Römerstraße

In der heutigen Zeit unvorstellbar

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Gilching – Die älteste Straße in Gilching ist die Römerstraße. Sie führt zentral durch den Ort und diente schon den alten Römern als Heeresstraße zwischen Salzburg und Augsburg. Anlässlich des geplanten Ausbaus vor gut einem halben Jahrhundert demonstrierten Bürger erstmals, was Bürgersinn bedeutet. In der heutigen Zeit unvorstellbar.

Die Römerstraße ist vom Ortsteil Argelsried kommend bis zur Abzweigung Bruckerstraße auch heute noch Teil der Staatsstraße 2069. Im Jahr 1938 wurde die damals rund 6,5 Meter breite Straße staubfrei gemacht und erstmals geteert. Eine Maßnahme, die nur bis kurz nach Kriegsende Bestand hatte. „Schon um 1947 hatten amerikanische Panzer und deren schwere Lastwägen die Asphaltdecke bis auf einige wenige Stellen zerfetzt. Immer größer wurden die Staubwolken, insbesondere an trockenen Tagen, wenn die Fahrzeuge über die Kies- und die Straßenlöcher jagten“, hielt Chronist Rudi Schicht in den Gilchinger Annalen fest. Da die Beschwerden zunahmen, beschloss der Gemeinderat im Jahr 1954, die Römerstraße auf 15 Meter Breite plus beidseitigen Bürgersteigen mit einer Breite von je zwei Metern auszubauen. Dies wäre laut Schicht nicht möglich gewesen, hätten die links und rechts der Straße ansässigen Grundstückseigentümer „nicht hervorragenden Bürgersinn bewiesen“. Sie stellten ohne Ausnahme unentgeltlich entlang der 745 Meter langen Sanierungsstrecke bis zu je 3,5 Meter Breite Grund zur Verfügung. Schicht: „Insgesamt waren dies 4.500 Quadratmeter. Selbst bei einem damaligen Quadratmeterpreis von sechs Mark wären dies damals rund 27.000 Mark gewesen, die die Gemeinde zusätzlich zu den Herstellungskosten hätte aufbringen müssen. So viel Geld aber hatte der Gemeinderat nicht.“ Der Interessengemeinschaft gehörten 24 Hausbesitzer an, die durch die Grundstücksabgabe ihre Vorgärten verkleinern mussten und 42 Landwirte, die einen Teil ihrer Felder opferten. Einzig die Hausbesitzer erhielten kostenlos neue Zäune, die jedoch in der ursprünglichen Kostenschätzung berücksichtigt waren. „Dieses Einverständnis aller Grundbesitzer war in der Tat in Gilching ein einmaliges Beispiel echten Bürgersinns zugunsten der Allgemeinheit“, betonte Schicht. Wie berichtet, soll die Römerstraße nun erneut umgestaltet und bürgerfreundlich ausgebaut werden. Ziel ist, sie weitgehend vom Verkehr zu entlasten. Dieses Vorhaben jedoch kann erst nach Inbetriebnahme der seit mehr als drei Jahrzehnten geforderten Umgehungsstraße realisiert werden. Nach insgesamt drei Bürgerentscheiden innerhalb von 15 Jahren, mal Pro, mal Contra und zuletzt wieder Pro Umfahrung, steht dem Bau der Westumgehung nun nichts mehr entgegen. pop

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