Rewe-Pläne bereiten Sorgenfalten

Herrsching – Weitere drei Jahre steht Stephan Feneberg an der Spitze des Herrschinger Gewerbeverbands. Gegen eine Stimme votierten rund 30 Mitglieder vergangene Woche im Andechser Hof für ihren bisherigen Vorsitzenden. Zuvor hatte Feneberg in seiner Bewerbungsrede betont, wie viel Spaß ihm die Arbeit gemacht habe: „Ich mache das gerne.“ Hauptthema an diesem Abend waren neben geplanten Aktionen zur Adventszeit die Umzugspläne der Familie Höcker, die mit ihrem REWE-Markt vom Gewerbegebiet nach Lochschwab umsiedeln möchte – zur großen Sorge mancher Gewerbetreibender.

Bevor sich man sich eine teilweise hitzig geführte Debatte mit der Familie Höcker um deren Beweggründe für den Umzug lieferte, wählten die Mitglieder zuerst einen neuen Vorstand. Fenebergs Stellvertreter für die kommenden drei Jahre ist Harald Maler, der bislang Schriftführer war. Dieses Amt übernimmt Sabine Mader, die neu in den Vorstand kommt. Alter und neuer Kassier ist Gerald Reichmann. Der ehemalige Vorsitzende Guntbald Peroutka wurde mit großem Applaus zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Beisitzer sind wie bisher Franz Czsany und Thomas Jäger, neu gewählt wurden in dieses Amt Gaby Huber, Christine Reich und Ulrike Sorée. In den zurückliegenden drei Jahren habe sich beim Gewerbeverband einiges getan, ließ der alte und neue Vorsitzende die vergangene Periode Revue passieren. Die 72 Mitglieder hätten so „zukunftsträchtige“ Veranstaltungen wie „Feuer und Flamme“ aus der Taufe gehoben, ein Mix aus Gewerbe und Kultur. Auch „Herrsching wartet aufs Christkind“ am Nachmittag des Heilig Abends im Postgarten sei laut Feneberg ein Riesenerfolg gewesen – was heuer gleich wiederholt wird. Um Eltern und Kindern die Zeit vor der Bescherung zu verkürzen, gibt es für die Großen Glühwein und für die Kleinen Punsch, Blasmusik sowie eine Kindermette. Aus den Erlösen in den vergangenen Jahren konnten zwei neue Stränge für die Weihnachtsbeleuchtung an der Bahnhofstraße erworben werden. Erstmals wollen heuer zum 1. Advent-Samstag am 28. November alle Mitglieder ihre Geschäfte bis 20 Uhr öffnen. „Herrsching leuchtet“ heißt der lange Einkaufsamstag, mit dem die Geschäftsleute mit allerhand Überraschungen auf die Weihnachtszeit einstimmen wollen. Für das musikalische Rahmenprogramm könnte eine Bläsergruppe sorgen; einig ist man sich dagegen, dass die im vergangenen Jahr privat organisierte Sammelbestellung für Weihnachtsbäume heuer vom Gewerbeverband durchgeführt werden soll. Durch eine entsprechend große Bestellung könne der Preis für eine Blaufichte von 13 bis 15 Euro pro Baum relativ niedrig gehalten werden, so Feneberg. Viel Raum nahm schließlich die Debatte um den von der Betreiberfamilie Höcker gewünschten Standortwechsel für ihren REWE-Markt ein. Das Geschäft im Gewerbegebiet platze mit seinen 750 Quadratmetern aus allen Nähten, schilderten die Bauwerber. Außerdem müsse der Laden, der schon lange nicht mehr dem heutigen Standard genüge leiste, dringend renoviert werden. Sollten die Höckers keine Alternative finden, müssten sie fortgehen, kündigten beide an. Lochschwab sei außerdem verhandelbar, „es gibt nur kein anderes Grundstück in Herrsching“. In dem Ortsteil Richtung Breitbrunn soll auf einer Fläche 38.000 Quadratmeter ein dreizügiger Kindergarten und 18 Reihenhäuser entstehen, dies alles nahe der unter Denkmal stehenden Villa. Wie berichtet, könnte sich die Familie Höcker dort einen 1.500 Quadratmeter großen Lebensmittelmarkt und zusätzliche 600 Quadratmeter für einen Drogeriehandel vorstellen. Letzteren würden sie aber nicht selber betreiben. Die Sorge der Händler fasste Guntbald Peroutka zusammen: „Was passiert denn mit unserem Ortskern mit seinen vielen kleinen Läden?“ Er befürchtet, dass Kaufkraft aus dem Zentrum abgezorgen werde. „Schauen sie mal nach Gilching“, warnte Christine Reich in Anspielung auf die Händleransiedelung im Gewerbegebiet Süd. „Wir sind auch Herrschinger, zahlen hier Gewerbesteuer und kämpfen genauso ums Überleben“, machten dagegen die Höckers ihren Unmut Luft. Seit drei Jahren werde man hingehalten ob einer Entscheidung für Lochschwab, ergänzte Ehemann Höcker. Dieser hat nun einen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans gestellt, was bald schon den Gemeinderat beschäftigen wird. Zu guter Letzt erinnerte Robert Brack an den „Fehler, den wir vor 30 Jahren gemacht haben“. Der damalige Gemeinderat habe die Ansiedelung von Discountern im Gewerbegebiet gestattet. „Das wollen wir nicht wiederholen“, machte Brack seinen Standpunkt deutlich, „ich sehe den Handel nur im Ortszentrum“.

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