Percha Schiffsmuseum

Ein Stück Geschichte geht nach Hamburg

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Es dauerte Stunden, bis die Dampfmaschine der alten "Dießen" zerlegt war.

Percha – „Wir sind sehr traurig aber auch enttäuscht, dass in unserem Landkreis ernsthaft kein Interesse an einem Schifffahrtsmuseum bestanden hat“, sagte Liselotte Gigl, Mitbegründerin und Vorsitzende des Förderverein Südbayerisches Schifffahrtsmuseum.

Am Montag wurden die letzten Exponate, die bisher im Stadl in Percha aufbewahrt waren, nach Hamburg verladen. Über drei Jahrzehnte lang sammelten die Mitglieder des Vereins alles, was im weitesten Sinne mit der Seenschifffahrt im Fünfseenland zu tun hatte. Unter dem Titel „Vom Einbaum zum Dampfschiff“ entstanden außerdem eine Reihe interessanter Jahrbücher, in denen sowohl technische Entwicklungen wie auch humorvolle See-Geschichten festgehalten wurden. Der letzte Band mit dem Untertitel „Der Ammersee – Dampfer, Flöße und Geschichten“ trägt die Nummer 13 und kam im Jahr 2004 anlässlich 25 Jahre Förderverein heraus. „Nun ist alles vorbei“, bedauert Gigl. „Mir bleibt nur noch, die letzten Formalitäten abzuwickeln und die Schriftstücke zu ordnen.“

Ein Stück Geschichte geht nach Hamburg

Der Verein als solches ist bereits aufgelöst. Allerdings wird die Auflösung erst dann rechtens, wenn sie ein Jahr lang im örtlichen Amtsblatt steht. „Es könnte ja sein, dass jemand etwas dagegen hat und Einspruch erhebt. Erst im nächsten Jahr kann die Sache endgültig abgeschlossen werden“, betonte die langjährige Vereins- vorsitzende. Das Rest-Guthaben aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden geht außerdem nach Abzug aller Kosten an das Technische Hilfswerk Starnberg, zweckgebunden für die Jugendarbeit. „30 Jahre Engagement waren zwar für die Katz’. Was mich ärgert ist, dass erst in Starnberg, dann in Inning, immer wieder Versprechungen zur Unterstützung des Museums gemacht wurden, diese aber, so scheint es jetzt, nicht ernst gemeint waren.“ Um nicht wertvolle Exponate verramschen zu müssen, stellte Gigls Stellvertreter Arno Berleb eine CD mit sämtlichen Hinterlassenschaften zusammen. Diese wurde an viele Museen in ganz Deutschland verschickt und um Aufnahme der seltenen Schmuckstücke gebeten. Letztendlich erklärte sich das Internationale maritime Museum in Hamburg bereit, sie zu übernehmen und auch für die notwendigen Restaurierungskosten aufzukommen. Unter anderem wurde am Montag die zwölf Tonnen schwere Dampfmaschine der alten Dießen verladen. „Die Kosten für die Restaurierung: rund 180.000 Euro“, weiß Gigl. Für die Unterstützer des Traums von einem Schifffahrtsmuseum im Landkreis jedoch bleibt nur, gelegentlich einen Ausflug nach Hamburg zu machen. Polly Polster

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