Pfarrei Gilching

"Wir sind entsetzt"

Gilching – Kaum haben sich die Gläubigen in Gilching an ihren neuen Pfarrer gewöhnt, wird er auch schon wieder abgerufen.

Auch wenn das Ende der Amtszeit des 49-Jährigen erst zum September 2015 erfolgt, Christoph Lintz musste es bereits jetzt öffentlich verkünden. Nun hoffen die Katholiken, durch Proteste und Sammeln von Unterschriften die Diözese Freising zum Einlenken zu bewegen. „Wir sind entsetzt“, sagt Pfarrgemeinderätin Gabi Probst-Eisenreich. Während des sonntäglichen Gottesdienstes verkündete Pfarrer Christoph Lintz, dass ihm die Diözese zum September 2015 die Abberufung mitgeteilt hat. „Er musste die für uns alle schlimme Nachricht auf Weisung des Ordinariats bereits jetzt bekannt geben. Für uns ergibt das keinen Sinn.“ So hinnehmen will es Probst-Eisenreich nicht. Auch wenn sich die Gläubigen schwer tun, gegen die Obrigkeit aufzumucken, ihrer Meinung nach darf nichts unversucht bleiben, den selbst bei Nichtkatholiken akzeptierten und auch beliebten Pfarrer zu halten. „Er ist ein ganz besonderer Mensch und es ist ihm völlig egal, was er gerade vorhat. Wenn er gerufen wird, lässt er alles liegen und stehen und kommt, um zu helfen.“ Probst-Eisenreich weiß zwar von Gerüchten, dass sich einige Gläubige über den Pfarrer bei der Diözese beschwert haben sollen. „Man kann es aber nicht jedem Recht machen und was genau an den Beschwerden dran ist, wurde selbst dem Pfarrer nicht gesagt.“ In einem Schreiben unter anderem an Kardinal Reinhard Marx weist sie unter anderem darauf hin, dass es in der Vergangenheit immer wieder Streit in der Pfarrgemeinde gegeben hat. „Der Streit setzte sich auch innerhalb der damaligen Seelsorger und deren Anhängerschaft fort. Wir hatten berechtigte Sorge, dass unser neuer Pfarrer es nicht lange bei uns aushalten wird. Er will aber bleiben.“ Weil es zudem Befürchtungen gab, dass er von seiner amerikanischen Heimatdiözese kurzfristig abberufen wird - Lintz war für sieben Jahre in Amerika aktiv - hat der Geistliche Antrag auf Inkardination innerhalb der zuständigen Diözese München-Freising gestellt. Der Weggang des Pfarrers wäre auch ein großer Verlust für den Helferkreis „Asyl-in-Gilching“, sagt dessen Sprecherin Eva Ott. „Es war unser Pfarrer, der sofort Wohnraum für die Asylbewerber zur Verfügung stellte und den Helferkreis initiierte. Er kümmert sich persönlich um die oft sehr großen Sorgen der Mütter und deren Kinder, die er als seine Enkel bezeichnet. Es wäre für die Kleinen ein großer Verlust, wenn ihr Opa plötzlich nicht mehr da wäre.“ Im Übrigen sei er endlich mal wieder ein Pfarrer, der mit einen gehörigen Portion Humor ausgestattet sei, sagt Ott. „Als der Vorwurf seitens einiger Gläubigen kam, dass seine Predigten zu lange sind, beauftragte er Kirchgängerin Annemarie Frisch, ihm per Daumen ein Zeichen zu geben, wenn er wieder einmal zu lange redet. Seither hört er sofort auf, wenn der Daumen in der ersten Kirchenbank hoch geht.“ Nun sollen Unterschriften gesammelt und weitere Mitstreiter gewonnen werden. Polly Polster

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