Historische Entwicklung des Pilsensees

Idylle beinahe verloren

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Pilsensee – Der Pilsensee gehört mit zu den Seen, die weitgehend unzugänglich sind. Dennoch hätte er um ein Haar seine Idylle verloren.

Von den hochtrabenden Plänen jedoch, dort olympische Segelregatten zu veranstalten und den See mittels eines Hochsteges zu erschließen, ist lediglich ein reduzierter Campingplatz übrig geblieben. Der VW-Käfer, eine Kugel als Wohnwagen oder ein einfaches Zelt so zogen die Camper in den 60er Jahren hinaus aufs Land, dort, wo Erholung geboten war. Ein beliebtes Ausflugs- und Urlaubsziel für die Münchner Stadtleute war schon damals der Pilsensee. Fast um ein Haar hätten zwischen dem Pilsen- und dem Ammersee anlässlich der Olympischen Spiele im Jahr 1972 die Ruderwettbewerbe stattgefunden. Um Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, sollte der Ammersee mittels eines Kanals ins Moos hinein bis zum Pilsensee verlängert werden. „Aber Oberschleißheim hatte die besseren Karten, stellt der Inninger Chronist Robert Volkmann in seinem Buch „Mit dem Radl unterwegs im Fünfseenland““fest. Wobei vor etlichen tausend Jahren der Ammer- und der Pilsensee eins waren und sich erst im Laufe der Zeit zu zwei Seen entwickelt haben. Den ursprünglichen Verbund wieder herzustellen, wurde bereits im 18. Jahrhundert diskutiert. „Zwischen dem Pilsensee und dem Ammersee ist ein Moor, ½ Stunde lang. Im Jahre 1701 vereinigten sich der Graf Max Kajetan von Törring zu Seefeld und die beiden Prälaten zu Dießen und Andechs, einen schiffbaren Kanal durch dieses Moor graben zu lassen…““, hielt 1848 Friedrich Töpfer, Hauslehrer und Verwalter im Schloss Seefeld, schriftlich fest. Töpfer: „Der Kanal kam aber nicht zustande, bis im Jahre 1839 der jetzige Besitzer den aus dem Pilsensee fließenden Bach reinigen und zugleich erweitern ließ, so dass man mit beladenen Schiffen, freilich nur bei hohem Wasserstand, von diesem dann in den Ammersee fahren kann.““ Eine weitere Idee, die aus heutiger Sicht zum Glück nicht umgesetzt wurde: Vor fast 50 Jahren plante der „Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete“ die Erschließung des Südwestufers des Sees für die „stille Individualerholung. Danach sollte ein passierbarer Hochsteg entlang des Pilsensees das fast unzugängliche Südufer umrunden. „Wir wären heute mehrheitlich sicher nicht glücklich, hätte die damalige Gemeinde Hechendorf 1968 ihr Vorhaben verwirklichen können, zusammen mit dem genannten Verein und dem geplanten Hochsteg einen Campingplatz mit 900 Stellplätzen und einer Liegewiese von 40.000 Quadratmetern für bis zu zehntausend Menschen in diesem Bereich anzulegen“, so Volkmann. Von den ehrgeizigen Plänen ist lediglich der Campingplatz unterhalb des Seefelder Schlosses übrig geblieben. Aus den Zelten wurden inzwischen teils luxuriöse Wohnwägen und auch der hygienische Komfort kann sich sehen lassen. Allerdings sorgte der Campingplatz über Jahrzehnte für juristische Auseinandersetzungen zwischen der Starnberger Landkreisverwaltung unter Landrat Rudi Widmann und dem Grafen von Törring. Schließlich einigte man sich 1992 auf eine Reduzierung der bis auf fast 1.000 angewachsenen Wohnwagen-Plätze auf höchstens 600 Camper und 450 Parkplätze für Tagesgäste. Polly Polster

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