Stadtrat

Emotionsgeladene Debatte

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Starnberg – Nach etwa zweieinhalbstündiger, teils sehr emotional geführter Debatte, hat sich der Starnberger Stadtrat am vergangenen Montag mit 16:13 Stimmen für eine Änderung im bisherigen System der Beförderung für Grund- und Mittelschüler ausgesprochen.

So fahren die Mädchen und Buben ab Januar auf den Linien Waldspielsplatz, Perchting, Hadorf und Landstetten künftig mit den Buslinien 903, 951 und 982 des MVV zur Schule. Kurz vor Beginn der Sitzung hatten sich zahlreiche Eltern und ihre Kinder vor dem Eingang des Kleinen Saals der Schlossberghalle versammelt und überreichten jedem Stadtrat eine selbstgebastelte Blume. „Never change a winning team“ stand auf dem Blütenstempel geschrieben. „Dass das Thema immens wichtig ist, zeigt, wieviele Eltern und Kinder hier sind“, so Stefan Frey (CSU), der zu dem Thema einen Antrag eingereicht hatte, der eine Art Kompromisslösung vorsah: „Das für Grundschüler bisher gut funktionierende Schulbussystem wird beibehalten. Die Grundschüler, die künftig anstelle des Schulbusses Busse des allgemeinen ÖPNV als Beförderungsmittel benutzen wollen, erhalten dafür Tickets, die sie auch für ihre Freizeitaktivitäten nutzen können.“ Als „großes Problem“ sah Bürgermeisterin Eva John bei diesem Antrag, dass die Schulbusse und der ÖPNV parallel aufrechterhalten werden sollen. „Und das ist organisatorisch nicht machbar.“ Und so konnten sich außer der CSU nur Grüne, UWG und SPD dafür erwärmen und Freys Antrag wurde mit 16:13 Stimmen abgelehnt. „Was wir uns wünschen, ist ein sicherer Schulweg vom Einstieg bis zur Schule“, fasste Christian Ehrlich, Sprecher der Initiative „Pro Schulbus“ vor Beginn der Sitzung die Argumente gegen die geplante Änderung zusammen. Zuvor kritisierte er, dass beim Ausbau des ÖPNV vor drei Jahren die Belange der Schüler nicht berücksichtigt worden seien. „Wichtig ist uns, ein Gesamtkonzept zu haben, dass wir alle mittragen können.“ Dass dies schwierig werden würde, zeigte die teils emotional geführte Debatte. So folgte ein Teil des Gremiums den Argumenten der Elterninitiative und verwies auf ein funktionierendes, bewährtes Schulbussystem. „Ich sehe keine Notwendigkeit und wir müssen uns überlegen, was uns unsere Kinder Wert sind“, so Stefan Frey. „Wir wollen keine kalten Engel werden.“ Und sein Fraktionskollege Gerd Weger untermauerte: „Wir laufen Gefahr, den Bürgern politisch etwas überzustülpen, obwohl das System funktioniert.“ BMS-Fraktionssprecher Josef Pfister hielt dem entgegen: „Ich glaube, es wird hier mit Kanonen auf Spatzen geschossen. Was ist denn an den neuen Bushaltestellen gefährlicher als an manchen der bestehenden?“ Und auch Rathauschefin John betonte, dass alle Bedenken geprüft und sich die Verwaltung verantwortungsvoll damit auseinandergesetzt habe. So ergibt sich beispielsweise durch die Neukonzeption der Buslinien in Hadorf eine deutliche Veränderung zur bisherigen Haltestellensituation. Die bis dato drei Haltestellen werden auf zwei reduziert. Die neuen Haltestellen befinden sich an der Dorfstraße am Ortsausgang Richtung Perchting. Für die seitens der Elterninitiative angemahnte Sicherheit der Schulwege von und zu den Bushaltestellen sollen Schülerlotsen sorgen. Auch baut die Stadt die Schulbusaufsicht und Begleitung zu den Haltestellen deutlich aus. Kürzere Fahrtzeiten, mehr Flexibilität und eine zusätzliche ganzjährige MVV Nutzung durch das Schulticket, fasste John die Vorteile aus Sicht der Verwaltung zusammen. Während die Änderung der Schülerbeförderung nur mit 16:13 Stimmen durchging, folgten die Stadträte den weiteren Beschlussvorschlägen nahezu einstimmig und votierten unter anderem dafür, dass der Umbau der MVV-Bushaltestellen bis Januar fertiggestellt sein soll. Auch wird die Einbindung weiterer MVV-Linien in die Schülerbeförderung von der Stadtverwaltung begleitet und dokumentiert. Dem Stadtrat soll dann nach sechs Monaten erstmalig darüber berichtet werden. S. Berger

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