Gewerbegebiet

Ein modernes Planungskonzept

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Gauting – Der Gautinger Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung das Planungskonzept für das neue Gewerbegebiet neben dem Sonderflughafen Oberpfaffenhofen beschlossen. Das Architekten- und Stadtplanungsbüro bgsm und die Dr. H. M. Schober Gesellschaft für Landschaftsarchitektur aus Freising stellten den Gemeinderäten zuvor zwei mögliche Alternativen vor.

Die Variante mit drei kreisförmigen Inseln, die großzügig von Grünflächen umgeben sind, setzte sich dabei gegen die eines traditionellen, großflächigen Gewerbegebiets ohne grünen Anspruch durch. „Das neue Gewerbegebiet wird rund 21 Hektar Nutzfläche haben“, erklärte Bürgermeisterin Brigitte Kössinger. Zirka zwei Drittel der 69,9 Hektar großen Fläche des Gesamtareals seien dabei Ausgleichs- und Grünflächen. Die Architekten und Stadtplaner sowie die Landschaftsarchitekten haben in den vergangenen Monaten intensiv an den Plänen gearbeitet. Grundlage waren dabei die Vorgaben der Würmtalgemeinde für ein grünes Gewerbegebiet. „Der hochwertige Wirtschaftsstandort soll großzügige Wald- und Erholungsflächen aufweisen und höchsten ökologischen, baulichen Ansprüchen gerecht werden“, betonte Kössinger. Aufenthaltsqualität, Nachhaltigkeit und ein großzügiges, soziales Angebot seien zudem entscheidende Kriterien. „Dazu gehören unter anderem ein attraktiver Straßenraum mit grünen Alleen, eine landschaftsgerechte Einbindung in den umgebenden Wald, der Erhalt des bisherigen Wegenetzes für Spaziergänger und Radler sowie hochwertige Gebäude- und Freiraumgestaltung durch ein einheitliches Erscheinungsbild“, ergänzte Bauamtsleiter Rainer Härta. Der Nachhaltigkeitsaspekt soll beispielsweise durch lokale Energiegewinnung, Minimierung der betrieblichen Emissionen, energieeffizientes Bauen durch den Einsatz ökologischer Baustoffe, minimierten Primärenergiebedarf, den Einsatz von E-Bikes und E-Cars und eine fahrradfreundliche Infrastruktur berücksichtigt werden. „Auf Basis dieser Vorgaben kristallisierte sich frühzeitig heraus, dass das Gewerbegebiet direkt an den Sonderflughafen Oberpfaffenhofen im Westen anschließen wird. Diese Lage ermöglicht den Anschluss an die bestehenden Gewerbeflächen und minimiert die Eingriffe in die Landschaft“, betonte Christian Böhm, Stadtplaner und Architekt der bgsm. Mögliche Alternativvarianten im Osten oder Süden des Gesamtareals seien daher nicht weiter verfolgt worden. Nach mehreren Sitzungen verdichteten sich die beiden Planungskonzepte, die dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt wurden. Während die traditionelle Variante ein großflächig-durchgehendes Gewerbegebiet mit eckigen Baufeldern ohne dazwischen liegendes Grün vorgesehen hätte, verteilt sich die zweite auf drei kreisförmige Abschnitte mit großzügigen, dazwischen liegenden Grün- und Waldflächen. Attraktivität des grünen Inselkonzeptes durch zentrale Plätze „In den Planungssitzungen haben wir uns eindeutig für den zweiten, Entwurf mit Kreisformen ausgesprochen, weil er unserem Ziel eines grünen und nachhaltigen Gewerbegebietes am besten entspricht, obwohl die Nutzfläche mit 21,3 Hektar kleiner ist als die des Planungskonzeptes für das traditionelle Gewerbegebiet mit 24,5 Hektar“, so Kössinger. Ein Gewerbegebiet mit einem solchen Ansatz sei hochwertiger als die traditionelle Variante. „Ein zentraler Platz, an dem auch Einkaufsmöglichkeiten und ein gastronomisches Angebot vorgesehen sind, bildet den attraktiven Mittelpunkt“, erläuterte Härta. Er ermögliche den Unternehmen im Vergleich zu traditionellen Gewerbegebieten eine besonders repräsentative Architektur am Standort und direkten Zugang zu den umgebenden Grünflächen. „Die Kreisformen schaffen eine besondere Identität und bieten Firmen, die einen Standort im Münchner Großraum suchen, zusätzliche Attraktivität. Für Gauting ist das nicht nur ein Wettbewerbsvorteil, sondern erweitert auch die Auswahlmöglichkeiten der Gemeinde, welche Unternehmen man zukünftig ansiedeln möchte“, ergänzt Bernd Schulte-Middelich von der ASTO Unternehmensgruppe. Diese hat Ende vergangenen Jahres eine Projektgesellschaft zur Entwicklung des neuen Gewerbegebietes und zur Ansiedlung von zum Konzept passenden Firmen gegründet, der die Gemeinde Gauting in Kürze beitreten wird. Qualität der Waldflächen steigt „Die großzügige Aufforstung auf einem Teil der geplanten Grünflächen wird dafür sorgen, dass der Wald langfristig eine bessere Qualität haben wird als die derzeitige Fichtenmonokultur“, erklärt Landschaftsarchitekt Andreas Pöllinger von Dr. H. M. Schober. Im Sinne der gutnachbarschaftlichen Beziehungen haben die Architekten den Wunsch der Gilchinger Bürger nach einer Durchgängigkeit der Grünflächen auf dem Weg in das Unterbrunner Naherholungsgebiet berücksichtigt. Verschiedene Wege durch Wald- und Grünflächen für Fußgänger und Radfahrer sind fester Bestandteil in der vom Gemeinderat verabschiedeten Variante des Planungskonzeptes. Das neue Gewerbegebiet wird - ausgehend von den 4,5 Hektar des bereits ausgewiesenen Gewerbegebietes - je nach Bedarf und konkreten Firmenanfragen schrittweise in Richtung Norden und Osten erschlossen werden. „Dass es nur einen einzigen Aufstellungsbeschluss für das Gesamtareal gibt, war uns von Beginn an sehr wichtig. Wir möchten zum einen die Bevölkerung transparent informieren, zum anderen ist trotz eines stufenweisen Ausbaus eine Entwicklung des Gesamtgebietes insbesondere für die optimale Anlage der Grün- und Ausgleichsflächen sinnvoll“, erklärte Härta. „Auf diese Weise können wir die Grünflächen direkt vor Ort den Gewerbegebietsflächen zuordnen statt sie – wie sonst oft praktiziert – irgendwo in Oberbayern anzusiedeln, wo sie den Gautinger und Gilchinger Bürgern keinen Nutzen bringen“, ergänzte Kössinger. Nach der Entscheidung im Gemeinderat wird die Kommune im nächsten Schritt die frühzeitige Behörden- und Bürgerbeteiligung in die Wege leiten. sb

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