Patenkind

Eine fast unglaubliche Geschichte

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Gilching – Vor 15 Jahren haben sich Stefanie Hirsch und ihr brasilianisches Patenkind aus den Augen verloren. Es lag weniger an mangelndem Interesse, als vielmehr an der Sprachbarriere.

Nun hat sie ein unglaublicher Zufall wieder zusammen geführt. Lenilda de Silva wurde von den Nachbarn eingeladen, ohne dass sie von der Patenkind-Geschichte wußten. „Ich war noch sehr jung, wohnte zu Hause und verdiente mir als Bedienung nebenher ein paar Mark“, erzählt Stefanie Hirsch aus Gilching. Dennoch war es der Studentin ein Bedürfnis, eine Patenschaft für ein junges Mädchen aus Brasilien zu übernehmen. Immerhin musste sie dafür monatlich 70 Mark an die Organisation „Rette ein Kinderleben“ überweisen. Lenilda de Silva hieß die 12-Jährige, mit der Hirsch nun regen Briefkontakt pflegte. „Das ging, weil die gegenseitigen Briefe von der Organisation übersetzt wurden. Persönlichen Kontakt aber hatte ich nie.“ Dank der monatlichen Spende durfte Lenilda die Schule im Kloster Santa Theresa in Olinda, ein kleiner Ort in der Region Recife, besuchen und eine Ausbildung machen. „Der Kontakt endete mit Ende des Schulbesuchs. Ich habe zwar alle Unterlagen aufgehoben, aber irgendwann war die Geschichte abgehakt.“ Zumal die 40-Jährige Prokuristin mittlerweile eine eigene Familie gründete und sich zudem als Vorsitzende des Gilchinger Vereins Familieninsel für soziale Projekte einsetzt. Für Aufregung sorgte vor wenigen Wochen Sonja Pflug, die ihr Herz bei ihrer Nachbarin Hirsch ausschüttete. „Ich fasse es nicht. Stell dir vor, mein Mann hat eine Brasilianerin, mit der er über Facebook Kontakt pflegt, zu uns nach Hause eingeladen, ohne mich zu fragen“, schimpfte Pflug. „Tatsächlich war es mehr eine Spontanaktion als dass ich es mir überlegt habe“, räumt Andreas Pflug reumütig ein. „Ich hatte jetzt nur die Schwierigkeit, es meiner Frau schonend Frau beizubringen.“ Der Ehefrieden war schnell wieder hergestellt, als sich heraus stellte, dass es sich bei der Brasilianerin um das ehemalige Patenkind von Stefanie Hirsch handelte. Und wie war nun Andreas Pflug zu der jetzt 30-Jährigen gekommen? Der Zahnarzt gehörte vor 20 Jahren dem Verein „Zahnärztliches Hilfsprojekt Brasilien“ an, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern aus den Slums die Zähne kostenlos zu reparieren. „Ich war zwei Mal für drei Monate in Olinda und habe dort auch Lenilda kennengelernt, die sich mittlerweile ehrenamtlich im Kloster engagierte.“ Vor sechs Jahren waren er und seine Familie dann an den Zehentstadl in Gilching und in direkte Nachbarschaft zu Stefanie Hirsch und Matthias Vilsmeyer gezogen. Über die brasilianische Vergangenheit wurde nie gesprochen. Die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien jedoch war Anlass für ihn, über Facebook den Namen von Lenilda einzugeben. „Ich war dann schon überrascht, dass ich sie sofort fand. Nach der verheerenden Niederlage der Brasilianer gegen Deutschland hatte ich dann die Idee, Lenilda einzuladen und ihr Deutschland zu zeigen. Anfangs zögerte sie noch, als sie aber erfuhr, dass sie gleichzeitig ihre ehemalige Patin kennenlernen würde, war sie mit Begeisterung dabei.“ Nun ist sie da und genießt vier Wochen Urlaub in bayrischen Landen. „Alles sehr schön hier“, stellte Lenilda anlässlich eines brasilianisch-bayerischen Festes fest, das kürzlich ihr zu Ehren am Zehentstadl organisiert wurde. pop

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