchung. Nicht nur, dass die Autobahn „erhebliche Nachteile für die Bürger“ im Münchner Süden mit sich bringe (Schelle), wie das Taufkirchner Gemeindeoberhaupt Jörg Pötke betonte, sei ja bekannt, „der Ziel- und Quellverkehr ist in München das Hauptproblem“. Der Ringschluss sei somit keine Lösung, „der bringt gar nichts“, versicherte er. Insgesamt würde der Südring von etwa 50.000 Fahrzeugen am Tag benutzt. Der Osten und Nordosten würde aber nur um 8.000 bis 10.000 Autos entlastet und das bei einer täglichen Frequentierung von 135.000 Kfz, lieferten sie aktuellen Zahlen. „Es würde viel Geld für etwas ausgegeben werden, was keine wirkliche Entlastung bringt“, legte der Oberhachinger Bürgermeister nach. Alternativen sind für das Bündnis unter anderem ein vernünftiger Lärmschutz an den bereits bestehenden Autobahnen und Bundesstraßen, was relativ rasch vorgenommen werden könnte und nur einen Bruchteil von dem koste, was der Südring verschlingen würde. Außerdem setzen die 14 auf eine Stärkung des ÖPNV (Öffentliche Personen-Nahverkehr). Für das bevölkerungsreichste Tal sprach an diesem Vormittag Bürgermeisterin Brigitte Servatius aus Gauting. Über 120.000 PKWs würden sich täglich über die einzige und heillos überlastete Hauptverkehrsachse quälen. Bei einem Ringschluss sieht sie vor allem bei einer oberirdischen Lösung die Gemeinde Planegg und ihre eigene am meisten belastet. Was das für die Verkehrsader bedeuten würde, wagt sich Servatius gar nicht auszumalen. In Gauting habe man bereits in der Vergangenheit „mit Initiativen heftigst“ gegen diese Pläne „gekämpft“, die wie ein Damoklesschwert seit den 1970er Jahren über dem Würmtal hängen, schilderte Servatius. Noch deutlicher wurde BN-Chef Weiger: „Hier geht es nicht um ein hin- und herschieben von Trassen, sondern um die Zerstörung des Münchner Südens.“ Egal, ob mit oder ohne entlastende Wirkung, seit den 1960er Jahren habe er einen Blick auf die Wälder im Süden der Landeshauptstadt. „Sogar ein Großflughafen war hier einmal im Gespräch“, erinnerte Weiger. Mitte der 1970er Jahre habe dann der Landtag einstimmig das Bayerische Waldgesetz auf den Weg gebracht, in diesem verankert ist auch der so genannte Bannwald. Dieser stehe unter besonderem Schutz, dürfe nicht bebaut oder anders genutzt werden und sichere den Menschen frische Luft, sauberes Trinkwasser und Erholungsmöglichkeiten, erklärte Weiger. Fast alle Wälder im Süden Münchens sind komplett ausgewiesen. „Alle Gemeinden haben das Jahrzehnte lang akzeptiert, was ihre Entwicklungsmöglichkeiten eingeschränkt hat. Und jetzt soll das alles nicht mehr gelten“, schüttelte der BN-Vorsitzende den Kopf. Die Verkehrsströme müssten durch andere Maßnahmen gesteuert beziehungsweise reduziert werden. Statt Verkehrsämter fordert Weiger „Mobilitätsämter“, statt immer neuer Straßen und Autobahnen müsste „massiv“ in den Lärmschutz investiert, parallel dazu ein abgestimmtes, regionales Verkehrskonzept unter besonderer Berücksichtigung des ÖPNV auf die Beine gestellt werden. Von der Landeshauptstadt und ihrem OB Christian Ude fordern die 14 plus eins eine ebenfalls ablehnende Haltung. „Unser Ziel ist, dass das Ding aus dem Bundesverkehrswegeplan raus kommt, nur so werden wir dauerhaft Ruhe haben“, betonte abermals Bürgermeister Schelle. Und Professor Weiger kündigte eine großangelegt Unterschriftenaktion gegen das über drei Jahrzehnte alte Projekt an.

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