Für die schnelle Rettung

Bei Eisunfällen zählt jede Minute – schließlich drohen Eingebrochene nicht nur zu ertrinken, sondern auch durch Unterkühlung zu sterben. Eine Möglichkeit, schnell auch zu in der Mitte eines Sees Verunglückten vor zu dringen, ist der Einsatz eines Luftschrauben-Gleitbootes. Am vergangenen Wochenende wurde das Propeller-Boot von der Feuerwehr Steinebach-Auing auf dem Wörthsee getestet.

Die zahlreichen Eisunfälle vor gut zwei Wochen am Pilsen- und Wörthsee hatten die Rettungskräfte veranlasst, über den Kauf eines „Multigleiter FLG 450“ nach zu denken. An dem sonnigen Wintersamstag vor elf Tagen hatten Tausende von Schlittschuhläufern, Eishockeyspielern und Spaziergänger die beiden Seen bevölkert. Dabei waren insgesamt sieben Personen im tückischen Eis eingebrochen. Weil die Rettungskräfte einen Masseneinbruch befürchteten und sich viele Freizeitsportler völlig unbeeindruckt von ihren Aufrufen zeigten, den See zu räumen, hatte die Polizei schließlich einen Rettungshubschrauber eingesetzt, um vor den Gefahren zu warnen. Um künftig schnell bei der Unfallstelle zu sein, will die Feuerwehr Steinebach-Auing nun einen Multigleiter anschaffen. Das 100 PS starke Gefährt - das Schlauchboot ist mit einem Propeller ähnlich wie die Gleitboote in den Everglades-Sümpfen in Florida ausgerüstet – kann mit atemberaubenden Geschwindigkeiten bis zu 100 km/h über das Eis beziehungsweise Wasser fahren und so schnellstmöglich die Unfallstelle erreichen. Der speziell beschichtete Boden des Bootes verhindert, dass Steine dem FLG 450 etwas anhaben können. Vor allem wenn die Unfallstelle von brüchigem Eis oder Wasser umgeben ist, ist das Luftschrauben-Gleitboot ein wertvolles Rettungsgerät. Es bietet einen unschlagbaren Zeitvorteil und kann punktgenau manövriert werden. Mit herkömmlichen schwimmfähigen Rettungsschlitten müssen sich Retter erst mühsam per Hand langsam zu dem Eingebrochenen vorarbeiten, wenn das Eis nicht mehr trägt. Beim FLG 450 können Verunglückte mit den seitlich angebrachten Netzen einfach geborgen werden. Ebenfalls für den Multigleiter sprechen die Betriebskosten: 20 Euro pro Stunde (im Vergleich: Ein Rettungshubschraubereinsatz kommt auf 4.000 Euro). Ob sich die Feuerwehr Wörthsee-Auing das Propeller-Gleitboot tatsächlich anschaffen kann, muss der Gemeinderat entscheiden. Kosten des Multigleiters: 63.000 Euro. Vor knapp fünf Jahren war die Anschaffung des FLG 450 schon einmal im Gespräch gewesen. Damals hatte die örtliche Wasserwacht das Gefährt getestet. Allerdings war die Investition wieder verworfen worden. „Zu teuer und zu laut“ war damals der Tenor. Zwar ist das erstmals 2003 konstruierte Propellerboot weiterentwickelt und verbessert worden - die Geräuschentwicklung ist nicht mehr so dramatisch wie anfangs und dem Vernehmen nach viel leiser als bei einem Hubschraubereinsatz – trotzdem rief der Motorenlärm beim Testeinsatz am vergangenen Wochenende gleich Naturfreunde auf den Plan. Sie sorgten sich um das Wohl der Wasservögel.

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