Nicht Aufgabe der Gemeinde

Das Pilotprojekt INTAKT – Senioren aktiv wird nicht von der Gemeinde Gräfelfing finanziell unterstützt. Mit fünf zu zwei Stimmen sprachen sich die Räte in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses gegen einen gemeindlichen Zuschuss aus. Unabhängig von ihrem privaten Pflegedienst haben die beiden INTAKT Geschäftsführer Ulrike Geissler-Schmidbauer und Jürgen Geissler ein innovatives Kommunikations- und Beratungskonzept für Senioren im Würmtal entwickelt. Dieses Angebot richtet sich an alle Senioren im Würmtal und nicht nur an die pflegebedürftige Kunden, unterstreicht Geissler-Schmidbauer.

„Mit diesem neuen Projekt werden wir auch kein Plus machen und nicht jedes private Unternehmen ist die Geldmaschine schlechthin“, betont Geissler-Schmidbauer. „Für unseren offenen Betrieb verlangen wir keine Gebühren. Wir wollen auch keinen Eintritt für unsere geplanten Ausstellungen verlangen.“ Nur wer Kurse belege, bezahle hierfür einen geringen Betrag, der bei weitem nicht kostendeckend sei. „Das ganze Projekt ‘Senioren aktiv’ hat auch nichts mit unserem privaten Pflegedienst zu tun.“ Geissler-Schmidbauer ist enttäuscht über das Ergebnis, zumal „wir eine sinnvolle Freizeitgestaltung für Gräfelfings Senioren bieten“. Dabei ist es ihr so wichtig, dass sich die Senioren nicht „nur“ zum Kaffee und Kuchen treffen. Die wenigsten von den Senioren seien geistig gehandicapt, „die möchten nicht nur zusammen sitzen, sondern wollen sich einbringen“. Klar können Senioren auch Kurse bei der VHS belegen. „Wir aber bieten einen Hol- und Bringservice und bieten unseren älteren Mitmenschen nach Ende des Seminars zudem die Möglichkeit sich auszutauschen und Kontakte zu knüpfen.“ Immer mehr Senioren vereinsamen in unserer Gesellschaft, leben isoliert und zurückgezogen in ihren vier Wänden. „Mit unserem Projekt wollen wir dagegen steuern. Der Bedarf ist groß“, weiß die Geschäftsführerin. Spätestens Mitte September soll das Seniorenzentrum in den neu eingerichteten und behindertengerecht ausgebauten Räumen an der Schulstraße 5 öffnen. „Mit unserem Angebot wollen wir sowohl Senioren aller Pflegestufen ansprechen, als auch deren Angehörigen unterstützen, die sie betreuen.“ Während pflegende Angehörige an Kursen teilnehmen, können auf Wunsch Mitarbeiter des INTAKT Pflegedienstes derweil die Betreuung der pflegebedürftigen Senioren zu Hause übernehmen. An den Aktivitäten sollen nicht nur pflegebedürftige, sondern vor allem auch aktive Senioren teilnehmen. Die Angebote sind offen für alle Interessenten im Einzugsgebiet. „Über das Kursangebot hinaus bieten wir auch eine Plattform für Ausstellungen ortsansässiger Künstler.“ Neben dem offenen Betrieb mit wechselndem Programm und Kursen sind weitere wöchentliche Aktivitäten geplant. Darunter eine Betreuungsgruppe für Demente, ein Singkreis mit künstlerischer Unterstützung, betreute Spielnachmittage, Seniorengymnastik, Gedächtnistraining und eine Nordic Walking Gruppe. Da sich das Projekt nur teilweise über die Kursgebühren refinanziert, beantragte Ulrike Geissler-Schmidbauer einen einmaligen Zuschuss für die Erstausstattung der Einrichtung in Höhe von 9.500 Euro sowie einen Betriebskostenzuschuss in Höhe von 6.240 Euro. Die Gemeinde lehnte den Antrag mit der Begründung ab, dass sie bisher keine privaten Pflegedienste finanziell unterstützt hat, sondern nur Einrichtungen mit karikativem Charakter. So wird es auch weiterhin gehandhabt, um einen Präzedenzfall auszuschießen. Bürgermeister Christoph Göbel, der bei der Sitzung nicht dabei war, erklärt hierzu, dass auch andere Einrichtungen in der Gemeinde wie „Das Haus der Geborgenheit“ nicht von der Gemeinde finanziell unterstützt werden. So sehr er auch das Projekt befürwortet, sei es nicht die Aufgabe der Gemeinde, private Pflegedienste zu bezuschussen.

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