Nabelschnurblut

Perspektive für Leukämiekranke

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Gauting – Leidet ein kleines Kind an einer angeborenen Immunschwäche, wird es vermutlich seinen fünften Geburtstag nicht erleben - außer es findet sich ein Stammzell-Spender.

Die Chance in der Familie oder in den weltweiten Dateien eine passende erwachsenen Stammzellenspende zu finden liegt allerdings nur bei 70 Prozent. Stimmen die Gewebemerkmale von Spender- und Patient überein, zählt jede Minute. Von der Auswahl bis zur Transplantation vergehen aber normalerweise mehrere Wochen. Und hier liegen die Vorteile der Nabelschnur-Präparate. „Die Zellen sind toleranter als die eines Erwachsenen und die Lieferung erfolgt innerhalb von 48 Stunden“, so Hans Knabe von der Stiftung Aktion Knochenmarkspende Bayern (AKB) in Gauting. Tatsächlich ist die Aussicht, dass dieses kurz nach der Geburt gewonnene Präparat für einen Patienten passt, höher als bei einem erwachsenen Stammzellspender. Das liegt daran, dass kleine Unterschiede bei den Gewebemerkmalen - im Gegensatz zu erwachsenen Spendern - akzeptiert werden können. In Zahlen ausgedrückt bekommen damit auch die 30 Prozent, die bisher keinen Spender gefunden haben, eine realistische Heilungschance. Gleich nach der Geburt entnommen und eingefroren lagern die Präparate an der Robert-Koch-Allee 23 in Gauting bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff. Rund 4.000 Nabelschnur-Präparate warten hier derzeit auf einen Empfänger. Weltweit ausgegeben worden sind wiederum 118 Spenden - und 14 davon stammen aus der Geburtsabteilung der Starnberger Frauenklinik. Unter der Leitung von Professor Christoph Anthuber und der leitenden Hebamme Susanne Bendl werden die zukünftigen Mütter über diese Möglichkeit aufgeklärt, bei der Entbindung vielleicht sogar zwei Menschen das Leben schenken können. Letzthin ging ein Präparat des Klinikums an einen Dreijährigen, der in Berlin auf der Intensivstation lag. „Heute ist er gesund“, freut sich Stiftungsgründer Knabe. Wie der Neugeborene wird nun auch der Empfänger die Welt ganz neu für sich erobern. Kürzlich erreichte die AKB ein äußerst gehaltvolles Präparat: Statt der üblichen 120 bis 130 Gramm brachte es gleich knapp 300 Gramm auf die Waage. „Da sind so viele Zellen drin, dass es für einen Erwachsenen oder sogar für zwei Kinder reicht.“ Wer weiß, vielleicht ist diese Lieferung für einen Erwachsenen die Perspektive, seine Leukämieerkrankung zu bezwingen oder für zwei Kleinkinder die Möglichkeit, bald wieder unbeschwert herumzutollen. Auch bei dieser risikofreien Form der Stammzellenspende arbeitet die AKB eng mit dem Bayerischen Roten Kreuz zusammen. Wer sich als erwachsener freiwilliger Stammzellenspender aufnehmen lassen möchte, kann entweder zu einer der öffentlichen Aktionen kommen (Termine und Informationen unter www.akb-germany.de) oder zu jedem Blutspendetermin des Bayerischen Roten Kreuzes. mk

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