Jubiläum

Freude über neidische Blicke von Außen

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Starnberg – „Viele kommunale Häuser blicken auf uns, und beneiden uns“, sagte Landrat und Aufsichtsratsvorsitzender Karl Roth im Hinblick auf die schwarzen Zahlen, die das Klinikum Starnberg vorweist.

Doch nicht nur die finanzielle Lage begründet die Erfolgsstory des Kreiskrankenhauses, wie die Redner im Rahmen des Festakts zum 50-jährigen Jubiläums der Klinik hervorhoben. Die Geschichte des Krankenhauses Starnberg lässt sich bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts zurückverfolgen. Damals lag der Tarif für eine Behandlung noch bei 1,80 Mark pro Tag und das Krankenhaus wurde von dem Orden der armen Franziskanerinnen am Mühlberg geführt. Seit dem hat sich freilich einiges getan. Im September 1965 zog das Klinikum von der Leutstettener Straße an seinen heutigen Standpunkt. Seit Inbetriebnahme des Klinikums Starnberg an der Oßwaldstraße konnten zahlreiche Fortschritte verzeichnet werden, die vor allem mit der immensen technischen Innovation sowie der medizinischen Entwicklung zusammenhängen. Professor Arnold Trupka, ärztlicher Direktor des Klinikums Starnberg, erklärte, dass sich das medizinische Wissen alle zehn Jahre verdoppelt. Demnach steht den Ärzten, im Vergleich zu 1965, nun das 32-fache medizinische Wissen zur Verfügung. Eine Operation eines 80-jährigen Patienten mit Dickdarmkarzinom, beispielsweise, sei vor 50 Jahren noch undenkbar gewesen, so Trupka. Nun kann dem Patient durch diesen Eingriff zusätzliche Lebensqualität geschenkt werden. Ebenso hat sich die Strategie der Krankenhäuser verändert. „Die Zukunft liegt nicht im Wachstum, sondern im Zusammenwachsen“, betonte der Geschäftsführer des Krankenhauses, Thomas Weiler. Außer dem Seefelder Krankenhaus befänden sich alle Kliniken des Landkreises mittlerweile in einem Verbund. Vernetzung sei sehr wichtig, denn sie schaffe Interdisziplinarität und gewährleiste eine hohe Qualität der Behandlung, betonte Weiler. Mittlerweile könne die Starnberger Klinik über 80 Prozent der Krankheitsbilder im Landkreis behandeln und dominiere damit den lokalen Markt, hob Weiler hervor. Auch in der Patientenzufriedenheit rangiert das Kreiskrankenhaus Starnberg unter den ersten zehn Kliniken Münchens und Umgebung und ist dabei nur eines von zwei kommunalen Häusern, der Rest befinde sich in privater Hand. Neben der hohen Spezialisierung und breiten Kooperation nannte Weiler auch den Standort als Erfolgsrezept: „Arbeiten, wo Andere Urlaub machen“, steuere auch seinen Anteil zur Zufriedenheit der Mitarbeiter und Patienten bei. Dennoch fordere der enorm gestiegene ökonomische Druck das Kreiskrankenhaus heraus. So bemängelte Trupka beispielweise die Pauschalen, nach denen die Ärzte bezahlt würden, denn sie deckten nicht die Kosten für Weiterbildung, Innovation und Investition ab. Auch sei die Arbeitsdichte sehr hoch: Um die Erlöse zu generieren, die ihm zustehen, müsse ein Assistenzarzt 50 Prozent seiner Arbeitszeit mit administrativen Aufgaben füllen. Trupka forderte eine Veränderung der politischen Rahmenbedingungen, um in Zukunft für den medizinischen Nachwuchs attraktiv zu bleiben. Auch Pflegedirektorin Cornela Wöretshofer befasste sich in ihrer Rede mit der weiteren Entwicklung des Klinikums und erläuterte drei Faktoren, die sie für den Erfolg des Klinikums Starnberg aus Sicht der Pflege als bedeutend einstufte: Gewinnung von pflegerischem Fachpersonal, Akademisierung der Pflegeberufe und Zusammenarbeit der Berufsgruppen. Die Sicherheit und Stabilität der Arbeitsplätze des Pflegepersonals sei besonders durch die kommunale Trägerschaft gewährleistet, betonte Wöretshofer. Die Frage, ob es studierte Krankenschwestern und -pfleger bräuchte, bejahte die Pflegedirektorin entschieden und unterstrich die Bedeutung der Pflege in der Gesellschaft. Der dritte Faktor, die engere Zusammenarbeit der Berufsgruppen, müsse unbedingt aus Patientenperspektive diskutiert werden, nicht von den Berufsgruppen selbst. Dies gekoppelt mit der Formel: Wettbewerb um Gunst der Patienten plus professionelles Miteinander sowie Empathie ergebe aus Sicht Wöretshofers ein „Magnetkrankenhaus“. All das würde dafür sorgen, dass man dann in 25 Jahren auf 75 Jahre erfolgreiches Klinikum Starnberg zurückblicken könne. Musikalisch untermalt wurde die Veranstaltung von dem Duo „DomraPiano“, das sich aus Lothar Freund (Piano) und Natalia Anchutina (Domra) zusammensetzt. Besonders Anchutina an der Domra, einem klassischen Konzertinstrument aus Russland, beeindruckte das Publikum mit ihrer Fingerfertigkeit. Carolin Dameris

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