Spielerischer Start

Vom Rathaus sind es für Kraillings Bürgermeisterin Christine Borst nur ein paar Schritte über die Straße zur Grundschule. Mitte Dezember kommt sie auf Einladung der 25 Mädchen und Buben der Klasse 1c, die hier als Schulanfänger seit September rund 35 Stunden in der Woche zusammen lernen, spielen, mittags essen, turnen und musizieren. „Wir haben als erste Gemeinde im Landkreis eine Klasse mit Ganztagsunterricht an der Grundschule eingeführt und das Angebot wird von den Eltern und Kindern sehr gut angenommen“, freut sich die Chefin der Würmtalgemeinde.

Für Kleinen beginnt der Schultag morgens um 8 Uhr und endet von Montag bis Donnerstag am Nachmittag um 15.30 Uhr, Freitag ist regulärer Schulschluss. Vormittags unterscheidet sich der Unterricht nicht gravierend von dem, der in den zwei Parallelklasse für die Schulanfänger stattfindet, doch wenn die anderen dann nach Hause gehen dürfen, gibt es für die Kinder der 1c zusammen mit Klassenlehrerin Martina Gross gemeinsames Mittagessen. Am Nachmittag wird, unterstützt durch zwei ehrenamtliche Paten, Lesen, Schreiben und Rechnen geübt, zweimal in der Woche steht eine ganze Stunde zusätzlich Sport in der Turnhalle mit dem Kooperationspartner TV Planegg-Krailling sowie Musizieren mit dem Musikverein auf dem Stundenplan. Außerdem lernen die ABC-Schützen im Ganztagsunterricht bereits in der ersten Klasse der Grundschule Englisch. „Da muss man schon aufpassen und den Tag gut strukturieren, dass es für die Kleinen nicht zuviel wird“, weiß Pädagogin Gross, die seit drei Jahren an der Grundschule unterrichtet, „zwischendurch wird deshalb viel gespielt und wenn möglich auch draußen an der frischen Luft ausreichend herumgetobt.“ Für die erste Ganztagsklasse wurde in der Grundschule, in der auch eine Kindergrippe, ein Hort und die Volkshochschule untergebracht sind, ein ausreichend großes bunt gestrichenes Klassenzimmer mit Leseecke und Spielteppich, neuen Tischen und Stühlen sowie im Untergeschoß ein freundlicher, großer Spiel- und Aufenthaltsraum für die Kinder geschaffen. Etwa 20.000 Euro ließ sich Krailling die Ausstattung kosten, dazu kommen pro Jahr noch 5.000 Euro Mehrkosten für die zusätzliche Betreuung der Kinder. Die Landesregierung steuert 1.000 Euro jährlich bei. Die Eltern zahlen pro Tag 3,50 Euro für das Mittagessen, dass inklusive Geschirr von einer Cateringfirma geliefert wird. Bei der Menüauswahl dürfen die Kinder mitreden. „Beim Essen sind sie ziemlich heikel und würden am liebsten jeden Tag Pizza oder Pommes haben“, verrät Martina Gross, die bei der Betreuung in der Mittagspause Unterstützung von der Hausmeisterin erhält. Rektorin Hermine Freystätter: „Vieles klappt hier schon in der Anlaufphase so gut, weil wir alles unter einem Dach haben und mit Kinderkrippe und Hort über viel Erfahrung in der Ganztagsbetreuung verfügen.“ Die Kinder der Ganztagsklasse können beispielsweise gegen eine kleine Gebühr nach Schulschluss noch bis 18 Uhr im Hort bleiben. „Das ist vor allem für Berufstätige eine wirkliche Entlastung“, weiß Christine Borst. Und was sagen die Kinder in der 1c dazu, dass sie noch in der Schule bleiben und lernen müssen, wenn die anderen schon heim dürfen? Sie finden es prima, denn die meisten kennen Ganztagsstrukturen schon aus der Kindergartenzeit. Nur eine kleine ABC-Schützin äußert beim Besuch der Bürgermeisterin Kritik: „Es sind mehr Jungs als Mädchen in der Klasse, das find ich doof.“ Die Bürgermeisterin tröstet: „Das wird sich in ein paar Jahren sicher ändern.“

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