Riedener Weg

Derzeit keine "schöne Situation"

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Anfang Juli war die Freude groß bei den Mitgliedern der Tennisabteilung des TSV Starnberg, hatte doch der Bauausschuss einen Antrag der RE-sponsibility GmbH für eine Bebauung am Riedener Weg einstimmig abgelehnt. Die Erleichterung ist jedoch mittlerweile wieder den Sorgen gewichen, denn Ende August musste der TSV fünf der neun Tennisplätze räumen, da der Pachtvertrag ausgelaufen ist.

Rund 70 Mitglieder der Tennisabteilung trafen sich am vergangenen Freitag im Tanzstudio der Brunnangerhalle, um sich über den aktuellen Sachstand zur Anlage am Riedener Weg zu informieren. Darunter auch Bürgermeisterin Eva John sowie (die beiden UWG-Stadträte Jürgen Busse und Winfried Wobbe und CSU-Gremiumskollege Gerd Weger. Wie Hans Jungwirth, 2. Vorsitzender des TSV, zu Beginn informierte, können die 250 Tennisspieler seit Ende des Pachtvertrags nur noch die vier im Eigentum des Vereins stehenden Plätze bespielen, die ehemals gepachteten Flächen wurden von der Eigentümerin RE-sponsibility GmbH mit einem Bauzaun abgesperrt. „Wir wissen, dass dies für die Tennisspieler keine schöne Situation ist“, sagte Jungwirth, appellierte jedoch: „Sie sollten trotzdem zusammenhalten, um dem Tennissport weiterhin Gehör zu verschaffen. Denn wir können die Situation nicht allein lösen, wir brauchen die Unterstützung der Politik.“ Matthias Wörsching, Sportwart bei den Tennisspielern, machte die Bedeutung der Anzahl der Plätze für den Fortbestand der sportlichen Leistungen klar: „Weniger Platz könnte mittelfristig auch weniger Mannschaften bedeuten. Es wäre wirklich schade, wenn wir diese einmalige sportliche Position mit Bedeutung für die gesamte Region aufgeben müssten.“ Derzeit sind 16 Mannschaften gemeldet, die Herren schafften in diesem Jahr sogar den Aufstieg in die Regionalliga. Um wenigstens kurzfristig den Bedarf zu decken, wird sich der TSV für die kommenden zwei Spielzeiten wohl in Percha einmieten. Die Verhandlungen laufen noch, eine vertragliche Vereinbarung sei noch nicht unterzeichnet, sagte Jungwirth, aber das „wird in Kürze erfolgen.“ Die TSV-Verantwortlichen sind sich einig, dass „ein Spielen auf zwei Anlagen parallel nur eine Übergangslösung sein kann“, so Jungwirth. Aber was sind die Alternativen und vor allem welche Perspektiven gibt es für die TSV-Tennisspieler? Das war die große Frage, die vor allem an die Politiker gestellt wurde. Jürgen Busse skizzierte einige Szenarien und gab Einblicke in baurechtliche Belange. Zudem forderte er: „Die Stadt sollte ein Zeichen setzen und einen Bebauungsplan aufstellen.“ Zwar sei das Gebiet im Flächennutzungsplan bereits als Grünfläche und Fläche für Tennisnutzung ausgewiesen, aber nur durch einen Bebauungsplan könne „der Bodenwert festgeschrieben werden.“ Dies könnte seiner Ansicht nach den Weg ebnen, die Tennisanlage auch langfristig an dieser Stelle zu erhalten. Neben Busse war vor allem Rathauschefin Eva John gefragt. Sie appellierte zunächst an den Verein und seine Mitglieder, „eine klare Erwartungshaltung zu formulieren.“ Schließlich sei die Stadt „dem TSV wohlgesonnen und bereit, den Sport so wie er heute ist, zu unterstützen.“ Zudem sei der Tennissport auch ein wesentlicher Teil des Sportentwicklungsplans. John machte allerdings ebenso deutlich, dass bei einer Wohnbebauung der Grundstücke, sei es auf Teilflächen oder dem gesamten Areal, Lärmschutzaspekte die Sportnutzung einschränken können. Eine Teilung des TSV-Spielbetriebs sah auch die Bürgermeisterin nur als temporär an. „Dies ist die Grundversorgung“, so John. „Wir brauchen aber eine Lösung für den Sportbetrieb.“ Aus den Reihen der Mitglieder kam die Frage auf, ob eine neue Anlage im Außenbereich der Stadt entstehen könnte. Dies sah allerdings Jürgen Busse als überaus problematisch an: „Solch große Flächen sind bei uns nicht auffindbar. Wir sind von Schutzgebieten umgeben - da ist so ein Vorhaben sehr schwierig.“ Georg Kendl, im TSV Verwaltungsratsvorsitzender, brachte die Möglichkeit ins Spiel, die Stadt solle sich auf der Anlage des Tennisparks engagieren. „Dort ist alles vorhanden. Halle und ausreichend Freiplätze.“ John sah da aber wenig Chancen des Stadtzugriffs bei dieser Fläche. „Die Schörghuber-Gruppe will das Grundstück selbst entwickeln.“ Es werde auf diesem Gebiet eine gewerbliche Nutzung erwartet. Auf dem Grundstück der Stadt steht die Tennishalle, der Betrieb steht wegen hoher Belastungen auf der Kippe. „Es ist durchaus Verhandlungsbereitschaft beim Pächter erkennbar“, so John. Finanzielle Aspekte stehen einer Lösung wohl entgegen. TSV-Präsidium und Abteilungsleitung bekamen aus der Versammlung den Auftrag, mit der RE-Sponsibility GmbH über eine Erneuerung des Pachtvertrages zu verhandeln, da derzeit kein Baurecht geschaffen wurde. Es werden nicht die letzten Gespräche sein, die die Verantwortlichen führen werden. Schließlich sollten binnen Jahresfrist erste Ergebnisse erkennbar sein – sonst droht dem TSV im Extremfall „ein Wegfall der gesamten Tennissparte“, wie Abteilungsleiterin Michaela Allihn feststellte. sb  

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