"Noch viele Fragen offen"

„Wenn man ein Amt übernimmt, bringt es nichts, ständig zurück zu blicken. Die Zukunft liegt vorne“, sagte Christian Schiller auf der Bürgerversammlung in Herrsching. Der Rathauschef ging damit auf die Kritik von Gerhard Knülle bezüglich des Höllriegel-Grundstücks ein, auf dem mittlerweile das Johanniter-Haus für Senioren steht.

Das Grundstück war Mitte der 80er Jahre an die Gemeinde für 200.000 Mark mit der Auflage verkauft worden, es ausschließlich zur Erweiterung des angrenzenden Friedhofes zu verwenden. Bei einem Quadratmeterpreis von 42 Mark ein so genanntes Schnäppchen. Von den insgesamt 4.670 zur Verfügung stehenden Quadratmetern jedoch wurde vor sechs Jahren unter der Ägide von Christine Hollacher eine Fläche von 3.777 Quadratmetern für den Bau des Seniorenzentrums freigegeben. Gleichwohl im Kaufvertrag ein Passus steht, dass vor einer Zweckentfremdung ein Wertgutachten angefertigt werden muss. Laut Bürgermeister Christian Schiller, der sich im Vorfeld informiert hatte, war seinerzeit das Ratsgremium in die Vertragsklausel involviert, stimmte aber der Veräußerung des Grundstücks für ein Seniorenzentrum ohne Gegenstimme zu. Fatal insofern, als dass eine Areal für Wohnbebauung vom Wert her weit höher eingestuft wird, als wenn drauf ein Gräberfeld entsteht. Weshalb die Erbengemeinschaft des Höllriegl-Grundstücks bereits vor Jahren einen Anwalt eingeschalten hat. Auf Nachfrage von Knülle, welche Nachzahlungen auf die Gemeinde zukommen, konnte Schiller keine Auskunft geben, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. In gleicher Sache kritisierte Knülle den für das Seniorenzentrum in Aussicht gestellten staatlichen Zuschuss in Höhe von 120.000 Euro, der dann nicht geflossen ist, weil der Antrag dafür zu spät eingereicht worden ist (wir berichteten). Hat schon damals der ausgebliebene Zuschuss ein großes Loch in die Haushaltskasse gerissen, kann jetzt die Nachforderung für eine Wertesteigerung des Höllriegel-Grundstücks weit darüber liegen. „Es sind aber noch viele Fragen offen. In Zukunft sollten wir darauf achten, dass solche Fehler nicht mehr passieren“, sagte Schiller auf Anfrage.

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